Sperriger Titel, positive Überraschung

Brucknerhaus: Paul Hindemiths Oratorium „Das Unaufhörliche“ zu einem Text von Gottfried Benn

Führte mit klarer, unspektakulärer Gestik entlang der expressionistischen Sprache Gottfried Benns: Keri-Lynn Wilson.
Führte mit klarer, unspektakulärer Gestik entlang der expressionistischen Sprache Gottfried Benns: Keri-Lynn Wilson. © Reinhard Winkler

Das 7. Abo-Konzert im Brucknerhaus ermöglichte am Donnerstag die faszinierende Begegnung mit einem bedeutenden, aber fast vergessenen, monumentalen Vokalwerk aus einer Zeit des politischen wie künstlerischen Umbruchs: Paul Hindemiths Oratorium „Das Unaufhörliche“ zu einem Text von Gottfried Benn, uraufgeführt 1931.

Die expressionistische, sperrige Sprache Benns will sich von jedem religiösen oder philosophischen Aspekt distanzieren, erreicht jedoch einen gegenteiligen, widersprüchlichen Eindruck.

Allein schon der Titel „Das Unaufhörliche“ meint nicht das „Ewige, Beständige“, sondern das hartnäckig Wiederkehrende. Das dreiteilige Oratorium postuliert im 1. Teil das Gesetz des „Unaufhörlichen“, von allen menschlichen Erklärungsversuchen abgekoppelten Seins.

Der 2. Teil beantwortet mit „Werden impliziert Vergehen“ die Sinnfrage des Daseins. Der finale 3. Teil umreißt die tröstliche These, dass zwar alles vergeht, aber stets wiederkehrt.

Monumental und fein

Hindemiths Musik zu diesen letztlich doch philosophischen Überlegungen pendelt zwischen monumentalen Klängen und feinsten Details, großen Chören und edlen Instrumental- und Vokalsoli, steht in der Tradition und formuliert dennoch die ganz eigene, charakteristische Tonsprache.

Sie fächert sich auf vier Solostimmen, großen Chor, Knabenchor und Orchester auf. Tenor Peter Lodahl, Bariton Christoph Pohl und Bassist Albert Dohmen glänzten mit individuellem Timbre und Textdeutlichkeit, an der es dem rund klingenden Sopran Manuela Uhls mangelte.

Der Philharmonia Chor Wien (Walter Zeh) entwickelte Volumen und profilierten Rückhalt, die St. Florianer Sängerknaben (Markus Stumpner) brachten feine Nuancen ein. Das Bruckner Orchester brillierte mit wohldosierter Klangkultur und wunderbaren Soli der Holz- und Blechbläser.

Dirigentin Keri-Lynn Wilson hielt mit unspektakulärer, klarer Gestik den riesigen Klangapparat jederzeit in kunstvoller Balance. Anhaltende, sehr freundliche Zustimmung aus deutlich reduziertem Publikum. Viele Hindemith-Skeptiker ließen sich ein großartiges Konzert entgehen.

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