Spiel, Satz, Sieg — Linz im Rückblick

Upper Austria Ladies von A wie Auslosung über E wie Endspiel, H wie Heizung bis Z wie Zukunft

US-Amerikanerin Alison Riske © APA/EXPA/Eisenbauer

Die US-Amerikanerin Alison Riske hat beim Upper Austria Ladies in Linz ihren dritten Tennis-Titel auf der WTA-Tour erobert. Die 31-Jährige setzte sich im Finale am Freitagabend gegen die als „Lucky Loser“ ins Endspiel vorgestoßene Rumänin Jaqueline Cristian mit 2:6,6:2,7:5 durch.

Für den ersten Erfolg seit dem Jahr 2019, das sie als 18. der Weltrangliste beendet hatte, erhielt Riske 23.548 Euro und wird sich dank 280 Punkten vom 73. Platz deutlich verbessern.

Mit dem Erfolg im ersten Duell verhinderte Riske einen weiteren Überraschungssieg in Linz nach 2019. Vor zwei Jahren hatte Cory Gauff (USA) triumphiert, heuer war auch Cristian nach einer Niederlage in der Qualifikation nach dem Rückzug einer Spielerin noch ins Hauptfeld gerutscht und hatte nach der Verletzung ihrer Landsfrau Simona Halep (2) kampflos erstmals ein Endspiel erreicht.

Da dominierte die Außenseiterin (WTA-100.) mit wuchtigen Schlägen den ersten Satz, ehe Riske immer besser ins Spiel fand und einen Entscheidungssatz erzwang. Nach Breaks zum 3:2 und 4:3 musste sie zwar ihren Aufschlag abgeben, nahm ihrer Gegnerin aber zum 6:5 neuerlich das Service ab und verwertete anschließend im elften Karriere-Finale gleich ihren ersten Matchball.

Über die Zukunft des Turniers werde es „interne Beratungen“ geben, kündigte Turnierdirektorin Sandra Reichel an. „Es gibt da ein paar offene Fragen, wie zum Beispiel den Zeitpunkt oder den Standort aufgrund der Baustelle im Stadion nebenan“, sagte die Oberösterreicherin. Im Jänner sollte demnach eine Entscheidung fallen.

Ein Blick zurück auf die Turnierwoche:

Auslosung: Für diese lässt man sich immer etwas einfallen. Diesmal ging’s gemeinsam mit drei Eishockeyspielerinnen der IceCats auf das Eis.

Baustellenlärm: Ausgerechnet bei der ORF-Live-Übertragung des Kick-offs des Projekts „Ladies.in Business & Sport“ ließen die Presslufthammer der Stadion-Baustelle die Wände im VIP-Klub erzittern.

Corona: Das Thema sorgte schon im Vorfeld für mehr als nur eine Sorgenfalte auf der Stirn von Turnierdirektorin Sandra Reichel. Großer Dank an die Organisatoren, dass sie nicht vor dem Virus kapitulierten.

Doppeltes Glück: Jaqueline Cristian scheiterte eigentlich schon in der Quali, profitierte dann aber vom Pech zweier Landsfrauen. Weil Sorana Cirstea kurzfristig absagen musste, kam sie ins Hauptfeld, nach der Verletzung von Simona Halep kampflos in ihr erstes WTA-Endspiel.

Endspiel: Das Match zwischen Alison Riske (USA-8) und Cristian war eines der Generationen. Die 31-jährige US-Amerikanerin und die acht Jahre jüngere Rumänin schenkten sich nichts —und überzogen bis nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe.

Frauenpower: Reichels überwiegend weibliche Crew sorgte dafür, dass das Linzer Turnier auch diesmal das Wiener ATP-Event in Sachen Charme in den Schatten stellte.

Geimpft und genesen: Linz erlebte das erste Event in Österreich, wo mittendrin die Corona-Zugangsregeln von 3G auf 2G (ab Montag) umgestellt werden mussten.

Heizung: Diese wurde zu Beginn der Woche im Pressezentrum nicht eingeschaltet — verkühlt hat sich dank gutem Immunsystem und Jacke aber keiner.

Inklusion: Das Doppel mit zwei Rollstuhl-Sportlerinnen stellt eine echte Bereicherung dar. Der nächste Schritt wäre eine Verlegung in den Abend, denn dieses Match hätte sich mehr Zuschauer verdient.

Jausengegnerinnen: So etwas gab es bei der diesjährigen Auflage nicht. Das Feld war sehr ausgeglichen.

Kurz-Semifinal-Tag: Das gab es in Linz noch nie: Aufgrund dem W.o. von Simona Halep und der Aufgabe von Danielle Collins sahen die Fans im Halbfinale nur einen Satz. Für Reichel der „bitterste Moment der Woche“.

Linienrichter: Anders als im Vorjahr wurde diesmal nicht auf das elektronische „Line-calling“-System gesetzt. Sehr zur Freude von Turnierbotschafterin Babsi Schett. Denn: „Diskussionen gehören dazu.“

Model-Qualitäten: Ihr US-Open-Sieg brachte Emma Raducanu Verträge mit dem Schmuckhersteller Tiffany & Co. und dem Modelabel Dior ein. Auch das Ergebnis beim Foto-Shooting auf der Eisenbahnbrücke ist ein echter Hingucker.

Null Interesse: Nur rund 100 Zuschauer verirrten sich am Österreicherinnen-Tag zu den Matches von Julia Grabher und Sinja Kraus in die Sporthalle.

Oachkatzlschwoaf: Raducanu absolvierte ihren „Dialekt-Schnellkurs“ für Social Media mit Bravour.

Platzsprecher: Erwin Gruber ist eine echte Institution des Events. Egal, ob volles Haus oder gähnende Leere, er trifft immer den richtigen Ton.

Quarantäne: Dank striktem Hygiene-Konzept und drei „Bubbles“ blieb der Turniertross von einer Corona-Infektion bzw. einer Absonderung durch die Behörde verschont.

Riesige Geste: Weil im Semifinale wenig Tennis zu sehen war, wurden weitere Sitzplätze freigemacht und den Besuchern eine Freikarte für den Finaltag angeboten.

Süße Überraschung: Pressechef Hans Adrowitzer zauberte Raducanu mit den Mozarttalern, die ihr Gesicht zeigte, ein breites Lächeln unter den Mund-Nasen-Schutz.

Top-Moment: Das waren für Reichel die leuchtenden Kinderaugen bei der Racket-Übergabe im Rahmen der Aktion „1000 Mädchen 1000 Schläger“ und dem Kindergarten-Tag mit dem Motto „Spiel & Spaß mit den Stars“.

Unbezahlbar: Oberösterreich war durch das Event wieder weltweit in den Medien präsent — ein enormer Werbewert. Das Event selbst bilanziert mit einer Schwarzen Null.

VIP, VIP, hurra — ein Treiben wie eh und je herrschte in den VIP-Räumlichkeiten. Dort dachte keiner an ein Virus.

Wartezeit: Die Negative-Serie der ÖTV-Damen wurde verlängert. Der letzte Matchsieg im Einzel datiert weiter aus dem Jahr 2013.

XXL: Die Bemühungen rund um die Förderung von Mädchen und Frauen im Tennis der Verantwortlichen sind enorm. Hoffentlich tragen sie Früchte.

Young Ladies: Bei der Wild-Card-Challenge hatte der rot-weiß-rote Nachwuchs die Chance auf einen Startplatz in der Quali — ein wichtiger Impuls. Im Finale setzte sich Mavie Österreicher (19) gegen Tamara Kostic (15) durch.

Zukunft: Wie es mit dem Turnier aufgrund der Stadion-Baustelle weitergeht, wird bis Jänner entschieden. Offen sind Standort und Termin.

Von Tobias Hörtenhuber

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