Spielend viel lernen

Sobald bei einem Kind, der Verdacht auf eine Beeinträchtigung oder Entwicklungsverzögerung vorliegt, kann mit der Frühförderung begonnen werden. Sie läuft bis zum Schuleintritt. Margret Schlager, eine von 15 Frühförderinnen der Lebenshilfe OÖ, hat viel Erfahrung und weiß, welche Methoden bei ihren Schützlingen gut ankommen.

Mit Hilfe von Frühförderin Margret Schlager und ihrer „Lina“ hat Julia die Farben und Obstsorten gelernt. © Lebenshilfe OÖ

Die ersten Lebensjahre sind für die Entwicklung eines Kindes von großer Bedeutung, weil die Lernbereitschaft in dieser Zeit besonders groß ist. Mit einer Frühförderung & Familienbegleitung kann bereits im Säuglingsalter begonnen werden, sobald eine Beeinträchtigung oder eine Entwicklungsverzögerung vermutet wird.

Margret Schlager, eine von 15 Frühförderinnen der Lebenshilfe OÖ, hat etwa Julia von ihrem 9. Lebensmonat an bis zum Schuleintritt begleitet. „Ein so früher Start ist selten, aber ideal“, schildert Schlager. Julia war immer sehr aufmerksam. Nach Absprache mit einer frühen Kommunikationsförderin hat Schlager u. a. mit Bildern und Gebärdensprache, gearbeitet.

Auch eine Logo- und eine Ergotherapeutin war bei dem Mädchen im Einsatz. Mittlerweile besucht Julia eine I-Klasse und kann dort mit einem speziellen I-Pad arbeiten.
Basierend auf den Interessen und dem Entwicklungsstand des Kindes werden die Fördermaßnahmen individuell erarbeitet. Das erfordert oft auch Kreativität. Bei Martina, einem anderen Kind, das sehr gerne singt aber ein eingeschränktes Hörvermögen hat, hat Schlager verschiedene Liedtexte mit Bildern dargestellt. „Martina kann sich Dinge, die sie sieht, einfach besser merken“, erläutert die Frühförderin. Zu Weihnachten hat das Mädchen dann für einen Wow-Effekt gesorgt, weil die Kleine alle Weihnachtslieder singen konnte. „Sie hat sich selbst so darüber gefreut und war so stolz“, beschreibt ihre Mutter Petra Frey den Glücksmoment.

„Im Gegensatz zu vielen punktuellen Therapien ist die Frühförderung langfristig angelegt. Das bietet auch die Möglichkeit, verschiedene Methoden auszuprobieren“, erklärt Schlager. In einer 105-minütigen Fördereinheit baut sie fixe Punkte wie ein Begrüßungslied und rhythmische Angebote für Martina ein. „Gleichbleibende Abläufe und eine gute Struktur geben Sicherheit und Orientierung. Dadurch hat sich auch die Aufmerksamkeitsspanne erhöht, was wichtig ist für den künftigen Schulbesuch. „Die Herausforderung besteht darin, je nach Tagesverfassung der Kinder flexibel auf sie einzugehen. Motorische Bewegungsparcours, Merkspiele, Sprach- und Geschicklichkeitsübungen hat die Frühförderin, die derzeit elf Familien betreut, im Einsatz. Für jedes Kind wird eine spezielle Tasche gepackt.

Durch die enge Verbindung mit den Familien ist Schlagers Arbeit auch psychisch belastend, alle zwei Wochen trifft sie daher ihre Kolleginnen zum fachlichen Austausch. Sobald eine ärztliche Bestätigung über die Notwendigkeit einer Frühförderung vorliegt, kann Kontakt mit einer Frühförderstelle aufgenommen werden. Die Frühförderin kommt dann ins Haus und stellt gemeinsam mit den Eltern einen Antrag auf Gewährung der Leistung aus dem Oö. Chancengleichheitsgesetz.

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