123 Strafminuten: Als die Black Wings dem KAC einige mitgaben

Vor 20 Jahren: Nach Foul an Intranuovo mit abgetrennter Fingerkuppe im Hinspiel nahmen Linzer Revanche

Der jetzige Nachwuchsleiter der Black Wings Robert Lukas (l.) gegen Mario Schaden vom KAC in der Saison 2003/2004.
Der jetzige Nachwuchsleiter der Black Wings Robert Lukas (l.) gegen Mario Schaden vom KAC in der Saison 2003/2004. © APA/Eggenberger

Grundsätzlich ist Eishockey ja zwar ein körperbetontes, aber kein unfaires Spiel – ein paar Strafminuten auf beiden Seiten, aber damit hat es sich meistens.

Vor 20 Jahren erlebten die Fans der Black Wings in der Linzer Eishalle jedoch ein in dieser Hinsicht denkwürdiges Spiel. Am 29. Februar 2004 fand das wohl härteste Match der Black Wings statt. Am Schluss standen 166 Strafminuten am Spielbogen, 123 gingen an die Linzer.

Abgetrennte Fingerkuppe

Es war ein Spiel mit entsprechender Vorgeschichte. Dem Linzer Publikumsliebling Ralph Intranuovo musste im Hinspiel nach einem Stockschlag von KAC-Verteidiger Jaako Niskavaara noch in Klagenfurt eine abgetrennte Fingerkuppe amputiert werden. Im Gespräch mit dem VOLKSBLATT erinnert sich der Linzer Stadionsprecher Gerold Rachlinger auch nach 20 Jahren noch genau an diese Szene. „Ich war in Klagenfurt live dabei und das Foul ist in der Kurve keine fünf Meter vor mir geschehen. Ein Stockschlag auf die Hand, sofort Blut überall am Eis. Die Schiedsrichter haben es nicht gesehen. Alle waren unter Schock. Ein so ein böses Foul ist auch im Eishockey nicht an der Tagesordnung“, betont er.

Zusammenhalt im Team

Rachlinger – der immer noch ein Intranuovo-Dress sein Eigen nennt – verweist auch darauf, welcher Zusammenhalt bei den Black Wings damals geherrscht hat. „Man muss wissen, welch enge Verbindung in so einer Eishockeymannschaft besteht. Das war damals wie in einer Familie. Von Juli bis April sind die Spieler und deren Familien fast 24 Stunden am Tag zusammen. Kinder wachsen zusammen auf und Frauen verbringen den Tag zusammen. Wenn wie damals einem Spieler die Fingerkuppe abgeschlagen wird, ist es, als würdest du sie selber verlieren“, betont der Kultsprecher, der jahrelang die Stimme der Linzer war.

Keine geplante Revanche

Dass vor dem Spiel etwas in der Luft lag, das sei klar gewesen, erinnert er sich. „Aber eine Rache-Aktion wird nicht geplant. Da genügt es, wenn einer sagt, den hol ich mir. Dann wissen alle sofort, sie müssen da mit. Man lässt seinen Mitspieler nicht allein“, beschreibt Rachlinger die Teamdynamik. „Es wurde auf die richtigen Gelegenheiten gewartet, die dann auch gekommen sind“, spricht Rachlinger die Flut an Strafminuten an.

„Ralph war ein Typ, der so etwas nicht auf sich sitzen lassen wollte und war sicher extra motiviert“, so der jetzige Nachwuchsleiter der Black Wings, Robert Lukas, über seine Erinnerung. Kaum mehr Erinnerung an Spiel hat indes der aktuelle Co-Trainer der Black Wings, Mark Szücs. Dafür aber beste Erinnerungen an Intranuovo. „Ich habe vor zwei, drei Wochen mit ihm geschrieben zu seinem Geburtstag und über ein paar alte Erinnerungen gesprochen. Wir haben damals in einer Linie gespielt und gemeinsam den Meistertitel gewonnen. Ralph war einer der besten Spieler, mit denen ich je zusammengespielt habe“, so Szücs.

Checks ab der ersten Sekunde

Vor 3.800 Zuschauern ging es ab der ersten Sekunde zur Sache. Kaum war die Scheibe eingeworfen, gab es die ersten Checks und Nicklichkeiten. Bis Intranuovo in der zwölften Minute zum ersten Mal zum Gegenschlag ausholte, und sich den ersten Klagenfurter schnappte, den er erwischen konnte. Am Ende mussten er und Mario Schaden für 2+10 Minuten auf die Strafbank.

Nur zwei Minuten später war es dann Jiri Hala, der nach überhartem Check an die Bande gegen einen Klagenfurter die erste Spieldauer-Strafe bekam. Danach durfte im zweiten Drittel wieder Intranuovo ran.

Während einer Massenschlägerei vermöbelte er den finischen Teamkollegen des Übeltäters aus dem Hinspiel, Kaipainen, weil er wohl dachte, Niskavaara vor sich zu haben. Ebenfalls bei der Massenschlägerei tat sich Paul Kruse hervor, der sich mit praktisch jedem KAC-Spieler am Eis matchte. Sowohl für Kruse als auch Intranuovo war das Spiel damit vorbei. Die Stimmung in der Halle kochte. Bis zum Schluss, das Spiel verloren die Linzer übrigens mit 2:4.

Von Christoph Steiner

Das könnte Sie auch interessieren