125 Tote bei Massenpanik nach Fußballmatch in Indonesien

Mörderische Gewalt nach dem Fußballmatch © APA/AFP/PUTRI

Die Zahl der Toten bei einer Massenpanik nach einem Fußball-Match in der indonesischen Provinz Ost-Java ist von den Behörden auf 125 nach unten korrigiert worden. Zunächst war von 174 Toten die Rede gewesen. Es seien aber Opfer mehrfach gezählt worden, teilte der Vizegouverneur der Region, Emir Dardak, mit, nachdem die Daten von zehn Krankenhäusern abgeglichen worden waren.

Indes wurde die Anzahl der Verletzten am Sonntag von offiziellen Stellen mit 323 beziffert. Der Großteil von ihnen dürfte im Stadion überrannt bzw. niedergetrampelt worden sein, wie es hieß. Polizeichef Nico Afinta sagte, Fans der Heimmannschaft Arema FC hätten am Samstagabend aus Verärgerung über eine Niederlage ihres Teams das Spielfeld gestürmt. Sicherheitskräfte hätten Tränengas eingesetzt, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Das habe zu einer Massenpanik geführt, bei der zahlreiche Menschen, die zum Ausgang drängten, erstickt seien.

Das Unglück ist das schwerste im weltweiten Fußball seit über einem halben Jahrhundert. 1964 waren im Zuge eines Spiels zwischen Peru und Argentinien 328 Menschen bei einer Massenpanik gestorben.

Bei dem Erstliga-Spiel hatte der Arema FC sein Match gegen Persebaya Surabaya mit 2:3 verloren. Nach dem Abpfiff sei die Situation in dem Stadion in Ostjava „anarchisch“ geworden, legte Polizeichef Afinta dar. Fans hätten Beamte angegriffen und Autos beschädigt. Es sei dann zu einem Gedränge gekommen, als Fans zu einem Ausgang geflüchtet seien.

Auf Videoaufnahmen lokaler TV-Sender ist zu sehen, wie zahlreiche Menschen auf das Spielfeld laufen und es zu Handgreiflichkeiten kommt. Nebel liegt in der Luft, bei dem es sich offenbar um Tränengas handelt. Am Rand des Spielfelds liegen größere Polizeifahrzeuge mit zertrümmerten Scheiben auf der Seite, aus einem der Fahrzeuge steigt Rauch auf. Die Bilder zeigen auch Personen, die offenbar das Bewusstsein verloren haben, und von Helfern weggetragen werden.

Der Leiter eines örtlichen Krankenhauses sagte dem Sender Metro TV, einige der Opfer hätten Hirnverletzungen erlitten. Unter den Toten sei auch ein fünfjähriges Kind. Die Behörden hatten zunächst von 127 Toten gesprochen, im Verlauf war die Zahl dann weiter gestiegen.

Der indonesische Sicherheitsminister Mahfud MD schrieb auf Telegram, das Stadion sei über seine Kapazität hinaus gefüllt gewesen. Es seien 42.000 Eintrittskarten verkauft worden, das Stadion aber nur für 38.000 Besucher zugelassen. Ostjavas Gouverneur Khofifah Indar Parawansa sagte, die Verletzten und die Familien der Opfer könnten mit finanzieller Hilfe rechnen.

Bei Spielen in Indonesien ist es in der Vergangenheit wiederholt zu Ausschreitungen und auch Gewalt unter Anhängern verschiedener Vereine gekommen. Sportminister Zainudin Amali sagte dem Sender KompasTV nach dem Unglück, er werde die Sicherheit bei Fußballspielen neu bewerten und dabei auch erwägen, zunächst keine Zuschauer mehr in Stadien zuzulassen. Präsident Joko Widodo sagte, die Behörden müssten die Sicherheit bei den Spielen gründlich überprüfen. Er hoffe, dass dies „die letzte Fußballtragödie in diesem Land“ gewesen sei. Wikodo wies den indonesischen Fußballverband an, alle Spiele der obersten Liga bis zum Abschluss von Ermittlungen auszusetzen.

Amnesty International Indonesien kritisierte, der Einsatz von übermäßiger Gewalt durch den Staat. Zur Eindämmung solcher Ansammlungen sei diese in keinster Weise gerechtfertigt.

Der Weltfußballverband Fifa forderte vom indonesischen Fußballverband einen Bericht über das Unglück an. Fifa-Regeln schreiben vor, dass Ordner und Polizisten in Stadien keine Schusswaffen oder Reizgas bei sich tragen oder einsetzen dürfen. Die Polizei von Ostjava reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage, ob ihr solche Vorschriften bekannt sind.

Die Fußballclubs Arema und Persebaya sprachen indes den Opfern und ihren Familien ihr Beileid aus. „Arema FC spricht tiefes Beileid für die Katastrophe in Kanjuruhan aus. Das Management von Arema FC ist auch für den Umgang mit den Opfern verantwortlich, sowohl für die Toten als auch für die Verletzten“, sagte Vereinschef Abdul Haris. Der Club werde ein Krisenzentrum und eine Opferinformationsstelle einrichten. „Bei den Familien der Opfer entschuldigt sich das Management von Arema FC zutiefst und ist bereit, eine Entschädigung zu leisten. Das Management ist bereit, Vorschläge für den Umgang mit der Katastrophe anzunehmen, damit viele gerettet werden“, erklärte Haris.

Der indonesische Fußball-Verband (PSSI) setzte den Spielbetrieb in der ersten Liga für eine Woche aus. Arema wurde die Austragung von Heimspielen für den Rest der Saison untersagt. Zudem habe der Verband ein Untersuchungsteam eingesetzt, das noch am Sonntag seine Arbeit aufnehmen sollte. „PSSI bedauert die Aktionen der Aremania-Anhänger im Kanjuruhan-Stadion. Es tut uns leid und wir entschuldigen uns bei den Familien der Opfer und bei allen Beteiligten für den Vorfall“, sagte der Verbandsvorsitzende Mochamad Iriawan. Man werde die Polizei bei der Aufklärung unterstützen.

Indonesien gilt als ein fußballbegeistertes Land. Obwohl es an internationalen Erfolgen mangelt, kommt es rund um Matches immer wieder zu Ausschreitungen und Gewalt. 2018 wurde ein Fan von einem Mob aus Anhängern eines rivalisierenden Vereins getötet. Indonesien ist vom 20. Mai bis 11. Juni 2023 Gastgeber der FIFA U-20-Weltmeisterschaft mit 24 teilnehmenden Mannschaften. Als Gastgeber ist das Land automatisch für den Cup qualifiziert. Das Land hat sich auch um die Ausrichtung des Asien-Cups 2023 beworben, dem Äquivalent zur Fußball-Europameisterschaft.

Betroffen von der Katastrophe zeigte sich Papst Franziskus. „Ich bete auch für diejenigen, die bei den Zusammenstößen nach einem Fußballspiel in Malang, Indonesien, ihr Leben verloren haben und verletzt wurden“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag nach dem Angelus-Gebet vor Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom.

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