Auf Salzburg wartet nun ein „Finale“ gegen Benfica

Struber änderte in San Sebastian einige Red-Bull-Grundsätze © APA/AFP/ANDER GILLENEA

Der Punkt könnte am Ende noch Gold wert sein. Nach dem 0:0 bei Real Sociedad geht Fußball-Meister Red Bull Salzburg in zwei Wochen (12. Dezember) mit guten Karten ins „Finale“ um den Umstieg in die Europa League gegen Benfica Lissabon. Selbst eine Heimniederlage mit einem Tor Unterschied können sich die Bullen daheim leisten, um ihr Ziel zu erreichen. Möglich gemacht hat das auch eine taktische Umstellung: In San Sebastian wurde vom bedingungslosen Pressing Abstand genommen.

„Dieser Punkt hat für uns einen sehr, sehr hohen Stellenwert“, betonte Trainer Gerhard Struber nicht zuletzt aufgrund der Qualität des Gegners. Die Basken sind in Champions-League-Gruppe D immer noch ungeschlagener Tabellenführer. Struber: „Wir haben es Real Sociedad sehr schwer gemacht – mit Teamwork pur, mit einem unglaublichen Schulterschluss, gemeinsam alles in die Waagschale zu werfen. Taktisch war das defensiv auf sehr hohem Niveau von meinen Burschen.“

Salzburgs Coach hatte das bei den Bullen fast schon sakrosankte hohe Offensivpressing weit in der gegnerischen Hälfte über Bord geworfen, ließ seine Akteure gegen den spielstarken Ligasechsten aus Spanien erst im Mittelfeld und auf bestimmte Auslöser „die Schlinge zuziehen“, wie er es formulierte. Personalnot und Spielanlage des Gegners hätten bei der Entscheidung eine Rolle gespielt, erklärte Struber. „In unserer Situation, in der wir drinnenhängen mit verfügbaren Spielern, und gegen einen internationalen Topclub war das die richtige Marschroute.“

Mads Bidstrup und Nicolas Capaldo rackerten im defensiven Mittelfeld. Dafür blieb Abwehrchef Strahinja Pavlovic vorzeitig in der Kabine. An der Oberschenkelrückseite hatte ein bereits beleidigter Muskel zugemacht. „Ich wollte hier kein Risiko eingehen, weil dieser Spieler für uns einen extremen Anker bedeutet“, begründete Struber. „Ohne ihn könnten wir in der Nachbesetzung in den nächsten Wochen schon Probleme bekommen.“ Zumal mit Oumar Solet ein Innenverteidiger verletzt fehlt und Samson Baidoo auch noch nicht voll fit ist.

„Ich glaube nicht, dass es etwas Ernstes ist“, beruhigte Pavlovic. Der Serbe soll bereits am Samstag (17.00 Uhr/live Sky) im Ligaspiel gegen den WAC wieder spielen können. Das gilt auch für Routinier Andreas Ulmer. Der 38-Jährige wurde in San Sebastian kurz vor Schluss durch Baidoo ersetzt. „Andi hat den Tank geleert, bis es nicht mehr gegangen ist“, begründete Struber. „Wir wissen, dass er karrieretechnisch im Herbst ist – gleichzeitig so eine Leistung zu bringen gegen so einen Gegner, da kann man nur den Hut ziehen.“

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Gezückt waren unmittelbar nach Spielende auch die Handys, um das Finish des Parallelspiels von Benfica gegen Inter Mailand (3:3) zu verfolgen. Hätte Nicolo Barella die Aufholjagd der Mailänder nach 0:3-Rückstand tief in der Nachspielzeit statt eines Stangenschusses noch mit dem 4:3-Siegestor gekrönt, wäre Salzburg vorzeitig und wie im Vorjahr in der EL-Zwischenrunde gestanden. Nun darf man daheim gegen die Portugiesen nicht mit zwei oder mehr Toren Unterschied verlieren.

„Es ist ein Finale. Wir müssen schlau sein und wissen, was wir zu tun haben“, meinte Pavlovic. Die Ausgangslage sei gut. „Wir müssen gegen Benfica mit Selbstvertrauen auftreten. Wir haben alles in unserer Hand.“ So müsse man auch spielen. „Wir wissen, was Benfica mitbringt. Das ist eine Mannschaft mit außergewöhnlicher Qualität“, ergänzte Struber. „Da gilt es, alles zu maximieren, um am Ende in der Europa League zu überwintern.“ Das Duell habe „finale Bedeutung“, der im Baskenland erkämpfte Punkt „könnte tatsächlich hilfreich“ sein.

„Ich bin sehr stolz, dass wir es mit diesem Punkt hinbekommen haben“, sagte Struber. Die Chance auf Gruppenplatz drei sei realistisch, klar und aufrecht. „Wir wissen, dass wir die Nase vorne und gleichzeitig ein Heimspiel haben.“ Ihre vier Punkte haben die Salzburger in dieser Champions-League-Saison allerdings bisher allesamt auswärts geholt. Von ihren jüngsten 21 Pflichtspielen in der Fremde haben sie nur eines verloren – mit 1:2 nach starker Leistung bei CL-Finalist Inter in Mailand.

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