Formel-1-Auftakt: So beurteilt ein Experte die Ausgangslage

ORF-Kommentator Ernst Hausleitner über Hamiltons Mercedes-Abgang, die Red-Bull-Dominanz, Verstappens Vormachtstellung, das Nein zu Andretti, seine Erinnerungen an Niki Lauda und eine österreichische Hoffnung

Ernst Hausleitner. © ORF/Roman Zach-Kiesling

Am 22. Februar, hätte Niki Lauda seinen 75. Geburtstag gefeiert. Österreichs Formel-1-Legende, die seinerzeit in Bad Mühllacken sein allererstes Autorennen bestritt, hat in der Königsklasse des Motorsport eine echte Lücke hinterlassen, wie Ernst Hausleitner im Gespräch mit dem VOLKSBLATT bestätigt.

Daran hat sich auch fast fünf Jahre nach Laudas Ableben anno 2019 nichts geändert. Mit dem Oberösterreicher haben wir aber natürlich auch über die aktuellen Ereignisse in der Formel 1 geplaudert, startet doch die neue Saison schon am 2. März in Bahrain. Ernst Hausleitner im Talk über …

… seinen ersten Gedanken, als er vom Wechsel von Lewis Hamilton zu Ferrari hörte:

„Großartig. Ich freue mich, dass es so passiert.„

… mögliche Gründe für diese Entscheidung:

„Ich glaube nicht, dass sich 2024 und 2025 an der Vormachtstellung von Red Bull in Person von Max Verstappen viel ändert. Hamilton sieht also frühestens 2026, wenn das neue Reglement kommt, die Chance, wieder um die WM zu fahren. Von Mercedes hat er aber nur einen Vertrag für zwei Jahre bis 2025 bekommen …“

… die Chancen von Mercedes in diesem Jahr:

„Schwierig einzuschätzen. Was es für Mercedes sicher schwierig macht: Alle anderen Teams entwickeln ihr Auto weiter, sie haben ein komplett neues gebaut und bei Null angefangen. Unabhängig davon glaube ich, dass es bei Mercedes durch die Konstellation mit Hamiltons Abgang heuer irgendwann krachen wird.“

… die Vormachtstellung von Red Bull:

„Ich glaube nicht, dass man noch einmal so dominant sein wird wie letztes Jahr, aber über die Saison gesehen ist Verstappen unschlagbar, falls nichts Unvorhergesehenes wie ein Unfall oder eine Krankheit passiert. Alles andere als sein vierter WM-Titel wäre eine Sensation.“

… die Chancen von seinem Teamkollegen Sergio Perez:

„Er ist im Vergleich zu Verstappen, der in einer Liga wie sonst nur Hamilton und Alonso und mit Abstichen Leclerc fährt, nur ein durchschnittlicher Pilot. Red Bull hatte in der Vergangenheit genug Wickel mit zwei Top-Piloten, Perez ist deshalb die ganz klare Nummer zwei in der Hierarchie und soll nur genug Punkte holen, damit sich auch der Konstrukteurs-WM-Titel ausgeht.“

… das vorläufige Nein zum Einstieg von Mario Andretti in die Formel 1:

„Für mich ist das nur ein Spiel auf Zeit und Taktik, um den Preis nach oben zu treiben. Es ist definitiv Platz für ein elftes Team. Der Einsatz macht für Andretti 2026 aus technischer Sicht mit dem neuen Reglement sicher mehr Sinn, es wird dem Rennstall aber auch mehr kosten.“

… einen Österreicher mit Chancen auf die Formel 1:

„Der Einzige, den ich in absehbarer Zeit weit und breit sehe, ist Charly Wurz. Er fährt heuer Formel-3-WM, die rund eine Million Euro kostet — da steht er unter Beobachtung, das ist sicher ein entscheidendes Jahr. Wenn er mit diesem Mittelständler-Team in die Top 5 kommt, dann hat er sicher die Chance, 2025 die Formel 2 zu fahren und dann ist es nur noch ein Schritt. Es ist aber viel Investment damit verbunden.“

… warum es bei Red Bull keinen Österreicher gibt:

„Da halte ich es mit Helmut Marko: Die Stoppuhr kennt keinen Reisepass.“

… seinen kongenialen TV-Partner Alexander Wurz (der jüngst seinen 50. Geburtstag feierte):

„Wir gehen in die 16. gemeinsame Saison, sind fast wie ein altes Ehepaar, haben viel Spaß zusammen.“

… die Erinnerungen an Niki Lauda:

„Nur die besten! Nie vergessen werde ich seinen staubtrockenen Humor. Mich hat er ja immer Schönleitner genannt, weil ich mir vor unserem ersten Interview die Haare gerichtet habe. Was mir imponiert hat: Er hat nie einen Unterschied gemacht, ob du ein Konzernchef oder ein Mechaniker bist. Wenn er dich mochte, mochte er dich. Wenn nicht, dann nicht.“

… Laudas Fehlen im Fahrerlager:

„Sein Ableben hat ein riesiges Loch gerissen, noch heute hängt bei Mercedes sein Kapperl im Eingangsbereich. Und er hätte sicher alles versucht, um den Wechsel von Hamilton zu Ferrari zu verhindern.“

Von Roland Korntner

 

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