Horner will Red-Bull-Team trotz Vorwürfe langfristig führen

Vorfall um Horner überschattete Auto-Präsentation © APA/AFP/GIUSEPPE CACACE

Der in den Schlagzeilen stehende Red-Bull-Teamchef Christian Horner hat am Donnerstag das Auto für die neue Formel-1-WM-Saison präsentiert und dabei alle Vorwürfe gegen ihn zurückgewiesen. In Milton Keynes machte der Brite, gegen den eine interne Untersuchung wegen angeblich unangemessenen Verhaltens läuft, deutlich, dass er plant, langfristig dabei zu sein. „Ich habe noch nie ein Team gesehen, das mehr zusammenhält oder mehr Unterstützung bietet als dieses“, sagte Horner.

Die Anschuldigungen rund um Horner überschatteten die Enthüllung des Jubiläums-Boliden RB20. Mit dabei waren auch Dreifach-Champion Max Verstappen und Sergio Perez. Der Langzeit-Chef des aktuellen Weltmeisterteams brach erstmals sein Schweigen seit dem Auftauchen der Schlagzeilen, die seine Zukunft bedrohen. „Ich weise die Anschuldigungen zurück, für mich läuft das Geschäft ganz normal weiter, und ich bin zuversichtlich. Wenn ich das nicht wäre, wäre ich nicht hier“, sagte der 50-Jährige.

„Ich möchte nicht über den Prozess sprechen. Ich konzentriere mich auf die Menschen und das Team und stelle sicher, dass wir in der bestmöglichen Verfassung für die kommende Saison sind“, fügte er hinzu. Horner stand im Mittelpunkt der Präsentation in der Red-Bull-Fabrik, mit der das Team sein 20-jähriges Bestehen in der Formel 1 mit sieben Fahrer- und sechs Konstrukteurstiteln feierte. Er deutete eine rosige Zukunft an und sprach von einem stark weiterentwickelten Auto. Das Hauptaugenmerk liege nun auf den Testfahrten in Bahrain, die am 21. Februar beginnen, bevor am 2. März der WM-Auftakt an gleicher Stelle stattfindet.

Horner, der mit der ehemaligen Spice-Girls-Sängerin Geri Halliwell verheiratet ist, wollte sich weder zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen noch zu einer Anhörung äußern, die letzte Woche stattfand. Reporter wurden davor gewarnt, danach zu fragen. Medienberichten zufolge geht es um eine Beschwerde wegen unangemessenen Verhaltens gegenüber einer Mitarbeiterin. Die Untersuchung dazu könnte sich noch einige Zeit hinziehen. Horner sagte, er sei dem Team „absolut verpflichtet“.

Auf die Frage, ob er erwarte, in Bahrain dabei zu sein, antwortete der Teamchef: „Ich habe Vertrauen in den Prozess.“ Er sagte, er sei weiterhin wie gewohnt zur Arbeit gegangen und habe „überwältigende“ Unterstützung gespürt. Jeder würde sich auf die Arbeit rund um das Auto konzentrieren, „um die beiden Weltmeistertitel zu verteidigen, für die wir in den letzten Jahren so hart gearbeitet haben. Jeder investiert in das Auto.“

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Verstappen, der separat mit Reportern sprach, sagte, der Teamgeist sei besser denn je und seine Beziehung zu Horner unverändert. „Wir haben viele Dinge zusammen erreicht, das ändert nichts daran.“ Es habe keine Ablenkung durch die Untersuchung gegeben. Ähnlich äußerte sich auch Perez. „Wir sind ein Team und wollen, dass es zusammenbleibt.“

Horner führt Red Bull Racing seit dem F1-Einstieg 2005, auch für ihn ist es die 20. Saison, er ist damit längstdienender Teamchef. Red Bull sei es gelungen, „die Landschaft der Formel 1 zu verändern. Das ist dem Team gelungen, weil es entschlossen war, die Dinge anders zu machen“, so der Engländer. Man sei unheimlich stolz auf das, was man erreicht habe. „Aber es geht darum, was vor einem liegt, und nicht, was schon war.“

Verstappen erklärte, das neue Auto sei definitiv besser. Aber es bleibe abzuwarten, wie sehr sich die Konkurrenz verbessert habe. Auf die Frage, ob er 2024 in der Lage sein könnte, alle Rennen zu gewinnen, sagte Verstappen, darüber denke er nicht nach. Im Vorjahr hatte er 19 von 22 Grand Prix für sich entschieden.

Einen kleinen Seitenhieb hatte der Niederländer für seinen Rivalen Lewis Hamilton parat. Dieser befinde sich durch den verkündeten Wechsel 2025 zu Ferrari in einer „seltsamen“ Situation. Ab einem bestimmten Zeitpunkt werde Mercedes den Briten nicht mehr in alles einbeziehen. Dessen Teamchef Toto Wolff werde Hamilton das irgendwann sagen müssen. „Das ist normal in der F1. Es ist wahrscheinlich ein bisschen seltsam.“

Optimistisch geht Perez, der stark im Schatten von Verstappen steht und auch viel Kritik einstecken musste, ins neue WM-Jahr. Der Mexikaner hat die Winterpause genutzt, um sich für weitere 24 Rennen gegen den dominierenden Weltmeister zu erholen und aufzutanken. „Es ist meine vierte Saison mit dem Team und ich bin sicher, dass es die beste sein wird.“ Perez’ Vertrag läuft am Ende der Saison aus. Der 34-Jährige sagte, er sei noch nicht fertig. „Ich denke, dass ich immer noch in Bestform bin, dass ich immer noch viel zu geben habe. Ich bin noch jung und immer noch motiviert.“

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