Kriechmayr trotz Systemfehler für Garmisch-Rennen optimistisch

Ski-Weltcup: Oberösterreich hat letzten Super-G in Garmisch-Partenkirchen anno 2021 gewonnen

Vincent Kriechmayr © AFP/Klamar

Österreichs schwer gebeutelte Speed-Männer haben am Wochenende in Garmisch die nächste Chance auf Wiedergutmachung. Nachdem Vincent Kriechmayr und Co. auch bei den Kitzbüheler Abfahrten kein Spitzenresultat vergönnt war, bleibt die Hoffnung, auf der Kandahar-Strecke im Super-G-Doppel wieder ganz vorne mitzumischen.

Die Favoriten kommen jedoch aus der Schweiz und Frankreich: Marco Odermatt und Cyprien Sarrazin wollen am Fuße der Zugspitze ihre Topform zum Besten geben.
Der im Gesamtweltcup die neuerliche Titelverteidigung anstrebende Odermatt in Bormio, Sarrazin zuletzt in Wengen und Kriechmayr im ersten Bewerb in Gröden haben im Super-G in dieser Saison bereits voll angeschrieben.

Der mit seiner Form hadernde Oberösterreicher hat an Garmisch grundlegend gute Erinnerungen. Bei der letzten Ausgabe 2021 entschied Kriechmayr den Super-G für sich, Matthias Mayer wurde Zweiter, Odermatt Dritter. Am Samstag (11.45 Uhr) und Sonntag (11.30 Uhr/beide live ORF 1) wäre ein rot-weiß-roter Erfolg Balsam für die geschundene (Ski)Seele.

Kriechmayr gab sich am Freitagabend bedingt optimistisch. „Der erste Super-G war positiv, aber in den anderen beiden war ich mit meinem Skifahren auch schon nicht mehr zufrieden. Ich habe momentan einen Systemfehler drin, aber wir haben gut trainiert und ich kann auch nicht mehr tun als kämpfen.“ Seine Situation sei „ganz einfach erklärt. Wenn ich mich wohlfühle und von meiner Skitechnik überzeugt bin, dann kann ich auch ans Limit gehen. Wenn ich das Gefühl nicht habe, dann kann ich das nicht, weil ich mich sonst in Situationen bringe, wo es wirklich gefährlich wird.“

Daniel Hemetsberger erzählte von einem „Meniskusrisserl“. Dieser ist mutmaßlich Schuld für erhebliche Knieschmerzen. „Es kann aber auch sein, dass der Knorpel ein wenig mehr nachgegeben hat.“ Er habe seit Kitzbühel zwei richtig schwere Therapien durchgezogen. „Die haben höllisch wehgetan, aber die meiste Flüssigkeit ist jetzt heraußen.“ Befragt nach seiner Form, lachte der Oberösterreicher auf. „Keine Ahnung, wo die Form ist. Ich bin immer noch auf der Jagd danach. Das Feeling wird besser, ich glaube, dass die Form gar nicht so weit weg ist.“

Sieben Saison-Abfahrten sind bekanntlich immer noch ohne Stockerlplatz für das ÖSV-Männerteam verstrichen. Nach dem Doppelsieg durch Kriechmayr und Hemetsberger in Gröden sowie dem mannschaftlichen starken Abschneiden in Bormio samt einem zweiten Platz von Raphael Haaser lief es zuletzt auch in der zweiten schnellen Disziplin nicht nach Wunsch. Im Super-G von Wengen war Stefan Babinsky als Sechster bester Österreicher, Kriechmayr klassierte sich nur als Elfter.

„Bei uns im Team sind alles gute Techniker. Aber Cyprien Sarrazin oder Marco Odermatt, die attackieren die Kurve richtig extrem. Das geht viel über das Selbstvertrauen. Das haben die, die vorne mitfahren, momentan. Das brauchen auch wir wieder“, sagte ÖSV-Cheftrainer Marko Pfeifer zur Tiroler Tageszeitung (Freitag-Ausgabe) zum Status quo. Pfeifer sieht vor allem Odermatt als in Garmisch nur schwer zu biegen. Der Schweizer (240 Punkte) führt die Disziplinen-Wertung nach drei Stationen vor Kriechmayr (174) und Sarrazin (150) an.

Zumindest das Podium ist für Pfeifer das erklärte Ziel. Sein Team schliff nach Kitzbühel im Heimattraining auf der Reiteralm und Hinterreit an der Form. Als Hoffnungsträger sieht Pfeifer den Tiroler Haaser aufgrund dessen Vorgeschichte in der schnellen technischen Disziplin. „Wir brauchen gute Riesentorläufer im Speed-Bereich, das zeigt uns Sarrazin mit seinem Schwung vor“, so der Männer-Coach.

Die Bewerbe in Garmisch mussten im Vorjahr aufgrund der warmen Temperaturen abgesagt werden. Die 70. Kandahar-Rennen sollen nun trotz ähnlicher Wetterlage über die Bühne gehen. Sorgen bereitete den Verantwortlichen der Regen am Donnerstag. Für Freitag waren “erneut Plusgrade und Schauer angesagt, links und rechts der Piste liegt kaum mehr Schnee. „Dafür gibt es Netze, die fangen uns schon auf“, nahm es Kriechmayr mit Humor. „Ich gehe von einem guten und fairen Rennen aus.“

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