Leverkusen nach 3:0 gegen Bayern fünf Punkte voran

Leverkusen feierte Sieg im Spitzenspiel gegen Bayern © APA/dpa/Federico Gambarini

Bayer Leverkusen ist dem erstmaligem Gewinn des deutschen Fußball-Meistertitels am Samstag einen großen Schritt nähergekommen. Die Werks-Elf gewann den Schlager gegen den FC Bayern vor eigenem Publikum verdient mit 3:0 und führt nun die Tabelle mit fünf Punkten Vorsprung auf die Münchner an. RB Leipzig erreichte beim FC Augsburg nur ein 2:2 und liegt damit schon drei Punkte hinter dem Vierten Dortmund, der bereits am Freitag 3:0 gegen Freiburg gewann.

Union Berlin setzte sich daheim gegen Wolfsburg 1:0 durch, Werder verlor vor Heimpublikum gegen Heidenheim 1:2. Frankfurt gegen Bochum endete 1:1, das Duell zwischen Gladbach und Darmstadt brachte ein 0:0.

In Leverkusen entwickelte sich zunächst eine Partie ohne große Höhepunkte, dann aber wurden die Gastgeber dominanter und nutzten eine Unachtsamkeit der Bayern bei einem Einwurf. Robert Andrich zog auf der linken Seite unbedrängt davon, seinen scharfen Stanglpass verwertete der vom Titelverteidiger an Leverkusen verliehene Josip Stanisic, der auf einen Torjubel verzichtete (18.).

Die Hausherren hatten das Match danach im Griff, waren schon vor der Pause das gefährlichere Team und schlugen bald nach dem Seitenwechsel vorentscheidend zu. Nach sehenswerter Vorlage von Nathan Tella bezwang Alex Grimaldo Bayern-Tormann Manuel Neuer mit einem wuchtigen Schuss ins kurze Eck (49.).

Der ohne den verletzten Konrad Laimer angetretene Rekordchampion konnte nicht mehr zulegen, Top-Goalgetter Harry Kane wurde von der Bayer-Defensive komplett aus dem Spiel genommen. Leverkusens Jeremie Frimpong traf in der 89. Minute noch die Stange und scheiterte eine Minute später allein vor dem Tor an Neuer. In der 95. Minute versenkte der Niederländer den Ball aus großer Distanz im leeren Tor – Neuer war zuvor bei einem Corner im gegnerischen Sechzehner aufgetaucht und schaffte es nicht mehr rechtzeitig zurück.

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Bayern-Star Thomas Müller übte danach auf Sky Kritik. „Da fehlen mir – jetzt können wir unseren Oliver Kahn zitieren – teilweise die Eier und diese Freiheit. Wir haben eine Verkopftheit in unserem Spiel, vor allem mit Ball.“ Der 34-Jährige betonte, das sei keine Kritik an Trainer Thomas Tuchel. „Wir waren genug Spieler auf dem Platz von internationalem Format, da brauchst du nicht auf den Trainer gehen“, sagte der DFB-Teamspieler. „Wovon ich spreche, sind Entscheidungen vor allem mit Ball, das hat was mit der Spielintelligenz zu tun, mit der Selbstständigkeit.“

Der Sieg für Bayer sei „absolut verdient“, sagte Müller. „Die Analyse können wir kurz halten.“ Die Leverkusener, „die zocken einfach, die spielen Fußball, die suchen Lösungen“, sagte der Weltmeister von 2014. Das erwarte er auch von seiner Mannschaft. Stattdessen spiele das Bayern-Team zu statisch, „von a nach b, von b nach c, keiner hat die Freiheit, einfach zu zocken zu beginnen.“ Tuchel sagte dazu, Müller habe mit seiner Kritik „nicht unrecht. Wir hatten eine ganze Woche Zeit, uns darauf vorzubereiten. Wir wollten sehr offensiv verteidigen und den Spielfluss von Leverkusen gar nicht aufkommen lassen. Aber wir haben wahnsinnig schlechte Entscheidungen getroffen“, erklärte der Coach.

Wenige Stunden zuvor gerieten die Leipziger in Augsburg durch Phillip Tietz (35.) in Rückstand, sorgten dann jedoch dank Kopfballtreffern von Lois Openda (39.) und Benjamin Sesko (52.) für die vermeintliche Wende. Die Augsburger kamen aber noch zum Ausgleich von Ermedin Demirovic (60.), Xaver Schlager machte in dieser Aktion nicht die beste Figur.

Der Ex-Salzburger spielte durch, seine ÖFB-Teamkollegen Nicolas Seiwald (ab 67.) und Christoph Baumgartner (ab 84.) wurden eingewechselt. Im Finish ließ Openda die große Chance auf den Leipzig-Sieg aus, er scheiterte mit einem äußerst schlecht ausgeführten Elfmeter an Augsburg-Keeper Finn Dahmen (81.). Damit hat der Red-Bull-Club aus den jüngsten sechs Runden nur fünf Punkte geholt.

Weiterhin fünf Zähler hinter Leipzig rangiert Eintracht Frankfurt an der sechsten Stelle. Beim Heim-1:1 der Hessen gegen Bochum (mit Kevin Stöger) fehlte Sasa Kalajdzic, weil er erstmals Vater wurde.

Sein Landsmann Maximilian Wöber (bis 72.) kam mit Gladbach daheim gegen Schlusslicht Darmstadt (mit Emir Karic) nicht über ein 0:0 hinaus. Gar keinen Punkt gab es für Werder mit Marco Friedl und Romano Schmid daheim gegen Heidenheim, immerhin köpfelte Schmid am 125. Geburtstag seines Clubs das Ehrentor der Bremer (19.).

Einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf feierte Union Berlin ohne den gesperrten Christopher Trimmel. Der Hauptstadt-Club schlug Wolfsburg 1:0, Ex-ÖFB-Teamkeeper Pavao Pervan war beim Kopfballtor von Danilho Doekhi machtlos. Für Wolfsburg-Coach Niko Kovac könnte es nun eng werden.

Die Partie war insgesamt mehr als eine halbe Stunde unterbrochen, nachdem Anhänger beider Clubs immer wieder Tennisbälle auf den Rasen geworfen hatten, und stand kurz vor dem Abbruch. Nur zwei der fünf Nachmittags-Spiele – in Bremen und Frankfurt – gingen ohne Zwischenfälle über die Bühne. Auch Leverkusen gegen Bayern begann wegen Unmutsbekundungen acht Minuten später.

Hintergrund der Proteste ist der seit Monaten schwelende Widerstand einiger Fangruppen gegen den Einstieg eines Investors bei der Deutschen Fußball Liga (DFL). Der Investor soll für eine prozentuale Beteiligung an den TV-Erlösen eine Milliarde Euro zahlen.

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