Sprungbrett auf dem Weg zur Sängerkarriere

OÖ. Opernstudio ebnet seit fünf Jahren jungen Sängern Weg zum Engagement

Die aktuellen Mitglieder des OÖ. Opernstudios (v.l.): Jana Markovic, Hedwig Ritter, Peter Fabig, Michael Daub, Grégoire Delamare, Tina Josephine Jaeger
Die aktuellen Mitglieder des OÖ. Opernstudios (v.l.): Jana Markovic, Hedwig Ritter, Peter Fabig, Michael Daub, Grégoire Delamare, Tina Josephine Jaeger © Petra Moser

Den Gesangsstudenten mit praktischer Erfahrung einen guten Start ins Berufsleben zu ermöglichen, war schon viele Jahre lang ein Ansinnen der Bruckneruni-Professoren Thomas Kerbl, Kurt Azesberger und Robert Holzer.

In Landestheater-Intendant Hermann Schneider fanden sie dafür einen guten Partner: 2016 wurde das OÖ Opernstudio eingerichtet, eine Kooperation von Landestheater und Anton Bruckner Privatuniversität, im Rahmen derer Studenten seither regelmäßig auf der Bühne stehen.

Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit können sich sehen lassen: Fast alle Opernstudio-Absolventen wurden nach ihrem Abschluss vom Fleck weg engagiert. Ein Blick auf eine fünfjährige Erfolgsgeschichte.

Von zwölf bekamen zehn sofort ein Engagement

Ilia Staple etwa ging ans Gärtnerplatztheater in München, Florence Losseau hat als Freiberuflerin bereits in Lyon, Köln und Paris gesungen, Julia Grüter ist am Staatstheater Nürnberg und Philip Kranj ist in Gelsenkirchen fest engagiert. Von den zwölf Absolventen der beiden ersten Opernstudio-Durchgänge erhielten zehn gleich ein Engagement.

Der Erfolg der Ausbildung spricht sich herum: Die Zahl der Bewerber für das Opernstudio, die sich einem aufwendigen Auswahlverfahren stellen müssen, nimmt zu, beim letzten Mal waren es schon rund 500. Auch bei den Aufnahmeprüfungen für ein Gesangsstudium an der Bruckneruni habe sich das in steigenden Zahlen niedergeschlagen, erklärt Robert Holzer, Direktor des Instituts für Gesang und auf universitärer Seite für das Opernstudio zuständig.

Bei der Besetzung habe man sich an „Cosi fan tutte“ orientiert: Gesucht werden für das zwei Jahre dauernde Ausbildungsangebot je ein lyrischer Sopran, eine Soubrette, ein Mezzosopran, ein lyrischer Tenor, ein Bariton und ein Bass, also drei Damen und drei Herren. Wobei es beim Vorsingen regelmäßig einen massiven Überhang an weiblichen Bewerbern gebe. „Und bei den Männern sind wenige tiefe Stimmen dabei — die Bässe sterben aus“, beklagt Holzer, selbst Bass, der an der Bruckneruni und am Salzburger Mozarteum ausgebildet wurde und als international renommierter Sänger gilt.

In einer Zeit, in der die Konkurrenz auch unter den Sängern immer größer werde, sei das Opernstudio eine perfekte Möglichkeit, sich berufsfit zu machen. „Es soll der Übergang vom Hochschulabschluss ins Engagement sein, was meistens der schwierigste Schritt ist“, sagt Holzer. „Oft geht man 20, 30 Mal vorsingen und hat noch kein Engagement.“

Dazu gehören neben den Auftritten im Landestheater auch Audition-Training an der Uni, bei dem Vorsingen simuliert werden, „echte“ Vorsingen bei Agenturen und in Theatern werden organisiert. Holzer: „Der Unterschied zu anderen Opernstudios, die zur Nachwuchsförderung überall wie Schwammerl aus dem Boden schießen, ist — und da haben wir ein Alleinstellungsmerkmal —, dass wir das einzige sind in Österreich, das eine universitäre Anbindung hat.“

Kleines Institut mit großen Erfolgen

Abgesehen vom Opernstudio betreibt auch die Uni eine eigene Opernschule, das Musiktheaterstudio, das sich immer wieder bei Veranstaltungen im Haus präsentiert. „Unser mit 50 Gesangsstudierenden recht kleines Institut für Gesang verzeichnete im Sommer viele erfreuliche Engagements und Auszeichnungen für unsere Studierenden“, freut sich Holzer.

Nicole Lubinger hat den 1. Preis beim Strecker Crossover Wettbewerb (Oper) in Baden gewonnen, Tina Jäger Rang zwei beim Internationalen Gesangswettbewerb Köln gemacht. Ebenfalls einen zweiten Platz hat Johanna Falkinger beim Concour Corneille de Rouen errungen, Julia Grüter wurde Dritte beim internationalen ARD-Wettbewerb.

„Wir versuchen auch, auf den Arbeitsmarkt zu reagieren und fördern nicht nur Solisten: Auch Choristen werden immer wichtiger, allein am Landestheater singen zwei Handvoll Absolventen im Chor.“ Als drittes Standbein führt Holzer die Tätigkeit als Gesangslehrer an Landesmusikschulen an.

Drei Eigenproduktionen pro Saison bringen die jungen Talente des OÖ Opernstudios unter der Leitung von Gregor Horres auf die Landestheater-Bühne und feierten in vergangenen Saisonen etwa mit Schuberts „Dreimäderlhaus“ oder Benjamin Brittens „The Rape of Lucretia“ beachtliche Erfolge. Auch bei großen Produktionen sind sie in kleineren und mittleren Rollen im Einsatz. Dazu kommen Veranstaltungen wie „Oper am Klavier“ und Liederabende. Die nächste Produktion des OÖ Opernstudios ist „Europeras 3 & 4“ von John Cage. Sie feiert am 19. November um 20 Uhr in der Blackbox des Musiktheaters Premiere.

Von Melanie Wagenhofer

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