Sri Lanka: Kein Gottesdienst mehr!

Kirchen aus Terrorangst gesperrt — Kardinal kritisiert Behördenversagen

Wegen Terrogefahr keine Messe: St.-Antonius-Kirche in Colombo.
Wegen Terrogefahr keine Messe: St.-Antonius-Kirche in Colombo. © AFP/Samad

Nach den Anschlägen in Sri Lanka mit mindestens 253 Toten werden in den katholischen Kirchen des Landes vorerst keine Gottesdienste mehr abgehalten. „Auf Rat der Sicherheitskräfte lassen wir alle Kirchen geschlossen“, sagte ein ranghoher Priester am Donnerstag. Bis auf Weiteres würden deshalb keine öffentlichen Messen mehr gefeiert.

In der Nacht zum Donnerstag nahm die Polizei weitere 16 Verdächtige im Zusammenhang mit den Anschlägen fest vom Ostersonntag. Sechs Islamisten sind noch auf der Flucht, weshalb weiter akute Terrorgefahr herrscht.

In einem Ort östlich der Hauptstadt Colombo kam es gestern zu einer Explosion, bei der es aber keine Opfer gab. Die Ursache war zunächst unklar. Es habe sich aber nicht wie in den vergangenen Tagen um eine gezielte Detonation zur Entschärfung eines Sprengsatzes gehandelt, so die Polizei.

Spitzenvertreter der katholischen Kirche in Sri Lanka üben unterdessen scharfe Kritik an Versäumnissen in Sicherheitsapparat. „Das ist eine überaus schwerwiegende Sache, denn das bedeutet, dass das Massaker hätte vermieden werden können“, sagte Kardinal Albert Malcolm Ranjith. Er bezog sich auf Berichte, wonach den srilankischen Behörden Hinweise auf die geplanten Attentate vorgelegen sind. Viele Menschen im Land seien zornig, „aber was können wir tun, wenn die Sicherheitsbehörden ihre Pflicht nicht erfüllen“, so der Erzbischof von Colombo. Wäre er gewarnt worden, hätte er die Osterliturgien abgesagt.

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