Starker Anstieg der Getreidepreise – Mini-Plus bei Brotpreis

Die Getreidepreise sind in den vergangenen Monaten weltweit um bis zu ein Fünftel gestiegen. Auslöser für den starken Preisauftrieb ist vor allem die von Russland eingeführte Exportsteuer für Weizen. Brot in Österreich hat sich noch nicht merkbar verteuert, manche heimischen Bäcker wollen aber wegen steigender Material- und Lohnkosten in den nächsten Monaten die Preise erhöhen.

„Materialkosten machen rund 25 bis 30 Prozent der Gesamtkosten einer kleinen Durchschnittbäckerei aus“, sagte der Wiener Bäcker und Innungsmeister des WKÖ-Bundesverbands der Bäcker, Josef Schrott, zur APA. Wenn die Kosten für Mehl, Nüsse und andere Zutaten sowie für Mitarbeiter und Energie steigen, müsse man auch die Preise für Backwaren erhöhen. In seinem Betrieb hat Schrott nach eigenen Angaben seit vier Jahren die Preise nicht erhöht, in den nächsten Monaten steht nun aber eine Preiserhöhung an. Außerdem hat die Coronakrise für viele Bäcker zu deutlichen Umsatzeinbrüchen geführt, weil die Gastronomie, Veranstaltungen und Betriebskantinen als Kunden ausgefallen sind.

Der Brotpreis ist zuletzt in Österreich nur leicht gestiegen. Im Februar kostete Brot im Schnitt um 1,2 Prozent mehr als vor einem Jahr, hieß es von der Statistik Austria auf APA-Anfrage. Je nach Produktgruppe fiel die Preisveränderung im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat aber deutlich unterschiedlich aus: Mischbrot +4,9 Prozent, Spezialbrot 0 Prozent, Weißbrot -5,2 Prozent, Semmel +3,8 Prozent, Gebäck +2,0 Prozent und Laugengebäck +1,3 Prozent. Bei Süßwaren gab es rückläufige Preise, etwa bei Gebäck mit süßer Füllung (-0,8 Prozent) und Topfengolatschen (-7,1 Prozent).

Bis der gestiegene Getreidepreis an den Warenbörsen bei den Bäckereien als höherer Mehlpreis ankommt, dauert es zumeist einige Monate. An der Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien kostete eine Tonne Premiumweizen zuletzt 214 Euro, ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Preis für eine Tonne Weizen an der Warenterminbörse Euronext in Paris ist um 20 Prozent höher als vor einem Jahr und liegt aktuell bei 221 Euro.

Gute Nachrichten gibt es womöglich aus Russland. Eine sich abzeichnende Entspannung bei der Weizenernte könnte auch zu Änderungen bei den Exportsteuern führen, mit der die Exporte begrenzt und der Preisauftrieb im Land reduziert werden sollen, schreibt die Commerzbank-Rohstoffexpertin Michaela Helbing-Kuhl in einer aktuellen Analyse. Die Nachrichtenagentur Interfax habe bereits am Dienstag unter Berufung auf den russischen Agrarminister gemeldet, dass die Eingriffe in den Handel abgebaut oder ausgesetzt werden können, wenn die Regierung die Lage als stabilisiert betrachtet.

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Die heimischen Mühlen beobachten derzeit die Getreide-Preisentwicklung. „Im Bereich der Mühlenwirtschaft ist die Lage sehr divers und jede Mühle muss für sich selbst entscheiden, was das für sie auf Basis der individuellen Rahmenbedingungen bedeutet“, so Herbert Wiesbauer, Innungsmeister der österreichischen Müller und Mischfuttererzeuger, zur APA. Es komme zum Beispiel auf die aktuellen Lagerstände an, oder in welchem Ausmaß fixe Kontrakte zu den Lieferanten und den Kunden bestehen würden. „Am Ende muss jeder Betrieb für sich entscheiden, wie er mit der Situation betriebswirtschaftlich umgeht“, so Wiesbauer.

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