Starkes Rufzeichen für Linzer JKU

Oberösterreich will deutlich mehr Geld für Johannes Kepler-Uni, im Gegenzug soll Zahl der MINT-Studenten steigen

Im Bild (v. l.): Rektor Meinhard Lukas, LR Christine Haberlander, LH Thomas Stelzer, WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer, LH-Stv. Michael Strugl und IV OÖ-Vizepräsident Peter Mitterbauer
Im Bild (v. l.): Rektor Meinhard Lukas, LR Christine Haberlander, LH Thomas Stelzer, WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer, LH-Stv. Michael Strugl und IV OÖ-Vizepräsident Peter Mitterbauer © Land OÖ/Grilnberger

Oberösterreich verlangt vom Bund mehr Geld für die Johannes Kepler Universität (JKU). LH Thomas Stelzer (ÖVP) sieht — anders als das Bildungsministerium — eine „finanzielle Schieflage“, weil das Land weit mehr zum BIP beisteuere als die JKU vom Kuchen der Uni-Mittel bekomme.

20 Mio. zusätzlich

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Derzeit bekommt die JKU 130 Mio. Euro pro Jahr. In der Leistungsvereinbarung 2019-21, über die gerade verhandelt wird und in der 1,35 Mrd. Euro zusätzlich unter den 21 Unis verteilt werden sollen, will man 60 Mio. Euro mehr herausschlagen. Das wären 20 Mio. Euro jährlich. Wie die Verhandlungen laufen bzw. was der Bund derzeit bietet, wollte Rektor Meinhard Lukas unter Verweis auf die nächste, im Herbst anstehende Verhandlungsrunde nicht verraten. Allerdings sprangen ihm gestern demonstrativ LH Stelzer, der für Forschung zuständigen LH-Stv. Michael Strugl, Bildungslandesrätin Christine Haberlander, die oö. Wirtschaftskammerpräsidentin Doris Hummer sowie der oö. IV-Vizepräsident Peter Mitterbauer zur Seite. Stelzer verwies darauf, dass OÖ zwar 17 Prozent zum nationalen BIP beitrage (Stand 2016), aber die JKU nur fünf Prozent des Unibudgets bekomme. Die Wiener Unis erhielten hingegen 54 Prozent — bei 26 Prozent BIP-Anteil der Bundeshauptstadt. Er habe gegenüber Bundeskanzler Sebastian Kurz und Bildungsminister Heinz Faßmann (beide ÖVP) bereits mehrmals auf diese „Schieflage“ hingewiesen, so Stelzer. Aber nun brauche es „mehr als anerkennende Worte der Bundesregierung“, nämlich „konkrete Taten in Form einer ausreichenden finanziellen Ausstattung“. Der Schulterschluss in OÖ sei auch ein starkes Rufzeichen hinter dieser Forderung. Im Bildungsministerium will man zwar keine Schieflage sehen, aber „selbstverständlich ist der Bund bemüht, für die JKU bestmögliche Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen“. Sie werde „einen erheblichen Budgetzuwachs erfahren“, wurde betont.

Agenda +25

Rektor Lukas will in dem Poker ums Geld auch mit seiner „Agenda +25“ punkten. Sie sieht vor, die Zahl der — derzeit 2600 — prüfungsaktiven MINT-Studenten (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) binnen drei Jahren um 25 Prozent zu steigern. Das soll vorerst 150 zusätzliche Absolventen pro Jahr bringen. Als prüfungsaktiv gilt man, wenn man knapp ein Drittel des für ein Studium in Mindestzeit nötigen Pensums erreicht. Für den ehrgeizigen Plan wäre eine „signifikante“ Aufstockung der Lehrstühle um eine zweistellige Zahl nötig — und natürlich das geforderte Budget. Außerdem will er mit neuen Studien locken: So soll man künftig Maschinenbau (nach Linzer Prägung) studieren können. Gemeinsam mit dem Biologiezentrum soll eine Ausbildung für „Bionic Engineering“ kreiert werden. Und den vielen Medizin-Kandidaten, die nicht genommen werden konnten, will man künftig mit „Medical Engineering“ ein Angebot machen. Für Rektor Lukas ist klar, dass, wenn die JKU die Mittel nicht bekommt, der Ausbau in Graz und an der TU Wien passiere, die Schere dadurch weiter auseinander gehe und damit auch einen „Brain-Train“ aus OÖ ausgelöst werde. Laut IV-Vizepräsident Mitterbauer suchen jetzt schon 8 von 10 heimischen Betrieben Experten in den MINT-Bereichen, jedes sechste Stelle könne nicht besetzt werden. Und 30 Prozent der Leitbetriebe in diesem Bereich sind in Oberösterreich daheim.