„Staunen lässt uns tieferen Sinn erkennen“

Benediktinerpater Anselm Grün rät vor gut 600 Gästen im Rohrbacher Centro, hinter die Oberfläche selbst alltäglicher Dinge zu blicken

Pater Anselm beim Signieren seiner stark gefragten Bücher.
Pater Anselm beim Signieren seiner stark gefragten Bücher. © fotokerschi.at

Die ersten Sonnenstrahlen eines Frühlingsmorgens, die Stille eines Waldspaziergangs und auch das morgendliche Aufstehen oder die Fahrt in die Arbeit. Selbst noch so alltägliche Tätigkeiten haben nicht nur eine profane Oberfläche, sondern entfalten einen tieferen Sinn, wenn man sich offen darauf einlässt und sich die Fähigkeit des Staunens erhält.

Das sagte der bekannte Benediktinerpater Anselm Grün am vergangenen Freitagabend im mit gut 600 Gästen voll besetzten Rohrbacher Centro.

Von Kindern lernen

Staunen sei etwas, das man durchaus von Kindern lernen könne, es habe aber nichts mit Infantilität oder Naivität zu tun, betonte Pater Anselm bei einem Podiumsgespräch mit VOLKSBLATT-Chefredakteur Christian Haubner.

Wenn man Dinge bewusst erlebe, beuge das vielmehr trister Fadesse und Abgestumpftheit vor, die vielen Menschen Energie und Lebensfreude rauben. Bewusstes Erleben lasse erkennen, dass Dinge und Handlungen über das Profane hinausgehen, einen Sinn haben – und dann könne es sogar gelingen, „das Geheimnis Gottes zu schauen“, sagte Pater Anselm.

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Heilsam sei dabei vor allem, „das Zweckfreie zu feiern“: Nicht alle Tätigkeiten müssten zielgerichtet und dem Diktat der zweckmäßigen Optimierung unterworfen sein. Vor allem dürfe man sich von dem Anspruch verabschieden, dass immer alles perfekt sein und stets alle Sehnsüchte erfüllt werden müssten.

Pater Anselm Grün (75) lebt in der deutschen Abtei Münsterschwarzach. Er hat mehr als 300 Bücher verfasst, von denen gut 20 Millionen Exemplare verkauft wurden. Nach Rohrbach eingeladen hatte ihn das Familiennetzwerk Mühltal unter Leitung von Roswitha Öhler.

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