Steigende Corona-Zahlen: Oberösterreich weitet Maskenpflicht wieder aus

Nachdem in den letzten Tagen die Corona-Infektionszahlen stark gestiegen sind, setzt Oberösterreich als erstes Bundesland einen Rückschritt bei den Lockerungen. Ab morgen, Donnerstag, gilt im gesamten öffentlichen Raum wieder Maskenpflicht.

Heißt konkret: In Geschäften, Einkaufszentren und in Dienstleistungsbetrieben müssen Kunden ebenso wie Beschäftigte einen Mund-Nasen-Schutz tragen und den Sicherheitsabstand einhalten. In der Gastronomie müssen Gäste wieder am Weg vom und zum Tisch Maske tragen.

Am Tisch, wo maximal zehn Personen sitzen dürfen, ist das nicht obligatorisch. Das Personal muss ebenfalls Mund-Nasen-Schutz anlegen. Zudem will man – wie LH Thomas Stelzer am Dienstag ankündigte – nach bayerischem Vorbild ein freiwilliges Registrierungssystem einführen. Dabei werden Gäste aufgefordert, die Personalien bekannt zu geben, um eine etwaige Rückverfolgung bei einem Krankheitsfall zu erleichtern.

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Derzeit 451 Infizierte in Oberösterreich

Dienstagabend gab es 451 Infizierte in Oberösterreich. Zu viele im Vergleich mit anderen Bundesländern. „In Oberösterreich haben wir eine Reproduktionszahl von zwei, was leider zu viel ist“, so Stelzer. Das Tragen der Masken sei daher alternativlos. Man müsse Kompromisse in Kauf nehmen, um noch strengere Maßnahmen wie etwa einen Lockdown zu verhindern, so Stelzer. Die Vorschrift ist vorerst zeitlich unbegrenzt. Stelzer appellierte an die Bevölkerung, auch bei privaten Anlässen den Sicherheitsabstand einzuhalten. „Corona sitzt immer noch mit am Tisch!“

Immer wieder Quarantäneverstöße

Laut LH-Stv. Christine Haberlander hat sich die Zahl der SARS-CoV-2-Infektionen in Oberösterreich auch am Dienstag leicht erhöht. Weiter ausgeweitet hat sich der „Pfingstkirchen-Cluster“. Dieser ist von 157 Personen Montagnachmittag auf 173 Dienstagnachmittag angewachsen. Da in dieser Gruppe Großfamilien dominieren und damit sehr viele Kinder betroffen sind, gehen Experten zwar davon aus, dass sie vergleichsweise wenige schwere Verläufe verursachen wird, aber andererseits gab es in dem Cluster immer wieder Quarantäneverstöße.

Polizei soll wieder verstärkt kontrollieren

Neben dem Pfingstkirchen-Cluster gibt es auch im Innviertel einen Cluster rund um eine Großfamilie vom Westbalkan, der 24 Fälle umfasse. Generell würden immer wieder Reiserückkehrer aus Westbalkanländern für Infektionen sorgen, die weitere Kreise ziehen. Hier müsse man reagieren, so Haberlander. Das Land habe die Polizei gebeten, „proaktiv“ das Einhalten der Vorschriften zu kontrollieren.

Die Statistik des Landes wies ab Abend 2809 Infektionen seit Beginn der Pandemie aus. 19 Personen werden im Spital behandelt, 3033 sind in Quarantäne. Nachdem OÖ zwischenzeitlich bereits auf Zahlen wie 17 Patienten und Quarantänezahlen im niedrigen dreistelligen Bereich herunten war, sind die Zahlen in den vergangenen Tagen wieder deutlich gestiegen.

Maske als Zeichen für mehr Achtsamkeit

Der Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Uniklinikum Linz, Bernd Lamprecht, machte deutlich, dass die Maske gleich in zweifacher Hinsicht ein „effektiver Schutz ist“. Sie sei sowohl eine „physikalische Barriere“ als auch „ein äußeres Zeichen zu mehr Achtsamkeit“. Er stellte klar, dass die neuerlichen Verschärfungen der Maßnahmen nach den Lockerungen nicht überraschend seien und verglich die Situation einmal mehr mit einem „Fahren auf Sicht, was bedeutet, auch bremsen zu müssen“. Dies sei nun geschehen. Gleichzeitig betonte er, dass man im Kampf gegen Corona noch „einen langen Atem“ brauche.

Eine vollinhaltliche Unterstützung der Maßnahmen sicherte Rektor Meinhard Lukas von der Johannes Kepler Universität zu. Er appellierte an die Angehörigen der JKU und alle Landsleute, Verantwortung für sich selbst und ihre Mitbürger zu übernehmen. „Wenn wir weiter einigermaßen frei handeln und leben wollen, müssen viele von uns ihr aktuelles Verhalten konsequent ändern.

Auch die Diözese Linz verschärft wieder die Maßnahmen, Bischof Manfred Scheuer „goss“ die bisherigen Empfehlungen nun in einen Erlass. Demnach gilt bei Gottesdiensten beim Betreten und Verlassen der Kirchen eine Maskenpflicht, der gemeinsame Gesang ist auf ein Minimum zu reduzieren.

Ab Mittwoch (8.7.2020) ist auch das Bundesheer mit 25 Soldaten im Einsatz, um beim Kontaktpersonenmanagement mitzuhelfen.

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