Steirer Georg Knill zum Präsidenten der IV gewählt

Der Bundesvorstand der Industriellenvereinigung (IV) hat am Donnerstag den steirischen Unternehmenseigentümer und -Manager Georg Knill (Knill Gruppe) zum neuen Präsidenten gewählt. Seine Stellvertreter für die Funktionsperiode 2020 bis 2024 sind Sabine Herlitschka (Infineon Austria) und Philipp von Lattorff (Boehringer-Ingelheim). Knill wartete nach seiner Wahl gleich mit einigen Forderungen auf.

Bis Knill gewählt war, war allerdings erstmals in der IV-Geschichte eine Kampfabstimmung unter drei Kandidaten notwendig geworden. Im Vorfeld gab es ein wochenlanges Tauziehen zwischen dem nun frisch gebackenen IV-Präsidenten und den weiteren Kandidaten Martin Ohneberg (Autozulieferer Henn bzw. IV-Vorarlberg) und Wolfgang Eder (Ex-voestalpine-Vorstandschef) um die Gunst der Wahlberechtigten.

Schließlich machte Knill das Rennen. Er ist Unternehmenseigentümer, was für viele Wahlberechtigte des gut 120-köpfigen IV-Vorstandes eine wichtige Rolle spielen dürfte und auch Manager. Dazu hat er viele Jahre Erfahrung in der steirischen IV, deren Präsident er seit 2016 auch war.

Der Steirer Knill löst den Wiener Unternehmer Georg Kapsch nach acht Jahren ab. Am Freitag will er seine Pläne vor Journalisten in Wien erläutern.

“Die Industrie ist wichtiger Partner für die Menschen in unserem Land”, betonte Knill nach seiner Wahl. “Gemeinsam können wir die großen Herausforderungen unserer Zeit – Digitalisierung, Klimawandel oder Wirtschaftskrise – zum Vorteil der Menschen bewältigen.” Er dankte auch seinem Vorgänger Kapsch und dessen Vizepräsidenten Hubert Bertsch, Axel Greiner und Otmar Petschnig.

Unmittelbar befinde sich Österreich in einer der größten Krisen der Zweiten Republik, betonte Knill. Daher brauche es ein starkes, entschlossenes Krisenmanagement, um den Standort Österreich wieder stark aufzustellen. “Das umfasst die Vorziehung sinnvoller öffentlicher Investitionen in die Infrastruktur, die Senkung der Lohnnebenkosten – und auch bei der Körperschaftsteuer müssen wir etwas tun”, forderte Knill.

“Aber wir müssen auch langfristig an die Zukunft denken”, so der Unternehmer. “Österreich muss zu den Besten gehören – nicht zuletzt im Bereich Innovation, Technologie und Digitalisierung, die durch Corona einen gewaltigen Schub erhalten hat. Österreich ist hier nur im Mittelfeld – wir müssen aber ins Spitzenfeld kommen. Dafür brauchen wir Menschen mit den richtigen Qualifikationen.” Europa müsse auch wieder stärker werden, “aber das geht nur mit einer starken, innovativen Industrie – der europäische “Green Deal” oder das europäische Forschungsrahmenprogramm “Horizon Europe” sind dafür wesentliche Instrumente”.

Dass die IV eine politisch einflussreiche Organisation ist, zeigte sich am Donnerstag auch anhand der Gratulantenschar von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) abwärts. Knill habe schon als steirischer IV-Chef auf Innovation, Investition und Bildung gesetzt, nun bekomme die bundesweite IV “einen zukunftsorientierten, innovativen und starken Vertreter”, so Kurz, der sich auch bei Kapsch für dessen Leistungen bedankte und Knill alles Gute wünschte.

Gratulationen und Danksagungen kamen vorerst auch von Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und dem EU-Abgeordneten Otmar Karas (beide ÖVP), dem ÖVP-Wirtschaftsbund und dem steirischen FPÖ-Chef und Ex-Minister Mario Kunasek. Allererste Gratulantin war aber – schwer zu erahnen – die Industriellenvereinigung Steiermark.

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