steirischer herbst: Mörderische Heldinnen mit Energie

Manchmal Täterinnen, aber letzten Endes immer Opfer. Auf diesen Nenner bringt die deutsche Künstlerin Lulu Obermayer die Rolle der Frau in der Opernwelt in ihrer Performance “L’Opra Fatale” (Die tödliche Oper). Sie wurde am Samstag beim steirischen herbst gleich zweimal hintereinander in der Grazer Oper aufgeführt.

Obermayer inszeniert ihr Thema als einstündige dichte Collage aus Versatzstücken der Opern “Lucia di Lammermoor”, “Tosca” und “Macbeth”. Drei verschiedene italienische Komponisten – Gaetano Donizetti, Giacomo Puccini und Giuseppe Verdi -, aber das selbe Schicksalsmuster: Jenes der mordenden Frau, die sich mit ihrer Tat selbst in den Tod bringt.


Für ihre fantasievoll durchinszenierte Performance verwendet Obermayer einige Kniffe. So löst sie die gewohnte räumliche Ordnung auf, indem die Sängerinnen in leeren Logen auftreten. Das Orchester ertönt aus der Retorte von hinter dem Vorhang, der die gesamte Vorstellung über geschlossen bleibt. Das Publikum der fiktiven Opernvorstellung klatscht von ebendort.

Selbst führt Obermayer – einmal auf Englisch, dann wieder auf Deutsch – als Moderatorin durch ihre psychodramatische “Intervention”, wie sie ihre Performance selbst definiert. Mithilfe akustischer und optischer Effekte – elektronische Störelemente und fremdartige Rhythmik in der Musikbegleitung, grelle Lichtspots und Trockeneisnebel – entsteht eine leicht verstörende, geisterhafte Atmosphäre. Dies wird von den obligatorischen Corona-Maßnahmen wie freibleibenden Stühlen, Contact-Tracing-Formularen und Maskenpflicht abseits der Sitzplätze noch verstärkt.

Gelungen sind auch die Leistungen der drei uniform kostümierten Sängerinnen – Tetiana Miyus als Lucia, Corina Koller als Tosca und Margareta Klobucar als Lady Macbeth, die ihre fragmentarisch-minimierten Arien tonsicher und ihre im Stil einer szenischen Aufführung gespielten Parts bravourös darbieten.

Einzig der abschließende Monolog Obermayers enttäuscht. Darin wiederholt sie plakativ die Botschaft ihrer Performance, die Frauenrolle als Opfer der männlich dominierten Opernwelt, als traue sie dem Publikum nicht zu, ihre Botschaft verstanden zu haben. Nebenbei bemerkt ist die Oper auch längst nicht mehr eine derartige Männerdomäne; wie die immer mehr werdenden Dirigentinnen, weiblichen Orchestermitglieder, Komponistinnen etc. beweisen.

Wie ist Ihre Meinung?