Stelzer: Es geht darum, Leben zu schützen

LH Stelzer über ein Jahr Corona-Pandemie und wie man als Christ darauf reagieren muss

„Inzidenzen sind wichtig, aber Existenzen auch“, sagt LH Thomas Stelzer mit Verweis darauf, was OÖ der „größten Gesundheits- und Wirtschaftskrise seit 1945“ entgegenhält.
„Inzidenzen sind wichtig, aber Existenzen auch“, sagt LH Thomas Stelzer mit Verweis darauf, was OÖ der „größten Gesundheits- und Wirtschaftskrise seit 1945“ entgegenhält. © OÖVP

Corona habe gelehrt, „dass nichts selbstverständlich ist und dass sich alles schnell von Grund auf ändern kann“, resümiert LH Thomas Stelzer im VOLKSBLATT-Interview ein Jahr Pandemie. Und die Krankheit habe „den Wert des Lebens wieder deutlich in den Fokus gerückt“.

VOLKSBLATT: Stellt man sich als christlich-sozialer Politiker und gläubiger Mensch angesichts der Corona-Krise die Frage, ob das gottgewollt sein kann?

LH STELZER: Ich glaube, dass die Corona-Krankheit den Wert des Lebens wieder deutlich in den Fokus gerückt hat. Es ist die christliche Botschaft und unsere Verantwortung, dieses Leben gemeinsam zu schützen und Existenzen zu sichern. Auch kann der Glaube uns bestärken, dass wir die Corona-Krise miteinander überwinden können.

Was bedeutet Ihnen persönlich die österliche Zeit?

Ostern bedeutet für mich vor allem Hoffnung, Auferstehung, neue Perspektiven.

Von der Palmsonntagsprozession über die Kartage bis zu den Auferstehungsfeiern haben die Ehrenamtlichen in der Kirche normalerweise alle Hände voll zu tun. Bringt Corona das Ehrenamt in Gefahr?

OÖ ist ein Land des Ehrenamts. Fast jede und jeder Zweite im Land engagiert sich freiwillig und unentgeltlich für die Gemeinschaft – in einem Verein, einer Organisation oder in der Nachbarschaftshilfe. Wir wollen diese stillen Heldinnen und Helden nicht nur mit Auszeichnungen hervorheben, sondern entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, damit die ehrenamtliche Arbeit gesichert bleibt.

Die Pandemie schafft – von den Kindern bis hin zu den Senioren —unzählige individuell Betroffene. Kann man da überhaupt pauschal Hoffnung machen?

Wir müssen vor allem alles, was möglich ist tun, um die Gesundheit der Mitbürgerinnen und Mitbürger zu schützen. Und auch alles, was notwendig ist, damit Arbeitsplätze und Betriebe gesichert bleiben. Daher setzen wir der größten Gesundheits- und Wirtschafts-Krise seit 1945 auch das bisher größte Investitionspaket entgegen. Für uns gilt: Inzidenzen sind wichtig, aber Existenzen auch.

Sind wir nach einem Jahr Pandemie eine andere Gesellschaft?

Denken wir an Homeoffice oder Videokonferenzen — Corona hat bereits vieles verändert und uns auch vieles gelehrt. Zum Beispiel, dass nichts selbstverständlich ist und dass sich alles schnell von Grund auf ändern kann. Wichtig ist, dass Corona für unsere Gesellschaft nicht zum Spaltpilz wird und dass wir in OÖ weiterhin auf Zusammenhalt und Zusammenarbeit bauen. Nur so können wir OÖ wieder stark machen.

Ostern hat im Kalender einen fixen Termin. Ungewiss ist indes, wann es sozusagen zur wirtschaftlichen Auferstehung kommen wird. Wann haben wir uns vom Virus erholt?

Ich bin zuversichtlich – und davon gehen auch viele Experten aus –, dass wir im Sommer die Situation viel besser im Griff haben werden.

Wie kann man die offensichtliche Wechselwirkung zwischen weiteren Öffnungen und neuen Einschränkungen aus der Welt schaffen?

In dem man mit den Maßnahmen noch punktgenauer und effizienter wird. Und in dem wir vor allem mit den Impfungen weiter in die Breite kommen. Auch wenn manche Experten für weitere Verschärfungen sind, so müssen wir aufpassen, dass wir vor lauter Verschärfen die Leute nicht auf halber Strecke verlieren.

Politisches Engagement beginnt im Kleinen. Warum sollten sich Menschen etwa auf Gemeindeebene für die Interessen anderer einsetzen?

Im Einsatz für die Interessen im Sinne der Mitbürgerinnen und Mitbürger kann man lebendige Demokratie hautnah und vor Ort erfahren. Und man kann unmittelbar Verbesserungen erreichen und umsetzen. Regionales politisches Engagement ist für ein lebendiges Gemeinwesen unverzichtbar.

Insbesondere ein Wahljahr ist die Zeit intensiver persönlicher Kontakte. Wie wir das heuer?

Es gilt jetzt all unsere Energie auf die Bewältigung der Corona-Krise zu richten und uns nicht über eine Wahl im Herbst den Kopf zu zerbrechen.

Haben Sie den Eindruck, dass sich die Funktionäre trotz widriger äußerer Umstände voll ins Zeug schmeißen werden, wie man so schön sagt?

Jetzt ist es einmal wichtig, dass wir uns alle voll ins Zeug schmeißen, damit OÖ wieder stark wird. Der Wahlkampf soll so kurz wie möglich sein.

Haben Sie Zeit für ein Ostern mit der Familie, ganz abseits der Politik?

Bewusst Zeit auch mit meiner Familie zu verbringen, ist mir sehr wichtig. Das erdet mich und gibt mir Kraft.

Die Fragen an LH THOMAS STELZER stellte Markus Ebert

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