Steuerreform: Zweifel an Entlastung für mittlere Einkommen

Die kolportierten Steuerreformpläne der Regierung könnten dazu führen, dass mittlere Einkommen leer ausgehen. Darauf hat der wirtschaftsliberale Think-Tank Agenda Austria unter Berufung auf eigene Berechnungen hingewiesen. Demnach würde die kalte Progression die Steuersenkung bei einem Einkommen von 2.000 Euro brutto monatlich komplett aufzehren.

“Es kann erst dann von einer wirklichen Steuerreform gesprochen werden, wenn die kalte Progression abgeschafft wurde. Erst danach würde eine Tarifreform eine nachhaltige Entlastung für die Steuerzahler bedeuten”, sagte Dénes Kucsera von der Agenda Austria am Montag in einer Aussendung.

Die Berechnung beruht auf der Annahme, dass die Gehälter bis zur Steuerreform 2021 mit der Inflationsrate steigen werden. Damit würden Arbeitnehmer mit 2.000 Euro Monatsbrutto um neun Prozent mehr verdienen, aber um 37,4 Prozent höhere Steuern bezahlen als 2016. Die kolportierte Senkung der unteren drei Steuerstufen würde in diesem Fall eine Entlastung um 422 Euro pro Jahr bringen, die Belastung durch die kalte Progression wäre mit 471 Euro aber höher.

Zwar würde die Steuerentlastung auch für andere Einkommensstufen teilweise durch die kalte Progression aufgezehrt, allerdings müssten höhere Einkommen den Berechnungen zufolge nicht mit einem realen Verlust rechnen. Die Abschaffung der kalten Progression hat die Regierung erst für das Wahljahr 2022 angekündigt – mit Wirksamkeit erst mehrere Jahre später, also in der kommenden Legislaturperiode. Zuvor sollen 2021 noch einmal die unteren Steuertarife (von 25, 35 und 42 auf kolportiert 20, 30 und 40 Prozent) gesenkt werden.

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