Steyrer Grünmarkt als Problemfall

Alte Leitungen als Gefahr — Wahlbündnis will Komplettsanierung

Für Stadtrat Gunter Mayrhofer (l.) und Fraktionschef Markus Spöck vom Wahlbündnis ÖVP/Bürgerforum macht nur eine Komplettsanierung des Grünmarktes Sinn.
Für Stadtrat Gunter Mayrhofer (l.) und Fraktionschef Markus Spöck vom Wahlbündnis ÖVP/Bürgerforum macht nur eine Komplettsanierung des Grünmarktes Sinn. © ÖVP Steyr

Einmal oder zweimal aufgraben — diese Frage sorgt in Steyr für Polit-Debatten. Konkret geht es um den Grünmarkt, für den SPÖ und FPÖ eine Oberflächensanierung planen. Dafür sind 400.000 Euro budgetiert.

Dem Wahlbündnis ÖVP/Bürgerforum — und auch den Grünen — ist das zu wenig. Sie warnen davor, dass die Pflastersanierung eine oberflächliche Angelegenheit sei, weil darunter veraltete Leitungen liegen, an denen jederzeit Schäden auftreten können. Fraktionsobmann Markus Spöck und Stadtrat Gunter Mayrhofer verweisen auf diesbezügliche Warnungen der Stadtbetriebe, auch Energie AG, Post und Liwest hätten Sanierungsbedarf angemeldet. Spöck: „Dass man die Warnungen der Leitungsträger dermaßen ignoriert und so das Risiko von Rohrdefekten an Wasser, Strom und Internet an den über 60 Jahren alten Leitungen riskiert, verstehe ich überhaupt nicht.“ Warum bei der Grünmarkt-Sanierung in die Tiefe gegangen werden soll, liegt für Stadtrat Mayrhofer auf der Hand: „Es hilft den Bewohnern und Geschäftsinhabern vor Ort ganz sicher nicht, wenn innerhalb kürzester Zeit wieder neu aufgegraben werden muss, um alle Leitungen neu zu verlegen.“

Defekt-Gefahr lauert gleich unter Oberfläche

Wobei er und Spöck auf ein zusätzliches Problem verweisen: Weil die Leitungen seinerzeit nicht auf Normmaß unter dem Boden verlegt sind, sondern sich knapp unter der Aufgrabungsschicht befinden, könnte schon bei der Oberflächensanierung „etwas passieren. Immerhin rüttelt eine Baustelle durch schwere Geräte und Fahrzeuge enorm“. Hier müsse man auch die Sicherheit der Anwohner im Auge haben. Was man schon gar nicht möchte, wäre ein Leitungsdefekt während der Landesaussstellung 2021. Das Kostenargument wollen Mayrhofer und Spöck nicht gelten lassen: Eine vollflächige Sanierung inklusive neuer Leitungen koste 1,3 Millionen Euro, Mehrkosten würden auch nach der nunmehrigen, mit 400.000 Euro veranschlagten, „Oberflächenbehübschung“ anfallen.

Stadt streicht Gebühren für die Marktfieranten

Fraktionschef und Stadtrat sind sich einig: „Wenn wir den Grünmarkt einmal, dafür aber vernünftig sanieren, könnte dieser in Sachen Wohnqualität und Einkaufsflair punkten“, Gefahren von Leitungsdefekten könnten abgewendet werden und Bewohner und Geschäftsleute hätten „jahrzehntelang keine lärm- und schmutzverursachende Baustelle mehr am Grünmarkt“.

Einig ist man sich indes in Steyr in einer anderen „Marktfrage“: Die Stadt streicht nämlich mit 1. Mai die Gebühren für die Markt-Fieranten. Laut Bürgermeister Gerald Hackl (SPÖ) verzichte die Stadt damit im Jahr auf rund 25.000 Euro, aber man wolle mit dieser Maßnahme „das Marktgeschehen weiterentwickeln und noch attraktiver machen“. Auch ÖVP-Stadtrat Mayrhofer stößt in dieses Horn: „Märkte sind gute Frequenzbringer, alles was den Märkten Vorteile bringt, stärkt auch die gesamte Steyrer Innenstadt.“ Markt-Referent Mario Ritter (FPÖ) erwartet sich eine positive Auswirkung auf die Qualität der Märkte.