Stift Kremsmünster lädt in neu gestaltete Wunderkammer

Schon als Novize sei die Wunderkammer für ihn der schönste Raum im Stift gewesen, den er am liebsten gehabt hätte, erzählt Abt Ambros Ebhart vom Stift Kremsmünster. Jetzt erstrahlt das Zimmer in neuem Glanz, der die besonderen Objekte, die seit rund vier Jahrhunderten von den Mönchen zusammengetragen werden, ins rechte Licht setzt. Von Kugelfischen, Elefantenstühlen und winzig kleinen Kunstwerken.

Beim Betreten der Kammer fällt der Blick sogleich auf eines der außergewöhnlichsten, wertvollsten und wohl auch berühmtesten Exponate hier: der Elefantenstuhl. In Auftrag gegeben nach dem Ableben des grauen Riesen namens Soliman im Jahr 1654 vom Wiener Bürgermeister, die Kremsmünsterer haben ihn Ende des 17. Jahrhunderts in einem Mühlviertler Schloss entdeckt und erworben.

Zusammengesetzt ist er aus drei Schenkelknochen und dem Beckenknochen des berühmten Elefanten, der einst als Geschenk an Kaiser Maximilian II. die Alpen überquerte und mit Zwischenstation in Linz schließlich nach Wien gekommen ist. Ein Relief auf dem Haus Nr. 21 am Linzer Hauptplatz kündet bekanntlich noch davon. Das gesamte Objekt ist mit Gravuren verziert, die vom Schicksal des Elefanten berichten.

Filigranes aus Elfenbein und wertvolle Gemälde

An der Wand darüber eine Reihe von Gemälden aus der Kunstsammlung des Stiftes, im Mittelpunkt der Nische des ehemaligen Schlafzimmers des Abtes ein besonders wertvolles, „Die vier Elemente“ (um 1600) von niemand Geringerem als Jan Brueghel. Es wird umrahmt von weiteren Arbeiten wie den „Hirtenszenen“ (1680) von Johann Heinrich Schönfeld, Hirtenszenen (1680) oder einer „Madonna mit Kind“ von Franceso de Mura.

Kaum sattsehen kann man sich an den vielen filigranen Stücken aus Elfenbein, gedrechselt oder geschnitzt, die zum Teil aus winzig kleinen Details von einer unglaublich großartigen Handwerkskunst, die besonders im 17. Jahrhundert in unglaublicher Meisterschaft gepflegt wurde, kündet. Das Material eignet sich wegen seiner Härte für detailreiche Schnitzereien.

Eine Kutsche aus Elfenbein (um 1760), vielleicht 30 Zentimeter lang, deren Türchen man öffnen kann, als würde jemand einsteigen wollen, und deren Räder sich drehen, wenn man das kleine Gefährt bewegt. Im Fuß eines kleinen Turmes, den eine sogenannte Konterfettenkugel krönt, das ist eine Hohlkugel, die aus einem einzigen Stück Elfenbein gedrechselt wurde, verstecken sich teils millimeterkleines Geschirr, kleine Tassen, Besteck & Co. Neben und zwischen weltlichen Objekten geistliche Reliefs wie ein Elfenbeindyptichon aus dem 14. Jahrhundert aus Paris.

Wie der Mensch die Schöpfung zeigt

„Diese schönen Sachen, winzige Formate aus verschiedenen Materialien wie Elfenbein, Stein, Holz, Wachs oder Glas begeistern mich“, so Ambros. „Das Wunder dabei ist, was sich der Mensch erdacht hat, um die Schönheit der Schöpfung noch einmal anders zu zeigen.“ Von wissenschaftlichem Interesse dürfte neben diversen technischen Geräten der konservierte Kugelfisch gewesen sein, der sich in einem Fach der als riesiges Setzkastensystem gestalteten Wandkästen aufplustert.

Gläser mit ganz außergewöhnlichen Formen zeigen, dass diese einst Luxusgegenstände waren, jede der außen mit Blumenmotiven und innen mit Gold verzierten feinen Tassen habe einen Versicherungswert von etwa 50.000 Euro, so Kustos Pater Altman Pötsch. Und der werde eigentlich nur dann bestimmt, wenn andere Häuser, etwa Museen, an das Stift herantreten, um etwas für Ausstellungen auszuleihen, was regelmäßig geschehe. Über einer schönen alten Tür hat das Gemälde des „Salvator Mundi“ von Joos van Cleve (um 1530), des Erlösers der Welt, einen besonderen Platz erhalten, der Schutzherr über Kloster und Stiftskirche.

An einer weiteren Wand haben Gemälde, die sich mit der Schöpfung und dem Menschen als Schöpfer beschäftigen, mit Blumen und Tieren und eine Allegorie auf den Frühling einen würdigen Platz gefunden. „Auch damit steht das Freudige, das virtuose Element im Fokus“, so P. Altman. Zur Gestaltung des Raumes haben sich die Benediktiner von Kremsmünster den Experten Andreas Gamerith geholt, der viel Museumserfahrung besitzt und auch selber Künstler ist.

„Wir haben ihm freie Wahl gelassen, welche Exponate er in der neu gestalteten Wunderkammer zeigt“, sagt der Abt. Rund 500 Objekte haben die Patres in den vergangenen vier Jahrhunderten gesammelt, manches ging auch als Geschenk an das Stift, etwa 250 sind aktuell zu sehen. Solche Sammlungen gibt es in einigen Klöstern, aber eine so große wie in Kremsmünster sei einzigartig in Österreich, so P. Altman. Erfasst wurden die Bestände 1977 in der Österreichischen Kunsttopographie, einer offiziellen Reihe über heimische Klöster, Burgen, Schlösser etc. Gestalter Gamerith habe ganz bewusst in sein Ausstellungskonzept auch Gemälde – etwa 30 — aus der ebenfalls umfangreichen wie wertvollen Sammlung des Klosters hineingenommen.

Pokale aus Straußeneiern oder Kokosnüssen, die in den Vitrinen zu bestaunen sind, werden übrigens immer noch verwendet: Am Dreikönigstag bietet der Kellermeister seinen Mitbrüdern drei Weine an, dabei trinkt man aus einem dieser besonderen Gefäße. Eine Tradition, die erst Corona unterbrochen hat.

In den Laden der Wandkästen gibt es noch einiges zu entdecken wie einen alten Scherenschnitt, auf dem der Gezeigte erst kürzlich als der große Wolfgang Amadeus Mozart identifiziert worden ist, nicht restaurierte Objekte oder alte Tafeln, die die Sammlungsstücke früher beschrieben.

Künftig wird die Wunderkammer im Rahmen von Führungen zu besichtigen sein. Um das gesamte Stift zu erleben mit seinen architektonischen Besonderheiten wie dem Fischkalter oder der Sternwarte, der Kirche und das Innenleben wie die neu gestaltete Wunderkammer, empfehlen die Benediktiner, sich einen Tag Zeit zu nehmen.

Besichtigungsmöglichkeit der Wunderkammer im Rahmen einer Stiftsführung Dienstag bis Sonntag, jeweils um 11.30 und 14 Uhr, Beginn ist im Klosterladen
Kontakt: tourismus@stift-kremsmuenster.at, 07583/5275-151

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