Stifterhaus-Chefin Dallinger: „Aufgeben tun wir nicht“

Stifterhaus-Chefin Petra-Maria Dallinger über Haushofer & Verlagswesen

Stifterhaus-Chefin Petra-Maria Dallinger
Stifterhaus-Chefin Petra-Maria Dallinger © Martin Traska

Eine Frau sitzt am Küchentisch und schreibt Literatur von mindestens europäischem Format. Das Seltsame an diesem fast kitschigen Bild: Es stimmt. Marlen Haushofer (1920-1970) schrieb in Steyr herausragende Romane und Kinderbücher, „Die Wand“ und „Wir töten Stella“ wurden mit Martina Gedeck erfolgreich für das Kino verfilmt.

Eine ordentliche Haushofer-Werkausgabe scheitert bislang allerdings — ja, woran? Das VOLKSBLATT sprach mit Petra-Maria Dallinger, Direktorin des Linzer Stifterhauses und Mitunterzeichnerin des „Steyrer Manifests“.

VOLKSBLATT: Sofern sich das klar benennen lässt: Wie ist der literarische Rang von Marlen Haushofer?

PETRA-MARIA DALLINGER: Die Haushofer-Rezeption scheint mir in gewisser Weise nach wie vor nicht der Bedeutung ihres Werkes zu entsprechen, warum auch immer. Es sollte mehr sein. Sie wird gelesen, auch von jungen Autorinnen beispielsweise, wie wir durch unsere „Mittagsreihe“ wissen. In Frankreich gab es eine begeisterte Aufnahme von „Die Wand“, in der Literaturwissenschaft ist sie gut aufgehoben. Allerdings ist Haushofer — bisher — nicht zur Ikone geworden, etwa à la Ingeborg Bachmann.

Vielleicht fehlte Haushofer ein Bachmann’sches Popstar-Gen, wer weiß. Was kann das Stifterhaus zur Haushofer-Verbreitung beitragen?

Wir versuchen seit vielen Jahren, mit Ausstellungen, Veranstaltungen, Präsentationen Haushofer immer wieder neu vorzustellen. Wir haben Ergänzungen zum Teilnachlass erwerben können und zum Beispiel auch die Kinderbuchmanuskripte im Rahmen eines wissenschaftlichen Projektes aufarbeiten lassen.

In der Kritik des „Steyrer Manifests“ steht der deutsche Ullstein-Verlag, Inhaber der Rechte an „Die Wand“ und der Haushofer-Biografie.

Der große Plan einer Haushofer-Ausgabe, vergleichbar mit Leseausgaben zu Christine Lavant oder Thomas Bernhard konnte trotz anfänglich hoffnungsvoller Signale des Verlages für 2020 nicht umgesetzt werden, was auch immer die tatsächlichen Gründe für seine Entscheidung waren. Gespräche mit anderen Verlagen wurden auch geführt, aber da sind die Hürden, namentlich die Klärung der Rechte, naturgemäß noch höher.

Im November ist im Stifterhaus eine Tagung zu Marlen Haushofer geplant. Mit welchen Zielen?

Die Veranstaltung wird zu den Romanen und Werkgruppen eben jene Kommentare bzw. Nachworte liefern, die Teil eines Editionsvorhabens sind. Dafür sind Experten und Expertinnen gewonnen worden. Vielleicht wird es ja doch irgendwann noch etwas mit einer Ausgabe, die der Autorin bestimmt ungemein nützen würde.

Hat ein Verlag eigentlich auch ethische Pflichten gegenüber seinen Autoren?

Ja, ich bin der Meinung, dass auch Verlage Verpflichtungen gegenüber Autorinnen haben, auch gegenüber verstorbenen. Und sei es nur der Minimalkonsens, dass man die Rechte freigibt, damit vielleicht in einem anderen Verlag etwas entstehen kann. Wir als Institut können die Edition vorbereiten und betreuen, wir könnten sie vielleicht sogar in unserem Verlagsprogramm unterbringen und auch den Druck finanzieren. Was uns aber fehlt, ist der Vertrieb. Genau das, was unbedingt notwendig wäre für die Bewerbung einer Haushofer-Ausgabe.

Die Hoffnung lebt?

Aufgeben tun wir nicht. Haushofer ist so unbedingt lesenswert, im übrigen auch witzig, wie ich finde. Ich lege schwerstens „Die Mansarde“ ans Herz.

Mit PETRA-MARIA DALLINGER sprach Christian Pichler

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