Stiftskonzertreigen in St. Florian und Lambach

Ein britisches Ensemble und echte „Urmusiker“begeisterten das Publikum

Matthias Schorn, Magda Amara und Matthias Bartolomey
Matthias Schorn, Magda Amara und Matthias Bartolomey © OÖS/Biederleitner

Von Christine Grubauer

Im Marmorsaal von St. Florian erstatteten am Freitag The Tallis Scholars erstmals einem Oö. Stiftskonzert einen Besuch ab. Die britische Formation hat im Laufe ihres 46-jährigen Bestehens an allen wichtigen Musikstätten der Erde mit aufsehenerregenden Konzertauftritten beeindruckt. Schon 1987 ging der Gramophone Award an das zehnköpfige Ensemble mit vier Sopranen, zwei Altisten, zwei Tenören und zwei Bässen, das prädestiniert für schlackenlosen A-cappella-Gesang in makellos reiner Intonation bei erstaunlich emotionaler Zurückhaltung ist. Unter der Leitung von Peter Phillips hat sich der Chor einen unverwechselbaren, reinen und klaren Klang für das Renaissance-Repertoire angeeignet. Mit Mariengesängen des 16. Jahrhunderts erklangen aber auch Werke von Francis Poulenc, Juan Gutierrez, William Cornysh, Tomas Luis de Victoria und Olivier Messiaen. Mit einem unvergesslich klingendem „Ave Maria“ von Anton Bruckner wurde auch in St. Florian für die Einladung vor Ort mit enthusiastischer Beifall gedankt.

Grenzgängerische Musik

Im kleineren Rahmen des Stiftes Lambach luden die Oö. Stiftskonzerte am Samstag den Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker Matthias Schorn mit Magda Amara (Klavier) und Matthias Bartolomey (Violoncello) ins dortige Sommerrefektorium für einen Kammermusikabend ein. Sowohl Schorn als auch Bartolomey lieben als echte „Urmusiker“grenzengängerische Musik mit Unterhaltungscharakter. In Lambach galt es die erlesene Kammermusik zu pflegen und hochkarätiges Triospiel bei Alexander von Zemlinskys Trio in d-Moll für Klarinette, Violoncello und Klavier op.114 in Szene zu setzten. Das Werk entstand 1896 für den Komponistenwettbewerb des Wiener Tonkünstlervereins dessen Ehrenpräsident Johannes Brahms war, der zu einem Klang-Vorbild wurde. Daher wurde auch dessen Trio in a-Moll ins Lambacher Programm genommen. Die Klarinettenkunst Schorns ging leider im Bad des zu vordergründigen Cellos und des weit geöffneten Flügels unter. Bei Nina Rotas Trio in gleicher Besetzung gelang dem Filmkomponisten ein zeitloses Kleinod mit ausgeglichenem Wechselspiel. Dann galt die Zuwendung der Künstler dem Brahmswerk Trio in a-Moll op. 114, im Sommer 1891 in Bad Ischl komponiert. Schorn spielte mit der A- bzw. B-Klarinette in purer Schönheit und emotionaler Tiefe, so gelang ihm auch die Dialogführung der beiden Begleitinstrumente. Viel Applaus und noch ein kurzes gefälliges Zugabenstück zum Abschied.

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