Stillen trotz Brustkrebs

Rund zwei Prozent der Brustkrebsdiagnosen erfolgen während einer Schwangerschaft. Prinzipiell kann nach einer Operation, Strahlen- oder Chemotherapie gestillt werden. Allerdings kann es häufiger zu Entzündungen oder geringerer Milchproduktion kommen. Wichtig ist, dass jede Veränderung rasch abgeklärt wird.

Brustkrebs ist nach wie vor die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Rund ein Viertel der Betroffenen erhält die Diagnose vor der Menopause, 15 Prozent sind jünger als
45 Jahre und rund zwei Prozent der Brustkrebserkrankungen werden während einer Schwangerschaft diagnostiziert. Dabei kam es in den vergangenen 20 Jahren zu einem deutlichen Anstieg. Neben der komplexen Thematik einer Brustkrebs-Behandlung während der Schwangerschaft, stellen sich betroffene Frauen natürlich auch Fragen zum Thema Stillen während und nach einer Brustkrebserkrankung.
„Prinzipiell kann auch nach einer Brustkrebsoperation gestillt werden, ebenso nach einer Strahlen- oder Chemotherapie. Allerdings kann es häufiger zu Entzündungen oder geringerer Milchproduktion kommen. Deshalb ist eine gute Begleitung durch Hebammen oder Laktationsberaterinnen in der Stillphase besonders zu empfehlen“, erklärt Primar Johannes Berger, Leiter des Brustzentrums Salzkammergut sowie der Abteilungen für Gynäkologie und Geburtshilfe am Salzkammergut-Klinikum Gmunden und Vöcklabruck. Wichtig ist jedoch, dass jede Veränderung oder auffällige Knoten der Brust auch während der Schwangerschaft und Stillzeit abgeklärt werden.

Stillen hat schützende Wirkung für die Brust

Grundsätzlich hat das Stillen eine schützende Wirkung auf die weibliche Brust. Pro zwölf Monate Stillen sinkt das Brustkrebsrisiko um 4,3 Prozent. Hinzu kommt eine Reduktion um sieben Prozent für jedes Kind. Das bedeutet je mehr Kinder eine Frau geboren hat und je länger sie stillt, desto niedriger ist ihr Brustkrebsrisiko. Die Prognose in Bezug auf eine bestehende Krebserkrankung wird durch Stillen weder positiv noch negativ beeinflusst.
Neben der positiven Wirkung vom Stillen führt auch regelmäßiger Sport oder körperliche Betätigung zu einer Verminderung des Brustkrebsrisikos. Grundsätzlich sollten Alkohol- und Nikotinkonsum vermieden werden. Denn Nikotin wirkt insbesondere in den ersten Jahren nach Einsetzen der ersten Regelblutung besonders schädlich auf die weibliche Brust.

Weil von der Diagnose Brustkrebs bis zum Ende der Therapie ein längerer Zeitraum vergeht, ist es für die Patientinnen wichtig, nicht schwanger zu werden. Denn Hormon-, Chemo- oder Strahlentherapie können negative Auswirkungen auf das Ungeborene haben, eine schwangerschaftsbedingte Unterbrechung gefährdet den Erfolg der Brustkrebstherapie, sagt Berger. Bei Brustkrebspatientinnen sollte besonderes Augenmerk auf die Verlässlichkeit sowie eine möglichst geringe hormonelle Belastung gelegt werden. Eine sichere Verhütung ist dabei nicht nur während der Therapie, sondern auch eine gewisse Zeit danach nötig, um ein Risiko für das Ungeborene ausschließen zu können.