Strache sitzt im Hohen Haus, aber abseits der „freiheitlichen Familie“

Gattin des Ex-FPÖ-Langzeitchefs betritt jetzt die politische Bühne

Einen Tag vor der konstituierenden Sitzung des Nationalrats (Livestream ab 12.15 Uhr auf www.volksblatt.at/live) hat Philippa Strache dem Rätselraten um ihr Nationalratsmandat ein Ende gemacht. Die Frau von Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache nimmt das über eine Kandidatur auf der Wiener FPÖ-Landesliste erworbene Mandat an. Sie ist damit eine von 72 Frauen im Parlament, so hoch war der Frauenanteil noch nie. Dennoch hat Strache ein Alleinstellungsmerkmal: Sie muss als sogenannte „wilde Abgeordnete“ in der letzten Reihe Platz nehmen, denn der FPÖ-Klub verwehrt ihr, wie berichtet, die Aufnahme.

Sie wolle ihr Nationalratsmandat „mit größtmöglichem Einsatz gewissenhaft“ wahrnehmen, so Strache, die es als „große Ehre“bezeichnete, „mein politisches Engagement in den Dienst freier Bürger zu stellen“. Nicht näher eingehen wollte die Neo-Mandatarin in einer Aussendung auf den „bedenklichen Umstand“, dass sie „trotz Kandidatur auf der Wahlliste, meiner aufrechten Mitgliedschaft in der ,freiheitlichen Familie’ und meiner unwiderlegten Unbescholtenheit nicht dem Freiheitlichen Parlamentsklub angehören“dürfe. Zudem ortet sie eine seitens der Partei „mit Niedertracht“ gegen sie inszenierte „Diffamierungskampagne“.

Die FPÖ hat mit Straches Einzug nun nur 30 statt 31 Abgeordnete im Hohen Haus. Das bedeutet einerseits den Verlust von etwa 52.000 Euro Klubförderung pro Jahr sowie weniger Geld für den Ring Freiheitlicher Jugend. Denn diese Förderung ist ebenfalls an die Abgeordnetenzahl gekoppelt. Außerdem darf im Plenarsaal ein Freiheitlicher weniger in der ersten Reihe Platz nehmen — einer dieser drei prestigeträchtigen, weil bei Fernsehübertragungen prominenten Sitzplätze wandert zur ÖVP.

Die FPÖ nahm die Entscheidung von Philippa Strache, das Mandat im Nationalrat anzunehmen, „zur Kenntnis“. Gegenüber der APA wurde betont: „Wir haben damit gerechnet.“ Auf die Politik der FPÖ werde das „keinen Einfluss haben.“ Jedenfalls geht FPÖ-Chef Norbert Hofer nicht davon aus, dass Philippa Strache nach Annahme des Mandats FPÖ-Mitglied bleibt — was sie ohnehin erst seit „sechs, sieben Wochen“sei. Über einen Parteiausschluss müsse die Wiener Landesgruppe entscheiden, so Hofer am Rande der konstituierenden FPÖ-Klubsitzung. Den blauen Klub führt nun Herbert Kickl, Hofer soll Dritter NR-Präsident werden.

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