Streik in Frankreich: Kein Ende für Weihnachten in Sicht

Die Bilder ähneln sich: Gesperrte Metro-Linien und fast leere Bahnhöfe. Elf Tage nach Streikbeginn dauern in Frankreich die massiven Behinderungen im öffentlichen Verkehr unverändert an. Auch am Sonntag fuhr laut Angaben der Staatsbahn SNCF landesweit nur jeder vierte TGV-Hochgeschwindigkeitszug. Und in Paris fuhren von den 16 Metro-Bahnen nur die beiden automatisierten Linien 1 und 14.

Starke Beeinträchtigungen gab es am Sonntag auch wieder im Pariser Schnellbahnnetz RER. Völlig lahmgelegt war die S-Bahn RER A, die mit rund 1,2 Millionen Fahrgästen täglich zu den frequentiertesten zählt. Der Busverkehr war zu 60 Prozent gesichert. Trams hingegen fuhren in fast normaler Taktung.

Entspannung vor den näher rückenden Feiertagen war nicht in Sicht. Der französische Gewerkschaftsbund CGT setzte der Regierung am Sonntag ein Ultimatum: Sollten die Pläne binnen einer Woche nicht vom Tisch genommen werden, würden die Angestellten im öffentlichen und im privaten Sektor daraus den Schluss ziehen, dass die Mobilisierung verdoppelt und die Streiks und Proteste ausgeweitete werden müssten.

Ministerpräsident Edouard Philippe sagte dem Wochenblatt “Le Parisien Dimanche”, er sei zu Gesprächen bereit. Weihnachten sei ein wichtiger Moment, so Philippe in dem Interview. Er glaube nicht, dass die Franzosen akzeptierten, dass einige sie um diesen Moment bringen wollten. Jeder müsse seine Verantwortung übernehmen.

Einige der Gewerkschaften haben bereits angedeutet, dass sie auch zu Weihnachten den Streik nicht aussetzen würden. Es werde “keine Waffenruhe” während der Festtage geben, drohte der Bahngewerkschafter Laurent Brun. Wenn die Regierung wolle, dass der Konflikt vor Weihnachten aufhören soll, dann habe sie noch die ganze kommende Woche, um sich für die richtige Lösung zu entscheiden, erklärte Brun. Die SNCF rief zu einer Pause an den Feiertagen auf und versprach, 50 Prozent der Reisenden würden einen Zug haben.

In der neuen Woche wird die Staatsbahn einen Notfahrplan für den Fall eines Streiks über die Weihnachtstage veröffentlichen. Auch Umwelt- und Verkehrsministerin Élisabeth Borne hatte die Angestellten der Verkehrsbetriebe aufgefordert, ihren Streik zu beenden.

Nach elf Streiktagen macht sich in der Bevölkerung eine Müdigkeit und zunehmende Aggressivität breit. Fernsehbilder zeigen entnervte Fahrgäste, die sich zu Tausenden drängeln, um eine der wenigen Metro-Linien und RER-Züge zu bekommen. Auch der Einzelhandel beginnt, sich Sorgen um das Weihnachtsgeschäft zu machen.

Für Dienstag haben die Gewerkschaften erneut landesweit zu Protesten aufgerufen. Bereits am vergangenen Dienstag gingen Hunderttausende in ganz Frankreich auf die Straße.

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