Stringent und höchst erbaulich

Brucknerfest: Großartiges Bruckner Orchester und Poschner bescherten Sternstunde

Solistin Ricarda Merbeth und das Bruckner Orchester
Solistin Ricarda Merbeth und das Bruckner Orchester © Christian Herzenberger

Von Kurt Lettner

„Dem Meister Richard Wagner in tiefer Verehrung gewidmet.“ Diese Widmung Anton Bruckners für seine 3. Sinfonie an Wagner war das Verbindende im Konzert beim Brucknerfest am Freitag im Linzer Brucknerhaus. Die im zweiten Teil des Abends zur Aufführung gelangte Sinfonie Nr. 3 d-moll von Bruckner darf als Höhepunkt bezeichnet werden. Das Bruckner Orchester mit seinem Leiter Markus Poschner ließ an diesem Abend eine Sternstunde erleben. Die dynamische Gestaltung und der große Bogen — vorgezeichnet vom ausgezeichnet disponierten Dirigenten — waren stringent und überzeugend. Vor allem der zweite Satz, „Adagio, feierlich“, wurde klangschön und musikantisch vorgetragen, der Intention von Bruckner entsprechend. Die Widmung an Wagner war in vielen Zitaten aus dessen Opernschaffen zu hören, zumal die Originalfassung der Sinfonie aus dem Jahr 1873 dargeboten wurde.

Der erste Teil des Abends widmete sich dem Schaffen Wagners. Einleitend erklang die Ouvertüre zur Oper „Tannhäuser“. Wechselnde Dynamik und feine Pianissimos schufen einen guten Eindruck von der Oper. Etwas deplatziert hingegen wirkte der Vortrag der „Hallenarie“: Solistin war die im Programm als eine der besten Wagner-Sängerinnen vorgestellte Sopranistin Ricarda Merbeth, die zwar mit tragender Stimme überzeugte, ihr stark timbrierter Vortrag kam allerdings beim Publikum nicht wirklich gut an, der Applaus war eher höflich und moderat. Ähnliches ist vom Vorspiel und „Isoldes Liebestod“ aus Wagners „Tristan und Isolde“ zu vemelden.

Äußerst routinierter Meister am Pult

Wie routiniert Markus Poschner agiert, spürte man, als bei der „Tannhäuser“-Ouvertüre die Partitur vom Pult fiel und er auswendig zu Ende dirigierte. Insgesamt ein stimmungsvoller, erbaulicher Konzertabend dank der großartigen Leistung von Orchester und Dirgent, der mehr Besucher verdient hätte.