Stromschläge: Falscher Arzt vor Kadi

30-Jähriger wegen versuchten Mordes an 88 weiblichen Opfern angeklagt

Am Landgericht München II hat am Dienstag ein Aufsehen erregender Prozess begonnen: Ein 30-jähriger Mann ist wegen versuchten Mordes an 88 Frauen und Mädchen angeklagt. Er soll sie über Skype angeleitet und so dazu gebracht haben, sich selbst lebensgefährliche Stromschläge zuzufügen.

Laut Staatsanwaltschaft dürfte ein Fetisch das Motiv des Angeklagten sein. Es soll ihn sexuell erregt haben, wenn eine Frau durch einen Stromschlag Schmerzen erleidet. Nach Polizeiangaben hatte der Mann aus dem Raum Würzburg seit 2014 über das Internet Kontakt zu seinen meist sehr jungen Opfern aufgenommen. Er fand sie, weil sie in Kleinanzeigen nach einem Nebenjob suchten. Und den bot er ihnen an. Laut der Ermittlungsgruppe „EG Strom“ gab sich der Mann als Mediziner einer renommieren Universität aus. Er behauptete, Teilnehmerinnen für eine wissenschaftliche Studie zu suchen und bot dafür Geld.

Über Skype, so die Vorwürfe, wies er seine Opfer an, Apparate zu bauen, um sich die Elektroschocks zuzufügen. Die Videochats zeichnete er auf – um sie sich immer wieder ansehen zu können. Auf die Spur des IT-Fachmanns aus dem Landkreis Würzburg kamen die Ermittler, nachdem ein 16 Jahre altes Opfer Anzeige erstattet hatte. 120 Frauen sollen laut Polizei auf ihn hereingefallen sein, bei 88 war die Strafbarkeit nachweisbar.

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