Strukturwandel in der Landwirtschaft zuletzt verlangsamt

Die Zahl der Betriebe ging zuletzt um 11 Prozent zurück © APA/dpa/Patrick Pleul

In der heimischen Landwirtschaft hat sich der Strukturwandel etwas verlangsamt. Die Zahl der land- und forstwirtschaftlichen Unternehmen ging von 2010 bis 2020 zwar um 11 Prozent zurück. Im Jahrzehnt davor war die Verringerung mit 20 Prozent jedoch deutlich höher ausgefallen. 154.953 Betriebe zählte die Statistik Austria zuletzt im Rahmen ihrer alle zehn Jahre durchgeführten Agrarstrukturerhebung. Zuwächse gab es bei den genutzten Flächen sowie in der Bio-Landwirtschaft.

„Der Trend zu weniger Betrieben aber mit größerer Betriebsgröße hält weiter an“, erklärte Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas am Dienstag bei der Präsentation der Zahlen. „Spiegelbildlich ist die landwirtschaftlich genutzte Fläche in den letzten Jahrzehnten immer weiter angestiegen.“ So wuchs die durchschnittlich genutzte Fläche (unter anderem Ackerland und Dauerkulturen) von 18,8 Hektar im Jahr 2010 auf 23,6 Hektar im Jahr 2020. 1951 hatte die durchschnittliche Nutzfläche noch 9,4 Hektar betragen.

Dennoch sind die Land- und Forstbetriebe in Österreich vergleichsweise klein strukturiert. In Deutschland etwa verfügt ein durchschnittlicher Agrarbetrieb über 63 Hektar, in den USA sind es sogar 182 Hektar. Die durchschnittliche Gesamtgröße der heimischen Betriebe, also inklusive ungenutzter Flächen, stieg in den letzten zehn Jahren von 42,6 Hektar auf 44,9 Hektar.

Diese Wachstumstendenz lässt sich auch in der Tierhaltung erkennen. Durchschnittlich 28 Rinder hielt ein österreichischer Betrieb vor zehn Jahren. Die Herdengröße nahm seitdem kontinuierlich auf 34 Rinder pro Betrieb zu. Der durchschnittliche Bestand an Schweinen stieg seit 2010 von 85 auf 112 Tiere an. Bei Schafen wuchs der Bestand im Vergleichszeitraum von 27 auf 33 Tiere und bei Ziegen von 8 auf 12 an, geht aus den Daten der Statistiker hervor. Auch das sind jedoch deutlich weniger Nutztiere als in den Agrarbetrieben anderer Länder.

Die gesamte Bodennutzung in Österreich ist dabei stark von der Forstwirtschaft geprägt, die 49 Prozent der österreichischen Flächen für sich vereinnahmt. Auf landwirtschaftliche Nutzungsarten entfallen demgegenüber 38 Prozent der Flächen.

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Weiter im Trend liegt die Produktion von biologischen Lebensmitteln. 2020 wirtschafteten 24.809 heimische Betriebe bzw. 22,4 Prozent nach biologischen Richtlinien. 2010 waren es noch 15,1 Prozent gewesen. Dabei steche Salzburg ins Auge, da hier „der Anteil der Betriebe, die nach biologischen Standards arbeiten, die 50-Prozent-Marke bereits durchschritten hat“, so Thomas. Aber auch in anderen Bundesländern wie Oberösterreich und Niederösterreich schreite der Bio-Anteil voran. Der Beitrag für die gesamte Bio-Produktion in Österreich sei in Niederösterreich am größten.

Als stabil hätten sich die Erwerbsarten erwiesen. 36 Prozent der rund 155.000 österreichischen Betriebe werden im Haupterwerb und 57 Prozent im Nebenerwerb geführt, wobei sich die Werte im Zehnjahresabstand nur geringfügig geändert haben. Das trifft auch auf die Zahl der von Frauen geführten Unternehmen zu. Mittlerweile sind 35 Prozent aller Betriebe „weiblich“, nach 34 Prozent in der Dekade davor.

Wichtigstes Rückgrat der österreichischen Landwirtschaft sind nach wie vor Familienunternehmen, die im Jahr 2020 etwa 93 Prozent der Betriebe ausmachten. „Familienbetriebe prägen die Agrarwirtschaft in Österreich“, meinte Thomas. Bemerkenswert sei in diesem Kontext auch, dass 4 von 5 Arbeitskräften aus der eigenen Familie stammen.

Erfreut über die Ergebnisse zeigte sich Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP). Die Zahlen würden belegen, dass die agrarpolitischen Maßnahmen Österreichs, etwa durch Förderungen im Rahmen des Agrarumweltprogramms (ÖPUL), Wirkung zeigen. „Es ist gelungen, den Strukturwandel einzudämmen“, sagte der Politiker bei einer Pressekonferenz. Nun gelte es, den Weg konsequent fortzusetzen und weiter auf Qualitätsproduktion und den ökosozialen Betrieb zu setzen.

„Die Agrarstrukturerhebung führt uns klar vor Augen, wie wichtig es ist, unsere Wiesen, Wälder und Äcker vor der weiteren Verbauung zu schützen“, reagierte der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreichs (LKÖ), Josef Moosbrugger, in einer Aussendung. Hier gebe es Handlungsbedarf, eine weitere Unterstützung der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe sei aber auch im Sinne der Versorgungssicherheit vonnöten.

Für den Präsidenten des Bauernbunds, Georg Strasser, standen „Resilienz und Krisensicherheit“ im Vordergrund, die es gerade in Zeiten wie diesen benötige. Daher müsse man für die Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft auch ein entsprechendes Einkommen sicherstellen, damit diese die derzeit hohen Kosten stemmen und in der Produktion bleiben können, so Strasser.

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