Sturm: Schäden in Österreich moderat

„Fabienne“ wütete in Deutschland: Hohe Schäden, Frau von Baum erschlagen

Sturmtief „Fabienne“ hinterließ in der Nacht zum Montag in Deutschland und Österreich abgebrochene Äste und abgedeckte Dächer.
Sturmtief „Fabienne“ hinterließ in der Nacht zum Montag in Deutschland und Österreich abgebrochene Äste und abgedeckte Dächer. © dpa/Priebe

WIEN/BERLIN —Der erste Herbststurm dieses Jahres ist in der Nacht auf Montag mit Windspitzen über 100 km/h über Österreich gefegt. Der höchste Wert wurde nach Angaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Sonnwendstein im nö. Semmeringgebiet mit 153,7 km/h gemessen. An zweiter Stelle lag der Buchberg im Wienerwald mit 137,2 km/h, gefolgt vom oö. Feuerkogel mit 127,1 km/h. Im Tal gab es Sturmspitzen von 101,5 km/h in Wiener Neustadt. In Ranshofen, Braunau brachte es „Fabienne“ auf 96,5 km/h. Knapp über 90 km/h lagen die Spitzen laut ZAMG etwa noch in Kremsmünster.

Dramatik blieb aus

Dennoch kam Österreich mit einem „blauen Auge“ davon. Vor allem in Ober- und Niederösterreich waren die Landeswarnzentralen der Feuerwehren personell aufgestockt worden. Schließlich wurden im Land ob der Enns 130 Wehren zu 140 Einsätzen geschickt. Die 2100 Helfer beseitigten umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste, die Verkehrswege blockierten. Der Koppenpass musste gesperrt werden. Etliche Bäume waren geknickt worden und auf der Fahrbahn gelandet. Besondere Vorkommnisse gab es nicht. „Die Wehren waren gut gerüstet, deshalb konnten die Ereignisse auch rasch und effektiv abgearbeitet werden“, betonte Schärdings Bezirkskommandant Alfred Deschbauer.

In der Steiermark gab es vereinzelte Schäden im Ennstal in der Obersteiermark sowie im Norden der Oststeiermark. In Niederösterreich rückten die Wehren zu 35 Einsätzen aus, beim Stift Heiligenkreuz riss der Orkan einer Plantane im inneren Stiftshof einen schweren Ast ab, der auf den barocken Josefsbrunnen fiel und diesen dadurch schwer beschädigte. Der Kopf des heiligen Josef, ein Werk Giovanni Giulianis (1664-1744), brach ab.

In Wien registrierte die Feuerwehr etwa 100 Sturmschäden, in Vorarlberg waren es 37, im Burgenland sechs und in Salzburg 23 Einsätze, die Schwerpunkte lagen im Flachgau. In Tirol gab es im Unterland vereinzelt umgestürzte Bäume und Sachschäden.

Baum erschlug Frau

Dramatisch waren dagegen die Auswirkungen des Herbststurmes in Deutschland. Eine 78 Jahre alte Frau starb im Landkreis Bamberg in Bayern, als ein Baum auf dem Campingplatz in Ebrach auf sie stürzte. In Baden-Württemberg wurde ein vierjähriger Bub von einem umstürzenden Baum lebensgefährlich verletzt. Eine Orkanböe kippte in Epfenbach im Rhein-Neckar-Kreis eine große Buche auf das Auto, in dem das Kind saß. Es erlitt schwere Kopfverletzungen.

Tornado im Erzgebirge

In weiten Teilen Süd- und Mitteldeutschlands mussten Straßen gesperrt und von Bäumen befreit werden. In Sachsen war vor allem der Erzgebirgskreis schwer betroffen. „Anrufer berichteten uns von einem Tornado“, sagte ein Feuerwehrsprecher. In der Nacht waren noch die Fernverkehrsstrecken zwischen Mainz und Mannheim, zwischen Würzburg und Nürnberg sowie zwischen Nürnberg und Stuttgart bzw. Nürnberg und Regensburg gesperrt. Am Sonntagabend hatte es zwischen Berlin und München sowie zwischen Frankfurt und Heidelberg bzw. Frankfurt und Mannheim Unterbrechungen und Verspätungen gegeben.

Auch der Flughafen Frankfurt — Deutschlands größter Airport — meldete am Sonntagabend Probleme. Aufgrund des Wetters kam es zu Verzögerungen und vereinzelten Flugausfällen. Etwa zwei Dutzend Flüge waren vor allem zwischen 16 und 18 Uhr annulliert worden. In Stadelschwarzach (Bayern) wurde das Dach des Turms der St.-Bartholomäus-Kirche heruntergerissen. Die Turmhaube fiel in einen Garten.

130 km/h in der Schweiz

Der Sturm machte sich auch in der benachbarten Schweiz bemerkbar. Dort wirbelte „Fabienne“ mit Windspitzen von 130 km/h vor allem den Flugverkehr durcheinander, wie die Agentur SDA berichtete. An den Flughäfen Zürich, Basel und Genf gab es am Abend bei fast allen Starts und Landungen deutliche Verspätungen.

In Tschechien hat das Sturmtief „Fabienne“ hat zu Stromausfällen und Verkehrsbehinderungen geführt. Am Montag waren nach Angaben der Energieversorger noch rund 70.000 Haushalte ohne Strom. In der Nacht waren es sogar doppelt so viele gewesen. Bei Olomouc (Olmütz) im Osten des Landes wurden zwei Menschen verletzt, als ein Baum auf ihr Wochenendhaus fiel. Die Feuerwehren rückten landesweit zu hunderten Einsätzen aus, um Straßen frei zu räumen und Dächer zu sichern. Dutzende Bahnstrecken waren unpassierbar, weil Bäume auf die Gleise gestürzt waren.