Sündhaft schöne Sommerserenade

Martin Achrainer sorgte für Bombenerfolg im Arkadenhof des Landhauses

Publikumsliebling Martin Achrainer
Publikumsliebling Martin Achrainer © Tom Mesic

Von Georgina Szeless

„Mir ist manches schon passiert, aber so etwas noch nicht“, heißt es im „Bettelstudent“ und das traf genau auf Martin Achrainer zu, der den Bühnenboden im Arkadenhof vorgestern im eleganten Frack und mit Krücke betrat. Ein böser Achillessehnenriss bei den Proben hätte bald sein Auftreten vereitelt. Aber der Baritonliebling vom Landestheater machte aus der Not eine Tugend und benützte die Gehhilfe und lediglich einen Stuhl als Utensilien, tanzte damit energiegeladen herum, fiel zu Boden und legte sich sogar auf den Corpus des Flügels.

Stimmlich in Bestform

Stimmlich war er ohnehin in Bestform und dazu auch schauspielerisch, gekonnt imaginierte er bei Bedarf so manche Rolle. Achrainers literarischer Partner und Theaterkollege Sebastian Hufschmidt assistierte ihm in bester Laune bei dem ganzen Spaß mit satirischem Hintergrund, bei dem es sich um die „Sieben Todsünden“ drehte. Welch’ eine Königsidee das Programm, das aus allerlei Highlights bestand, wie man sie von mehr oder weniger vertrauten Komponisten oder Dichtern kennt. Dazu die köstlichen Proben aus verschiedenen Genres wie Oper, Operette, Lied, Schlager, Lustspiel, ja sogar ein Oratorium durfte in das Sündenregister eingebaut werden. Die Zwischenaktmusik stammte von Werner Pirchner, Messteile aus 1982 „für den lieben Gott“ — den Interpreten war also nichts heilig in dem Sündenprogramm.

Am Klavier lieferte Daniel Linton-France dazu die passenden Klänge. Schon wegen seiner Topbegleitung müsste man die von ihm betreuten Werke wenigstens auszugsweise nennen. Sie stammten von Hugo Wolf, Carl Millöcker, Mozart, Friedrich Hollaender, Ralph Benatzky, Robert Schumann, Georg Kreisler, Kurt Weill, Werner Richard Heymann, Fred Raymond. So mancher „Schlager“ reizte das zahlreich erschienene Publikum zu Lachsalven, das sich mit den Künstlern bestens unterhielt und erst nach Zarah Leanders „Kann denn Liebe Sünde sein“ nach Hause ging. Gar nichts ist eine Sünde, so wie diesmal alles serviert wurde. Es darf also weiter gesündigt werden.

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