Süß, aber auch spritzig

Der kleinste Audi – der A1 – ist die Einstiegsdroge in die Ingolstädter Premiummarke. Die Zutaten dafür heißen Fahrdynamik, Verarbeitung und Aussehen.

„Jö, ist der süß“, entfährt es der Herzallerliebsten beim Anblick des Audi A1 Sportback, dessen Zweifarblackierung (Misanorot mit schwarzem Dach) so schön in der Sonne glitzert. Dazu muss man wissen: Bis vor Kurzem düste die Holde in einem Audi A3 durch die Gegend, der Umstieg auf ein anderes Modell aus dem VW-Konzern war einzig dem Umstand geschuldet, dass der neue A3 von der Breite her kaum in die Garage gepasst hätte.

Ist ja so: Die Autos werden immer länger und breiter – da können halt Garagen aus den 70er-Jahren nicht mehr mithalten. Mit dem A1 hingegen ist das Einparken in der Garage kein Problem: Der flott gezeichnete Fünfsitzer ist ja nur 4,03 Meter lang und mit seinen 1,74 Metern Breite geht sich das Rangieren auch in der kleinen Garage gut aus. Und zur Not piepst und blinkt halt der Parkassistent und auch die Rückfahrkamera liefert ein glasklares Bild auf den mittigen Touchscreen.

Das mit dem süßen Aussehen muss man beim Anblick des Ingolstädters aber ein wenig relativieren. Nun gut: Die Front-LED-Leuchten sind nicht so martialisch eng geschnitten, wie es derzeit generell en vogue ist. Auch die Hecklichter sind durchaus gefällig, familienfreundlich und bieder ausgefallen.

Typenschein

Audi A1 Sportback 35 TFSI S line exterieur

Preis: ab € 29.900,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 45.509,25 unter anderem inklusive adaptiven Tempomaten € 655,-, Virtual Cockpit € 178,75, Dynamikpaket € 892,50, Einparkhilfe plus € 821,25, Zweizonen-Klimaautomatik € 476,25, Gepäckraumpaket € 60,-, LED-Scheinwerfer € 867,50, MMI Navigation plus € 2320,-, S line Interieur € 1368,75, Rückfahrkamera € 417,50 und Sitzheizung vorne € 356,25; einen Audi A1 Sportback (25 TFSI) gibt es ab € 21.330,-
NoVA/Steuer: 5 %/ € 649,44 jährlich
Garantie: 2 Jahre ohne Kilometerbeschränkung, 3 Jahre Lackgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung
Service: alle 30.000 km oder alle 2 Jahre

Technische Daten:
Motor: R4, 16V, Turbolader, 1498 cm³, 110 kW/150 PS bei 5000 U/min, max. Drehmoment 250 Nm bei 1500-3500 U/min
Getriebe: Siebengangautomatik
Antrieb: Frontantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 222 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,7 s
Leistungsgewicht: 8,25 kg/PS
MVEG-Verbrauch: 6,5/4,2/5,1 Liter
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 6,5 Liter
CO2-Ausstoß: 116 g/km
NOx: 0,0303 g/km; Euro 6

Eckdaten:
L/B/H: 4029/1740/1409 mm
Radstand: 2563 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1238/1705 kg
Kofferraum: 335 Liter
Tank: 40 Liter (Benzin)
Reifen: 4 x 215/40 R18 89Yauf 18“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/ACC/BSD/LKA/RSR
Airbags: 6

Aber der scharfkantige Kühlergrill samt großen Lufteinlässen deutet eher auf eine konsequente dynamische Ausrichtung hin denn auf niedliche Studentenkarre. Wobei – wenn nicht das Elternhaus den Wagen finanziert – der A1 samt Extras das Budget eines Erstsemestrigen vermutlich leicht übersteigen wird. Der 150 PS starke Bolide schlägt nämlich samt Extras mit 45.500 Euro zu Buche, wobei alleine die Sonderwünsche 15.500 Euro verschlingen.

Aber zurück zum süßen Wagen, der auch im klar gegliederten Innenraum dem gewünschten Premiumanspruch gerecht wird. Die Verarbeitung, die Materialien, die Haptik – alles auf Top-Niveau. Dank der Extras ist der A1 auch in Sachen Konnektivität, Assistenzsysteme und Features im absoluten Oberklassebereich angesiedelt, das fängt bei Sitzheizung und Rückfahrkamera an, zieht sich über Google Earth-Darstellung und Online-Verkehrsinfos und endet bei Notrufmöglichkeiten oder Online-Parkplatzsuche.

Doch trotz des Online-Overkills und vieler Bedienmöglichkeiten funktioniert die Eingabe – entweder per Touchscreen oder per Spracheingabe – wunderbar und intuitiv. Auch die Darstellung der Fahrinfos auf dem empfehlenswerten, knapp 180 Euro teuren virtuellen Cockpit ist großartig. Süß sind zudem die einstellbaren Licht-Stimmungen, die wohl nochmals das Premium-Ambiente des vorne üppig dimensionierten A1 unterstreichen können. Fehl am Platz ist einzig der Lautstärkeregler, der lieblos in der Mittelkonsole beim Schalthebel positioniert wurde.

Fahrerisch ist es aber dann nichts mehr mit süß. Eher im Gegenteil, der straff gefederte A1 entpuppt sich als spritziger Bruder. Mit seinen 150 PS, die der frontgetriebene Fünftürer aus einem laufruhigen (aber nicht unbedingt leisen) Vierzylinder-Benziner schöpft, gibt er den Kraftlackl, bei dem auch die Kavaliersstarts leicht von der Hand gehen. Dabei steht das maximale Drehmoment von 250 Newtonmetern bereits ab 1500 Touren parat. Die Siebengangautomatik wechselt merklich, aber schnell, die Gänge und das Lenkrad liegt angenehm in der Hand, lässt sich darüber hinaus leicht und präzise führen.

Die straffe Federung ist jedoch nicht unangenehm hart, einzig Fahrbahnfugen sind so gar nicht die Freunde des Kompakten – die schlagen mit unverminderter Härte durch. Dafür offenbart der A1 sensationelle Fahreigenschaften auf Serpentinenstraßen; in raschen Kurvenkombis fühlt er sich pudelwohl und spurtreu – wobei er aufgrund seiner Größe natürlich auch als Stadtauto prädestiniert ist. Eine sanfte Fahrweise dankt der A1 dem Lenker mit weniger als sechs Litern Sprudelverbrauch, bei rasanteren Fahrten sind auch knapp sieben Liter möglich, also wenn beispielsweise der Dynamikmodus aktiviert ist. Für die Langstrecke ist der spritzige Süße aber auch geeignet – die Sitzergonomie macht´s möglich. Und auch das Gepäckabteil sei hier zum Abschluss lobend erwähnt: Neben der Premium-Verarbeitung spricht auch das Fassungsvermögen von 335 Litern eindeutig für den A1.

Fazit: Den A1 mit seinen Extras muss man sich leisten können und wollen. Die Werthaltung des sportlich gehaltenen Wagens ist vermutlich top, die Fahreigenschaften sind es jedenfalls – und die Verarbeitung sowieso.

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