Manfred Maurer

Meinung

von Manfred Maurer

Surenbeschneidung

„Wenn jemand einen Menschen tötet, so ist es als habe er die ganze Menschheit getötet!“ — mit diesem Koranzitat (Sure 5, 32) unterstreicht die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) die Verurteilung des Terrors von Sri Lanka.

Die Botschaft: Auch wenn Muslime die Täter sind, hat das nichts zu tun mit dem Islam, weil dieser ja Derartiges verbietet.

Es besteht natürlich kein Zweifel, dass die IGGÖ die Gräueltaten von Sri Lanka und Christchurch gleichermaßen verurteilt, auch wenn sie unterschiedlich damit umgeht: Beim von Muslimen verübten Massaker vermeidet sie jegliche Deutung, während sie im März nach dem Massaker an Muslimen sofort den Bogen zur Politik der österreichischen Bundesregierung spannte.

Und es fällt auf, dass Sure 5:32 nicht vollständig zitiert wurde. Ungekürzt lautet der Satz nämlich: „Deswegen schrieben wir den Kindern Israels vor, dass jeder, der einen Menschen tötet – es sei denn als Vergeltung für Mord oder Unheilstiftung auf Erden – gleichsam die ganze Menschheit tötet.“

„Warum verzichtete die IGGÖ auf den nicht unwesentlichen Einschub?“

Warum verzichtet die IGGÖ auf den nicht unwesentlichen Einschub? Ging es etwa darum, dem p. t. Publikum vorzuenthalten, dass das koranische Tötungsverbot kein absolutes ist? Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte über die Homosexuellen in Brunei drohende Steinigung ist die Surenbeschneidung durch die IGGÖ zumindest fragwürdig, wenn nicht vielsagend.

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