Susanna Clarke: Piranesi

Die Welt ist ein riesiges Gebäude mit endlosen Korridoren, Stiegenaufgängen und Sälen – zumindest für Piranesi. Im gleichnamigen Buch von Susanna Clarke durchforscht er täglich dieses bizarre Labyrinth.

Die britische Autorin hat mit ihrem zweiten Roman eine sensationelle Mischung aus Fantasy und Kriminalrätsel geschaffen. Man darf gleichermaßen raten wie staunen. „Piranesi“ präsentiert ein alternatives Universum, eine Welt von sich endlos aneinanderreihenden Räumen, unterschiedlich dimensioniert und höchst eigenwillig.

Piranesi hat sein Leben der Erforschung dieser Welt gewidmet, in der es neben ihm außer Meerestieren und Vögeln nur noch „den Anderen“ gibt. Dieser ist Wissenschafter und sein Freund – oder doch nicht? Stück für Stück beginnt Piranesi ein dunkles Geheimnis zu entschlüsseln.

Je weniger im Voraus von der Handlung bekannt ist, desto packender die Geschichte, die sich labyrinthartig entfaltet. Auf dem Weg zum Ausgang verstreut Clarke immer mehr Hinweise, zunächst sehr kryptische, dann klarere, die am Ende trotz aller Fantasy-Elemente eine schlüssige Aufklärung ergeben.

Clarke schafft eine einzigartige Atmosphäre, der Leser ist mitten drin im Labyrinth und schaut nicht nur von außen zu. Jedes Element ist perfekt konstruiert und von schöner sprachlicher Architektur.

Susanna Clarke: Piranesi, aus dem Englischen von Astrid Finke, Blessing Verlag, 272 Seiten, 20,60 Euro

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