Symbolisch aufgeladen: „Der Baum in der Kunst“ im Belvedere

„Grow“ im Unteren Belvedere: Installation von Florian Raditsch, Video von Asta Gröting © APA/Wolfgang Huber-Lang

Zur Fauna gibt’s nun auch die Flora. Während man seit heute im mumok „Das Tier in Dir“ entdecken kann, eröffnet am Abend im Unteren Belvedere die Ausstellung „GROW. Der Baum in der Kunst“. 102 Werke (davon 60 aus den eigenen Beständen des Belvedere) künden davon, dass der Baum nicht nur eines der ältesten Motive der Kunst, sondern „immer schon symbolisch aufgeladen“ war, wie Generaldirektorin Stella Rollig am Donnerstag bei der Presseführung sagte.

Die bis 8. Jänner 2023 laufende Schau behandle daher „Bildgeschichte, Geistesgeschichte, Ideengeschichte“, so Rollig. Kurator Miroslav Haľák hat 76 Künstlerinnen und Künstler ausgewählt. Das älteste Objekt ist ein Fastentuch aus dem 15. Jahrhundert, die jüngsten Exponate sind in situ geschaffene Auftragswerke, etwa Jakub Spanhels Eck-Installation „Willst du deinen Wald vernichten, pflanze Fichten, nichts als Fichten“. Giovanni Segantinis symbolistisches Hauptwerk „Die bösen Mütter“, eine Praterallee von Olga Wisinger-Florian oder ein Baum von René Magritte, „Blühende Kastanien“ von Emilie Mediz-Pelikan oder reduzierte Baumdarstellungen der Gugging-Künstler Johann Korec und Oswald Tschirtner spannen einen weiten Bogen auf. Nilbar Güreş’ Foto-Arbeit „Headstanding Totem“ verweist wie viele andere Werke nicht nur auf den mythologischen Gehalt des Themas, sondern auch auf jene menschliche Zerstörungsarbeit, die ein Video von Asta Gröting am anschaulichsten zum Ausdruck bringt: In „Apple Tree“ sägt eine der beiden Performerinnen fröhlich an jenem Ast, auf dem sie Platz genommen hat.

Sowohl die Museumschefin wie auch der Kurator betonten, die Ausstellung verstehe sich auch als Kommentar zur sich anbahnenden Klimakatastrophe, in der Waldbrände und Abholzung zu den großen Problemen zählen. „Da wird Kunst immer mehr zum Botschafter höherer Inhalte“, sagte Haľák, der die Ausstellung in drei Abschnitte gegliedert hat, die sich allerdings nicht sehr klar voneinander unterscheiden: Baum der Erkenntnis, Baum des Wissens, Achse der Welt. Vom Sündenfall im Paradies (vertreten u.a. durch KHM-Leihgaben aus der Werkstatt von Lucas Cranach) angefangen, sei der Baum immer schon viel mehr als bloße Dekoration gewesen, so der Kurator: „Kaum ein anderes Naturobjekt wurde öfter zur Projektionsfläche als der Baum.“ Eine kleine Sektion beschäftigt sich mit der ideologischen Instrumentalisierung des Baums etwa im Nationalsozialismus, ein paar Meter weiter lachen einem die Peanuts entgegen, die auf einer gerodeten Fläche vor einem abgeschlagenen Baumstamm stehen (Jimmy Zurek: „Ama Mater“). Dem Problem der Beliebigkeit kann die Auswahl nicht immer ausweichen.

Eine Ausstellung mit diesen Inhalten müsse sich auch in der Herstellung ökologischen Kriterien stellen, betonte Rollig. Das Belvedere, das stolz auf seine Zertifizierung als „grünes Museum“ ist, hat einerseits darauf Wert gelegt, dass der Radius der Leihgeber kein allzu großer ist (angeblich stammt das am weitesten gereiste Objekt aus Turin), andererseits hat man den Katalog CO2-neutral produziert und durchwegs auf Plastik verzichtet. Wandtexte wurden mithilfe von Papierschablonen aufgemalt, die Objektkärtchen sind aus Samenpapier. Haľák: „Im Papier befinden sich noch aktive Samen. Wenn Sie dieses Papier einpflanzen, dann wächst etwas – hoffentlich.“

In der Ausstellung herrscht Stille – den eigens kuratierten Soundtrack dazu kann man jedoch nicht nur mittels CD nach Hause mitnehmen, sondern auch per Audioguide oder die Museums-App Smartify auch während des Besuchs genießen. Ein Rahmenprogramm mit Artist Talks und Filmprogramm im Blickle Kino ist Themen wie „Kunst und Ökologie“ oder dem Stammbaum oder „Ökologie und Forstwirtschaft im Spiegel der Sammlung“ gewidmet.

Video
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Auch im Belvedere kann man übrigens von den Bäumen ins Tierreich wechseln: Rona Pondick, im Marmorsaal des Unteren Belvedere mit einem „Head in Tree“ vertreten, zeigt parallel dazu im Carlone-Saal des Oberen Belvedere „Monkeys“: In ihren Skulpturen von Mensch-Tier-Hybridwesen hat die US-Künstlerin Abgüsse eigener Körperteile eingefügt, die sie zuvor mittels 3-D-Technologie abgenommen und verkleinert hat.

„GROW. Der Baum in der Kunst“, Ausstellung im Unteren Belvedere, Wien 3, Rennweg 6, 23. September 2022 bis 8. Jänner 2023, Montag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr; Katalog: 208 Seiten, 29,80 Euro, ISBN 978-3-903327-31-3; belvedere.at

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