T. C. Boyle: Das Licht

In den 1960er-Jahren hatte US-Psychologe und LSD-Guru Timothy Leary in einer Art Kommune „Gruppensessions“ veranstaltet. Durch die Einnahme von psychedelischen Drogen sollten seine Gefolgsleute „eine neue Welt“ betreten, wie es T. C. Boyle in seinem soeben auf Deutsch erschienenen Roman „Das Licht“ formuliert. Der Kultautor zeigt, wie die Suche nach Erleuchtung zum schlechten Trip wird. Wie in vielen seiner Romane bedient sich Boyle historischer Gestalten und gewohnt penibel recherchierter Begebenheiten. Darin eingebettet erzählt er mit Nüchternheit und eindringlicher Wirkung die fiktive, aber plausible Geschichte des Psychologie-Doktoranden Fitz und dessen Frau Joannie, die in den „Inneren Kreis“ des umstrittenen Dozenten Leary aufgenommen werden. Die Einnahme von halluzinogenen Stoffen soll das Bewusstsein erweitern und „tiefste interpersonelle Harmonie“ fördern.

„Scheiß auf Gott. Gehen wir auf Trip“, raunt Fitz am Ende. Und Joannie bilanziert das als heilig verklärte Experiment rational: „(….) wenn es nur das kleinste bisschen mit Psychologie als Wissenschaft zu tun hatte, dann mussten sie zugeben, dass LSD in erhöhter Dosierung oder Frequenz problematisch war.“ Boyles „Das Licht“ ist ein später Beatnik-Roman, aber auf alle Fälle eine essenzielle Ergänzung — und unterhaltsam sowieso.

T. C. Boyle: Das Licht. Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren, Carl Hanser Verlag, 384 Seiten, € 25,70