Blutige Anschläge vor dreitägiger Feuerpause in Afghanistan

Fast zeitgleich mit der Ankündigung einer dreitägigen Feuerpause durch die Taliban haben sich in Afghanistan erneut blutige Anschläge ereignet. Bei einem Bombenanschlag auf einen Bus im Süden des Landes wurden am Sonntagabend elf Menschen getötet und mindestens 28 verletzt. Zudem wurden laut Innenministerium Montagfrüh bei einem ähnlich gelagerten Anschlag auf einen Minibus in der Provinz Parwan nördlich von Kabul zwei Menschen getötet und neun verletzt.

In der Provinz Farah im Westen des Landes wurde außerdem in der Nacht ein Kontrollpunkt der Armee unweit von der Provinzhauptstadt Farah-Stadt mit einer Autobombe angegriffen. Der Provinzgouverneur sprach von zwei toten Soldaten, ein anderer Provinzrat von mindestens sechs Toten, die nach der Bombe aus den Trümmern geborgen worden seien.

Unterdessen kündigten die radikalislamischen Taliban eine dreitägige Feuerpause an. Die Bürger sollten das Fest Eid al-Fitr, mit dem das Fastenbrechen zum Ende des Ramadans begangen wird, friedlich und sicher feiern können, teilte eine Sprecher mit. Eid al-Fitr beginnt am Mittwoch oder Donnerstag dieser Woche – je nachdem, wann der Mond nach Ende des Neumondes gesichtet wird. Im Türkischen wird das Fest „Zuckerfest“ genannt.

Aus dem Präsidentenpalast in Kabul hieß es dazu, Präsident Ashraf Ghani habe die Sicherheitskräfte dazu angewiesen, die Waffenruhe zu achten. Ghani forderte die Taliban auf, eine dauerhafte Feuerpause einzugehen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die seit September laufenden Friedensgespräche treten auf der Stelle. Die Islamisten wollen erst an Initiativen zur Beschleunigung des Friedensprozesses teilnehmen, wenn alle US- und NATO-Truppen aus dem Land sind.

Angesichts der angespannten Sicherheitslage und zahlreichen getöteten Zivilisten und Sicherheitskräfte in den vergangenen Tagen lösten die Islamisten mit der Ankündigung allerdings nicht nur Freude aus. Wie könne man eine Feuerpause feiern, wenn Tausende Familien trauerten, fragte die ehemalige Bergbau-Ministerin Nargis Nehan auf Twitter. Die Ex-Vizehandelsministerin Mukadessa Jurish schrieb, die Taliban müssten wissen, „dass sie uns mit drei Tagen Waffenruhe keinen Gefallen gewähren, wenn unsere Seelen und Herzen in Flammen stehen“.

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Die Attentate sind die bisher letzten in einer ganzen Reihe, die den Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan begleiten. In dem Land werden Anschläge nicht nur den radikal-islamischen Taliban, sondern auch der IS-Miliz zugeschrieben. Zu den jüngsten Anschlägen hat sich noch niemand bekannt.

Die militant-islamistischen Taliban haben auf Straßen im ganzen Land Sprengsätze ausgelegt, um Bewegungen der Sicherheitskräfte zu verhindern oder langsamer zu machen. Manche werden gezündet, wenn Polizei- oder Armeefahrzeuge über die Stellen fahren. Sehr oft aber auch detonieren sie, wenn Zivilisten die Stellen passieren.

Die Gewalt im Bürgerkriegsland hat jüngst deutlich zugenommen. Am Samstag waren mindestens 68 Menschen bei einem Anschlag auf eine Schule in Kabul ums Leben gekommen. Die Taliban haben Vorwürfe der Regierung zurückgewiesen, dafür verantwortlich zu sein. In mehreren Landesteilen kämpfen Taliban gegen die Armee und haben einige Gebietsgewinne erzielt.

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