Tanz der Opfer

Ballettabend „Le Sacre“: Erste Zusammenarbeit von Mei Hong Lin und Markus Poschner

V.l.: Shang-Jen Yuan, Pedro Tayette, Safira Santana Sacramento
V.l.: Shang-Jen Yuan, Pedro Tayette, Safira Santana Sacramento © Sakher Almonem

Intensiv laufen gerade die Vorbereitungen für eine Ballettaufführung der Extraklasse am Linzer Musiktheater: Für den Abend, der unter dem Titel „Le sacre“ Igor Strawinskys revolutionäres Tanztheater „Le sacre du printemps“ aus 1913 und „Metamorphosen“ von Richard Strauss, entstanden 1944, eint, arbeiten erstmals Tanzdirektorin Mei Hong Lin und Bruckner Orchester-Chef Markus Poschner zusammen.

Und noch ein erstes Mal gibt es: „Wir spielen ,Le sacre du printemps’ in Originalfassung und Originalbesetzung mit 100 Musikern, üblich sind reduzierte Fassungen. Das ist nicht nur klanglich, sondern auch quantitativ ein Ereignis“, erklärt Poschner zu seiner ersten Ballettpremiere in Linz, die am 26. Oktober (19.30 Uhr) im Großen Saal über die Bühne gehen wird.

Die thematische Klammer, die die beiden Werke zusammenhält, bildet das Thema Opfer. Mei Hong Lin erzählt ihre eigenen Geschichten: Das ist in „Metamorphosen“ die einer jungen Liebe, die fast schon im Keim erstickt wird. Das Werk spielt zur Zeit der deutschen Besatzung in Frankreich im Zweiten Weltkrieg. „Ich dachte dabei auch an Hongkong oder Syrien, wo Menschen unterdrückt und Opfer eines Krieges werden und an Situationen, in denen nicht einmal Liebe erlaubt ist“, beschreibt die Choreografin ihren zeitlos gültigen Ansatz.

In ihrer Version von „Le sacre du printemps“ soll sich der junge Adam, der das Konzentrationslager überlebt hat, nach dem Krieg in einem Sanatorium erholen. Ihn plagen Schuldgefühle, die quälende Frage, warum er überlebt hat und seine Familie nicht. Als er einem ebenfalls traumatisierten Kind begegnet, opfert er sich auf, damit der Knabe Heilung erfahren kann.

Als „zerfallenen Ort“ schildert Dirk Hofacker sein Bühnenbild, das ein ausgedorrter Boden und Elemente wie ein zerschossener Baum prägen. Die Kostüme seien in Anlehnung an die 1940er-Jahre gestaltet.

Markus Poschner verspricht einen „emotional intensiven, berührenden Abend“ mit „Endzeitszenarien, die am Ende auch einen Schimmer Hoffnung in sich tragen“. Für ihn sei die Zusammenarbeit mit Mei Hong Lin eine „Ehre und ein Geschenk“. „Wie Poschner dirigiert, ist fast wie Tanzen“, erklärt die Tanzdirektorin ihrerseits die wechselseitig gute Kommunikation. Man darf auf den ersten „gemeinsamen Tanz“ der beiden Musiktheater-Lieblinge gespannt sein. mel

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