TanzTage: Iris Heitzingers Kaleidoskop im Linzer Posthof

Tänzerisches Beziehungsgerangel zu dritt
Tänzerisches Beziehungsgerangel zu dritt © grox

Von Christian Pichler

Stille, ein Klang, wieder Stille. Minutenlang, eine Tänzerin von der Seite. Stört das Ritual nicht, fügt sich mit weichen Bewegungen ein. Das „Ritual“? Die Wörter, die Zeichen lässt Iris Heitzinger in der Tanzperformance „Kaleidoskop“ bewusst im Unklaren. Annäherung, „Kommunikation“, wenn ein Tänzer hinzukommt. Eine weitere Tänzerin, die anfänglich lyrische Stimmung kippt in Aggressiveres. Ein Beziehungsgerangel zu dritt, gut möglich. Das Publikum schaut zu. „Publikum“. Was ist seine Rolle? Die Tänzerinnen becircen ungelenk die Besucher, eine schnappt sich ein Programmheft, liest laut und unverständlich vor.

Die Akteure kosten ihre Freiräume aus

TanzTage-„Labor“ am Donnerstag im Linzer Posthof, die Linzer Choreografin Heitzinger hat Gäste eingeladen. Natalia Jiménez aus Sevilla und Dante Murillo aus Kolumbien ihre Tanzpartner, die katalanische Pianistin Jordina Millà bespielt ihr Instrument mehrfach. Wechselt zwischen Tasten und Saiten, melodiös und atonal. Teile der einstündigen Performance sind improvisiert, die Akteure kosten Freiräume aus. Parodistische Elemente, der Mensch zwischen organischem Wesen und mechanischer Puppe. Tänzer als Skulpturen, ihre Gesten, die Hände, immer wieder geraten die Zeichen durcheinander. Heitzinger hinterfragt, verrückt vermeintlich Vereinbartes. Am Ende auch die Rolle der Pianistin in Frage gestellt. Belagert von den Tänzern, entsteht fließendes Klavierspiel. Das hatte Witz und bot schlichte schöne Momente. Sehr gelungene, frei atmende Darbietung.

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