Tattoos mit Nebenwirkungen

Rund ein Viertel der Österreicher ist tätowiert beziehungsweise trägt Permanent Make-up. Die Tendenz ist steigend. Doch der „Haut-Schmuck“ ist mit Risken verbunden. Nicht zuletzt deshalb hat die EU heuer mehr als 4000 gefährliche Stoffe, die in Tattoo-Farben enthalten waren, verboten. Auch beim Entfernen mittels Laser gelangen die Giftstoffe in den Blutkreislauf.

Der Klassiker: Schwer Verliebte wollen ihre Angebeteten am eigenen Körper mit einer Tätowierung ihres Namens verewigen. Doch die Liebe hält zuweilen nicht ewig – das Tattoo aber schon. „Ich habe schon vor Jahrzehnten darauf aufmerksam gemacht, dass man später nicht mehr Lehrling, sondern vielleicht Bankdirektor sein könnte. Jedoch mit einem deutlich sichtbaren Tattoo ist dieser Karriereweg oftmals selbstverschuldet verbaut“, weiß der Linzer Dermatologe, Johannes Neuhofer, Fachgruppenvertreter der Haut- und Geschlechtskrankheiten in der oö. Ärztekammer.

Zudem kommen stichhaltige Gefahren dazu. Man muss sich das so vorstellen: In Lacken und Farben mit denen man Autos besprüht, sind oftmals Schwermetalle enthalten. Und so etwas sticht man sich in die Haut. „Nur die Haut ist kein reaktionsarmes Blech“, erläutert Neuhofer: „Wenn das Tattoo auch noch auf breiter Fläche dicht eingebracht wird, steigt das gesundheitliche Risiko an.“

Aus genau diesem Grund hat die Europäische Union zu Jahresbeginn per Verordnung insgesamt 4000 gefährliche Stoffe verboten, die davor in Tattoo-Farben aber auch im Permanent Make-Up enthalten waren: Wie etwa Azofarbstoffe, karzinogene aromatische Amine, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Metalle und Methanol.

Wer sich also jetzt tätowieren lässt, sollte unbedingt darauf achten, dass das Tattoo-Studio keine verbotenen Farben verwendet, in denen diese ausgeschlossenen Substanzen enthalten sein könnten. „Wenn auch durch den Wegfall dieser Substanzen die Tattoos an Glanz verlieren, so ist die Gesundheit doch wichtiger als ein farbenprächtiges Bildchen am Bauch“, meint Neuhofer.

Laser setzt das in der Farbe enthaltene Gift frei

Schlechte Nachrichten auch für die, die ihr altes sogenanntes „Peckerl“ wieder loswerden wollen. Es gibt zwar moderne Geräte, wie etwa den „Pico Laser“, die nun auch blassere Farben (Gelb, Rosa, etc.) entfernen können. Aber ein Problem ist nicht gelöst. „Der Laser sprengt bei der Tattoo-Entfernung die Pigmentbatzen in der Haut und setzt dadurch das in der Farbe enthaltene Gift frei. Dann werden die fein versprengten Toxine über die Lymphgefäße der Haut in den Blutkreislauf gespült und damit über den ganzen Körper verteilt“, sagt Neuhofer.

Man erkennt die Gefahr nicht sogleich. Da sich die Schäden nicht sofort zeigen, sondern langsam und schleichend entfalten. Vorsicht ist jedenfalls bei der Farbinjektion im Urlaub geboten: In manchen Ländern wird auf die Hygienebestimmungen nicht hinreichend geachtet. Und dadurch besteht die Gefahr, dass etwa Viren mit dem Tattoo eingebracht werden – die etwa Hepatitis auslösen können.

Sehr häufig treten durch Tattoos auch Allergien auf. „Fallweise kann ein Tattoo auch immunologische Reaktionen auslösen, sodass die Haut reliefartig hervortritt. Das ist selbst durch starke Cortison-Therapie nur schwer zu verbessern“, weiß Neuhofer.

Ein Tipp an Eltern: „Versuchen Sie nicht Ihrem Kind, das auf ein Tattoo beharrt, mit erhobenem Zeigefinger entgegenzutreten. Machen Sie Ihr Kind ganz sachlich auf die Gefahren aufmerksam.“

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