45-Jähriger nach Brandanschlägen in Graz festgenommen

Ein 45-jähriger, in Graz-Umgebung wohnhafter Iraker ist am Mittwoch nach vier Brandanschlägen auf öffentliche Einrichtungen in Graz festgenommen worden. Der Mann wurde unmittelbar nach dem vierten Anschlag am Grazer Hauptbahnhof aufgegriffen. Das genaue Motiv ist noch nicht bekannt, Ermittler gehen aber davon aus, dass es “im privaten Bereich” liegt, teilte die Polizei mit.

Der Mann soll am Vormittag in vier Gebäuden – Rathaus, Bezirksgericht Graz-West, Bezirkshauptmannschaft Graz-Umgebung und am Bahnhof – Feuer entfacht haben. Kurz vor 10.30 Uhr schlug er im Bezirksgericht zu, kurz nach 10.45 Uhr im Rathaus. Gegen 11.10 Uhr entzündete er im vierten Stock der Bezirkshauptmannschaft ein Feuer und keine zehn Minuten später in der Kassenhalle des Hauptbahnhofs.

Der 45-Jährige brachte an allen Tatorten brandbeschleunigende Flüssigkeiten aus und entzündete sie. Die Höhe des Sachschadens steht noch nicht fest. Verletzt wurde niemand. “Bisherigen Erkenntnissen zufolge kann von einer Einzeltäterschaft ausgegangen werden. Der 45-Jährige befindet sich in Haft”, teilte die Landespolizeidirektion Steiermark am Nachmittag mit. Die Festnahme erfolgte gegen 11.15 Uhr in der Bahnhofhalle.

Wie die ÖBB via Twitter bekanntgaben, hat sich eine Security-Mitarbeiterin beim Festhalten des Täters eine leichte Handverletzung zugezogen. Außerdem bleibt das Reisezentrum im Grazer Hauptbahnhof bis auf weiteres geschlossen. Tickets können an den Ticketautomaten, in der ÖBB Lounge oder im Zug (ohne Zuschlag) gekauft werden, twitterten die ÖBB.

Christian Köberl, Pressesprecher des Grazer Bürgermeisters Siegfried Nagl (ÖVP), hat den Brandanschlag im Rathaus miterlebt. Der Verdächtige dürfte dort gegen 10.45 Uhr in einer Ecke im Gang zum Bürgermeisteramt, direkt an Holztüren, ein Feuer entzündet haben. “Mitarbeiter haben es auf der Videoüberwachung gesehen und Alarm geschlagen”, sagte er zur APA. Dann haben sie erste Löschmaßnahmen gesetzt.

Binnen kürzester Zeit habe sich eine massive Rauchentwicklung eingestellt: “Man sah keinen halben Meter weit”, sagte Köberl weiter. Die Einsatzkräfte seien wenig später da gewesen. Der Bürgermeister, der zum Zeitpunkt des Feuers nicht im Büro war, teilte mit, dass nach diesem Vorfall ein Schleusensystem als Sicherheitsmaßnahme geprüft werde.

Elisabeth Dieber, Sprecherin des Oberlandesgerichts Graz, hat im Namen der Kollegen vom Bezirksgericht Graz-West die Vorfälle der APA geschildert: Ein zunächst unbekannter Mann sei in das Foyer des Gerichts gekommen und habe eine brennbare Flüssigkeit am Boden versprüht. Dann setzte er diese in Brand, sagte sie. Unmittelbar danach flüchtete der Täter. Die “Stichflamme” soll bis in den ersten Stock gereicht haben. Laut Dieber entstand im Bezirksgericht Graz-West nur Sach- und kein Personenschaden. Der Täter hatte die Flüssigkeit im Foyer und somit noch vor der Sicherheitsschleuse in Brand gesetzt.

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