Tausende Mitarbeiter für Ernte, Agrarproduktion gesucht

Während die Zahl der arbeitslos Gemeldeten steigt, werden 5.000 Erntehelfer und Tausende Mitarbeiter in der Lebensmittelindustrie gesucht. Wie Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Freitag erklärte, werden etwa 9.000 Mitarbeiter in der Fleischverarbeitung gebraucht. Zur Vermittlung von Arbeitskräften wurde die Plattform “Die Lebensmittelhelfer” eingerichtet.

Der Bedarf an Arbeitskräften steige permanent, da durch die Grenzschließungen oder aus Angst vor Ansteckungen viele Arbeitnehmer aus den osteuropäischen Nachbarländern nicht mehr zur Verfügung stünden. Aber mit dem fortschreitenden Frühling steige der Bedarf in der Landwirtschaft von Woche zu Woche. “Wir wollen nicht, dass die Ernte auf den Feldern verrottet”, warb Köstinger um viele Erntehelfer.

Auch Asylwerber können im Rahmen der Saisonkontingente als Erntehelfer arbeiten. Sie benötigen dafür eine Beschäftigungsbewilligung. Laut der für das Jahr 2020 geltenden Verordnung des – damaligen – Arbeits- und Sozialministeriums können maximal 3.165 Beschäftigungsbewilligungen für Ausländerinnen und Ausländer von Ländern außerhalb der EU im Bereich Land- und Forstwirtschaft erteilt werden. Darunter sind 119 Plätze für kurze, maximal sechswöchige Ernteeinsätze in der Landwirtschaft. Im Tourismus können laut der Verordnung maximal 1.263 ausländische Arbeitskräfte befristet arbeiten.

Dringend gesucht werden auch Fachpersonal aus der Gastronomie für die Fleischverarbeitung, Menschen mit Lkw-Führerschein, Helfer in der Verpackungsindustrie oder als Regalschlichter. Köstinger und Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) richteten einen Aufruf an alle, die jetzt etwa ihre Arbeit verloren haben aber auch an Studenten und Menschen in Ausbildung, soweit sie keine Betreuungspflichten für Kinder oder Ältere haben, sich zu melden.

Wer in die Erntehilfe geht, wird dann nach Kollektivvertrag entlohnt, die Bezahlung kommt aber nicht aus dem 38-Milliarden-Hilfspaket. Die Regierung helfe nur bei der Vermittlung der Interessierten, um Anreise, Bezahlung und Quartier kümmern sich die Unternehmen.

Aschbacher wies darauf hin, dass sich über das Arbeitsmarktservice bereits 18.000 Unternehmen über die Möglichkeiten zur Kurzarbeit informiert hätten, ab heute sind Anträge möglich. Das AMS habe die mit Kurzarbeit befasste Einheit bereits von 40 auf 600 Mitarbeiter aufgestockt. Das Geld an die Unternehmen werde ab 1. April so rasch wie möglich fließen.

Die Arbeitsministerin erinnerte daran, dass – bis zur Höchstbemessungsgrundlage – allen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen der Ersatz von mindestens 80 Prozent des Nettoeinkommens garantiert werde. Wer etwa derzeit 2.000 Euro brutto verdiene, komme bisher auf 1.500 netto und werde im Kurzarbeitsmodell 1.275 Euro netto erhalten. Unternehmen müssten nur zahlen, was die Mitarbeiter tatsächlich leisten.

Das Ministerium stelle auf der Homepage ein Musterformular und einen “Kurzarbeitsrechner” zur Verfügung. Mit diesem können sich Unternehmen ausrechnen, wie viel Unterstützung sie erhalten. Beide Ministerinnen betonten mehrfach, “Kurzarbeit statt Kündigung” müsse die Devise sein.

“Wir werden niemanden zurücklassen.” Das sagte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien. Bereits kommende Woche soll es einen Härtefonds in Höhe von einer Milliarde Euro für stark betroffene Einpersonen- und Kleinunternehmen geben. Die Regierung werde “alles, was es braucht” zur Verfügung stellen, um “dramatische wirtschaftliche und soziale” Einschläge zu verhindern.

Auch Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) wies auf die nun anlaufenden Hilfen im Wirtschafts- und Arbeitsmarktbereich hin. “Es gibt Menschen, die Angst haben um ihren Job. Wir setzen daher den Corona-Härtefonds auf”, dieser werde Kleinstunternehmen wie auch Einzelunternehmen (EPU) unterstützen, verwies sie auf die bereits auf Schiene befindliche Maßnahme. Der eine Milliarde Euro schwere Fonds soll “schnelle und unbürokratische Sofort-Auszahlungen” garantieren. Start für den Fonds soll nächste Woche sein, sagte auch sie.

Grundsätzlich angekündigt hatte Schramböck die Maßnahme bereits Anfang der Woche. Für Betroffene soll es Bargeld auf die Hand geben, das nicht zurückgezahlt werden muss. Es sei eine Unterstützung vom Staat, um das Überleben zu sichern, sagte sie damals. Die Hilfe sei für jene gedacht, bei denen Steuerstundungen, Garantien und Kurzarbeit nicht greifen.

Die genauen Richtlinien für den Härtefonds sollen noch diese Tage im Parlament behandelt werden. Kogler konkretisierte, dass es bereits “im ersten Monat eine Auszahlungstranche geben wird”. Der Härtefonds ist Teil des bis zu 38 Milliarden großes Hilfspaket, das die Regierung am Mittwoch verkündet hatte.

“Ich denke, es wird ein Marathon”, sagte Kogler zur Corona-Krise. Zunächst werde man aber “einen Sprint hinlegen müssen, gerade im ökonomischen Bereich”. “Wir werden die ersten Maßnahmen relativ rasch ausrollen, damit niemand ohne Einkommen dasteht, der es sofort braucht”, versprach Kogler. “Wichtig ist, dass wir die Hoffnung nicht verlieren. Bleiben wir mutig”, forderte der Vizekanzler.

Wie ist Ihre Meinung?