Tauziehen um Auslieferung im Fall Seisenbacher

Justizminister will jede rechtliche Möglichkeit zur Überstellung von Doppelolympiasieger aus der Ukraine nach Österreich nutzen

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WIEN/KIEW – Nachdem der Ex-Judoka Peter Seisenbacher (57) in der Vorwoche in Kiew aus der Auslieferungshaft entlassen wurde, hat das Justizministerium nun dem ukrainischen Ministerium eine dringende Anfrage übermittelt. Darin wird unter anderem um eine Erklärung ersucht, warum der Doppelolympiasieger – für ihn gilt die Unschuldsvermutung – enthaftet wurde. Justizminister Wolfgang Brandstetter will jedenfalls jede rechtliche Möglichkeit zur Auslieferung nutzten.

Laut Sektionschef Christian Pilnacek wurde in dem Schreiben auch angeboten, ergänzende Informationen zu rechtlichen Fragen, insbesondere zur Verjährung und zu in Österreich gesetzten verjährungshemmenden Maßnahmen zur Verfügung zu stellen. Weiters wurde angefragt, welche Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden, um eine Flucht Seisenbachers zu verhindern, ebenso, wie der aktuelle Stand des Verfahrens sei. „Wir gehen immer noch davon aus, dass unser Auslieferungsbegehren seine Berechtigung hat“, sagte Pilnacek am Mittwoch dem ORF-Radio.

Fahndung läuft

Die Fahndung nach dem 57-Jährigen bleibt vorerst aufrecht. Sollte Seisenbacher nämlich die Grenzen der Ukraine überschreiten, wäre er sofort zu verhaften. Dem Ex-Judoka wird schwerer sexueller Missbrauch von Unmündigen vorgeworfen. Der Prozess gegen ihn hätte am 19. Dezember 2016 starten sollen, diesem entzog sich Seisenbacher durch Flucht.