Technostress macht krank

Streikende Rechner und Informationsüberlastung machen auf Dauer krank. Überbeanspruchung der Mitarbeiter bis hin zu Produktivitätsrückgängen sind bekannt. Im Herbst soll eine weitere Studie starten, die den Stress in einem IT- und einem Gesundheitsunternehmen vergleicht.

Streikende Rechner und Informationsüberlastung machen auf Dauer krank. Als Folge kommt es zu Produktivitätsrückgängen ergaben mehrere Studien einer oö. Forschungsgruppe rund um Prof. René Riedl. Forscher der FH OÖ sowie der Kepleruni Linz und des Kepler Uniklinikums haben dies herausgefunden. Darauf aufbauend wird an der FH OÖ die Frage untersucht, wie und warum Technostress in Unternehmen entsteht und wie Arbeitnehmer damit umgehen. Untersucht wird auch wie unternehmensweit eingesetzte IT-Systeme stress-sensitiv auf die Überlastung von Mitarbeitern reagieren können.
„Unternehmen, die dem Technostress den Kampf ansagen, können die Vorteile der Digitalisierung besser nutzen. Das macht sie wettbewerbsfähiger“, ist Studienleiter Riedl, Professor für Digital Business & Innovation an der FH Oberösterreich, überzeugt.
Die Firmen, in denen das Phänomen „Technostress“ im Rahmen des FWF-Projekts untersucht wird, sollen noch im Herbst feststehen, das Projekt startet dann im Jänner 2019. „Wir untersuchen direkt in Unternehmen das Phänomen und die Faktoren, die zu Technostress führen und setzen dabei auf einen Methodenmix aus Psychologie, Neurobiologie und Medizin. Neben Interviews und Befragungen werden wir Messungen körperlicher Stresssymptome wie Herzfrequenz, Herzratenvariabilität, Blutdruck und Stresssubtanzen wie Kortisol und Alpha-Amylase evaluieren“, erklärt Riedl. Verglichen wird ein Unternehmen mit hoher IT-Durchdringung (Software-Entwickler) und eines mit niedriger (Gesundheitsbereich). Die Fallstudien werden über einen Zeitraum von 1,5 Jahren durchgeführt, untersucht werden dabei Mitarbeiter verschiedener Abteilungen.

Mehr Bewusstsein und Gegenmaßnahmen

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„Aus den Beobachtungen lassen sich Bewältigungsstrategien ableiten, die sowohl auf Individual- als auch auf Organisationsebene wirksam sein können. Außerdem forschen wir daran, wie unternehmensweit eingesetzte Infosysteme (z. B. in der Auftragsabwicklung) stress-sensitiv werden können, um Mitarbeiter nicht zu überlasten“, sagt Riedl. Erste Untersuchungen haben gezeigt, dass sich IT-Abteilungen mit der Problematik weniger auseinandersetzen wollen. Weiter zeigen die Befunde der Feldforschung, dass es möglich ist, wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln und in der Organisation umzusetzen. Es können Maßnahmen gesetzt werden, die die Zuverlässigkeit und Sicherheit der IT-Informationsinfrastruktur gewährleisten, als auch organisatorische – wie Pausenregelungen für User bzw. dass Vorgesetzte mit ihren Mitarbeitern die Erwartungen hinsichtlich E-Mail-Antwortverhalten abklären.

Langfristig erwarten die Forscher durch Technostress enorme negative Gesundheitsfolgen für die Gesellschaft, Unternehmen verlieren an Leistungsvermögen und Produktivität. Fazit: Digitalisierungsbemühungen werden ohne Berücksichtigung möglicher negativer Konsequenzen nicht erfolgreich sein, da wir hinsichtlich Menge und Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung einen Punkt erreicht haben, der den menschlichen Informationsaufnahme- und -verarbeitungskapazitäten zuwiderläuft“, resümiert Riedl.