Teile für Damen und Herren

Kleidung, die Frauen und Männer tragen können, zeitlose Teile in minimalistischen Schnitten und reduzierten Farben. Der Linzer Peter Fellner ist zwar erst 20 Jahre alt, hat aber schon vier eigene Kollektionen entworfen und genäht und arbeitet demnächst für Sänger Cro.

316

Text: Melanie Wagenhofer

„Meine Kleider sind zurzeit extrem minimalistisch und auf den Schnitt fokussiert. Ich versuche, überall auch etwas Dekonstruktives hineinzubringen“, beschreibt Fellner seine Entwürfe. Und fast alle Teile sind unisex. Der junge Designer fügt sich damit nahtlos in die sogenannte Genderless-Bewegung in der Mode — geschlechtsneutrale Kleidung, die vor allem von jungen Leuten gern getragen wird. „Das sind Kleider mit Silhouetten, an denen man nicht unbedingt etwas vom Körper erkennen kann“, erklärt Fellner. Vier Kollektionen hat der junge Designer schon entworfen und genäht: „Ich stecke von vorn bis hinten drin.“ Jede der Kollektionen, die er mit fortlaufenden Nummern und Buchstaben versieht, besteht aus mindestens zwanzig Teilen, alles Einzelstücke. Die aktuelle heißt 04P, das P steht für die Trendfarbe Purple, von der sie dominiert wird. Auch ein Parfum hat Fellner schon kreiert.

Sein nächster Auftrag kommt von Sänger Cro

Vor kurzem hat ihn Sänger Cro eingeladen, bei ihm in Stuttgart vorbeizukommen. „Er hat meine Sachen gesehen und sie gefielen ihm“, erzählt Fellner, der sich gleich in den Zug gesetzt hat und hingefahren ist, ohne zu wissen, was da eigentlich genau auf ihn zukommt. Mit Erfolg, die Zusammenarbeit ist beschlossen, demnächst sollen die Details präsentiert werden. Man muss flexibel sein, wenn man etwas erreichen will. Und die Sache selbst in die Hand nehmen.
Social Media & Co können da sehr hilfreich sein, vor allem die Plattform Instagram ist eine wertvolle Visitenkarte für den Jungdesigner. Auf die stellt Peter Fellner professionelle Bilder von Models, die seine Mode präsentieren: „Ich bemühe mich auch darum, dass Influencer meine Sachen tragen.“ Die österreichische Designerin Marina Hoermanseder hat ihn, nachdem sie seine Sachen gesehen hat, zu einer ihrer Shows eingeladen. Und der deutsche Modemacher Marcel Ostertag hat ihm nach einem Gespräch letztes Jahr gleich die Chance gegeben, bei ihm anzufangen. An modernsten Geräten arbeitet er bei Ostertag an Schnitten und ist vor Großereignissen wie der New York Fashion Week auch einmal sieben Tage die Woche am Arbeiten an edlen Designerteilen. Auf Modenschauen kommt er als Dresser zum Einsatz, hilft Models beim An- und Umziehen.

Erste Arbeiten auf Omas Nähmäschine

Für ihn sei immer klar gewesen, dass er hinaus müsse aus Linz, wenn er als Modemacher irgendwann einmal etwas erreichen wolle, sagt Fellner. Deshalb ist er bereitwillig nach München gezogen, nachdem ihn Ostertag für ein Jahr verpflichtet hat. Demnächst geht er mit seinem Chef nach Berlin. Und träumt davon, irgendwann einmal in Paris leben und arbeiten zu können. „Am liebsten für Martin Margiela, ein Label, das für Understatement und Extravaganz steht.“ Man müsse etwas vorweisen können und dafür auch 24 Stunden sieben Tage die Woche verfügbar sein. „Wenn ich mich irgendwann hochgearbeitet habe, mir einen Namen in der Branche gemacht habe, dann möchte ich auch mit eigenen Sachen erfolgreich sein.“
Angefangen hat Peter Fellner mit Mode im Alter von zwölf, 13 Jahren. Er habe immer schon gern gezeichnet und gemalt und damals begonnen, Entwürfe zu zeichnen, T-Shirts umzugestalten und die ersten Teile zuerst mit der Hand und dann mit Omas Nähmaschine zu nähen. „Die waren ziemlich bunt und musterlastig. Ich habe sie selber getragen oder Freunde von mir.“ Kein Wunder, dass er sich dann für die Linzer Modeschule, die HBLA Lentia, entschied. Dort war er der einzige Bub in der Klasse. „Damals gab es vielleicht eine Handvoll Burschen an der Schule, jetzt werden es mehr.“ Neben der Schule entstand seine erste Kollektion, Fellner entwickelte sein Logo. „Wir haben mit Fotoshootings begonnen und ich habe die ersten Teile im Rahmen der Modezone verkauft, wo wir mit der Schule waren.“ Fellner fing an, seine Kleider übers Internet zu verkaufen. Unter seinem außerschulischen Engagement habe sein Interesse an der Schule manchmal gelitten, gibt er schmunzelnd zu. Heute weiß er das, was er dort gelernt hat, sehr zu schätzen: „Die Schule ist eine gute Option, wenn man wirklich an Mode interessiert ist und das Handwerk von der Pike auf lernen möchte.“ Schon während der Schulzeit knüpfte er wertvolle Kontakte, entpuppte sich als geschickter Netzwerker. Das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit einem Linzer Pelzatelier war, dass Fellner als 17-Jähriger einen Jungdesignerpreis gewann. Gemeinsam mit seinem besten Freund Benjamin Klammer betreibt Fellner Mesh studio, einen Blog über Mode, Design und Kunst, den er selbst als Trendrecherche-Kooperation bezeichnet und für den die beiden Mode und Grafikdesign kombinieren.
Nach und nach seien seine Entwürfe fortschrittlicher geworden und mehr auf den Schnitt fokussiert. „Meine Ideen kommen, wenn ich an etwas arbeite“, sagt Fellner. Das Material dafür, die Stoffe, kauft er auf Messen oder fährt dafür auch einmal nach Mailand, wo er „ein süßes, kleines Stoffgeschäft“ entdeckt habe. Stoffe mit Charakter sollen es sein, Fellner arbeitet auch gern mit neuen hochtechnologischen Materialien. „Es gibt jetzt eine Art Gummi, der aussieht wie Wolle oder neuartige Kombinationen, die auf einer Seite Neopren und auf der anderen Seite aus Wollkrepp bestehen.“ Wichtig sei ihm dabei stets, dass seine Kleider bequem und pflegeleicht sind. Und was trägt der junge Designer selber? Eigene Teile, ja natürlich, aber auch Kleider, die er auf dem Flohmarkt gefunden hat oder Designerteile. „Ein Outfit ist erst gelungen, wenn es eine Komposition aus ein paar Kategorien ist, von Flohmarkt bis High Class“, sagt Fellner.
Bei seiner letzten Präsentation in Linz war auch der Linzer Designer Gottfried Birklbauer anwesend und hat Peter Fellner für seine Arbeit gelobt. Ganz vorne mit dabei war auch seine Mama, die ihn in allem, was er tut, immer unterstützt. Nach Hause schafft er es derzeit sonst nicht so oft, vielleicht einmal im Monat. „Ich habe hier auch Freunde, auf die ich mich verlassen kann, die nichts mit Mode zu tun haben…“
www.peterfellner.com