Tele-Therapie für die Kleinen

Die in der Not während der Corona-bedingten Beschränkungen geborene Tele-Therapie will Physiotherapeutin Petra Schreiberhuber vom Ambulatorium der Caritas in St. Isidor in Leonding auch künftig unterstützend weiter einsetzen. Als Therapeutin bekomme ich damit einen tatsächlichen Einblick in Alltagssituationen und sehe genau, wo die Probleme liegen, schildert sie.

Petra Schreiberhuber mit Bobath-Puppe entwickelte für ihre kleinen Patienten eine Physiotherapie auf Abstand. © Caritas

In Zeiten von Abstand-Halten ist Physiotherapeutin Petra Schreiberhuber vom Ambulatorium der Caritas in St. Isidor in Leonding trotzdem nah bei „ihren“ Kindern mit Beeinträchtigungen.

Sie hat im Home-Office die „Tele-Therapie“ etabliert, um Eltern und Kinder weiterhin therapeutisch begleiten zu können. Anfangs als „Notlösung“ ins Leben gerufen, entfaltete diese nach kurzer Zeit ein ungeahntes Potenzial und soll auch in der Zeit nach Corona als erweitertes Angebot zur Verfügung stehen.

Die meisten der kleinen und größeren Klienten Schreiberhubers zählen zur Gruppe der Hochrisiko-Patienten. Es sind Kinder, die mit einem Gerät beatmet werden müssen, Kinder mit Herzschrittmachern, mit schweren Muskelerkrankungen und anderen Bewegungsstörungen sowie viele mehr, die auf regelmäßige Therapien bei ihr angewiesen sind.

„Nach den ersten Tagen im Home-Office – für eine Physiotherapeutin ein schwierig zu definierender Begriff – ließ die Schockstarre nach. Ich kam innerlich stark unter Druck, wie denn die so notwendige therapeutische Betreuung Kinder und Eltern, die regelmäßig zu mir ins Ambulatorium zur Bobath-Therapie kommen, weitergehen kann“, erzählt die Physiotherapeutin. Dann kam sie auf die Idee mit dem Video-Chat.

Intensiver zuhören und zuschauen

Für sie war es anfangs eine Umstellung, weil sie am Bildschirm viel intensiver als sonst zuhören und zuschauen musste, um dann jeden einzelnen Griff und Schritt verbal anleiten zu können. Doch schnell entfaltete die Tele-Therapie aufgrund der zeitlichen und örtlichen Flexibilität ihre Vorzüge. „Als Therapeutin bekomme ich einen tatsächlichen Einblick in Alltagssituationen und sehe genau, wo die Probleme liegen, kann mir von den Kindern oder Eltern zeigen lassen, was schwierig ist, wo sie Hilfe oder Veränderungen brauchen. So kann ich ganz gezielt Hilfestellungen anbieten und die Effizienz sofort überprüfen.“

Zwei Mütter luden die Caritas-Mitarbeiterin beispielsweise zum Baden ein, um aufzuzeigen, wie schwierig sich die Situation immer gestaltet. „Wir konnten gute Lösungen für den Alltag finden. Und Spaß hat’s auch gemacht, mit den Kindern zu planschen“, erzählt Schreiberhuber.

Nach ihrem Vorbild startete auch Kollegin und Logopädin Karin Bodingbauer vom Ambulatorium St. Isidor in ihr unbekanntes Terrain: Ihre Therapie-Kinder freuen sich über die Abwechslung im Alltag.

Einem sechs Monate alten Frühchen und seinen Eltern konnten sie sogar die Überweisung ins Krankenhaus ersparen: „Aufgrund von sensorischer Überempfindlichkeit war der Säugling nur mehr im Halbschlaf zu ernähren, weil er schon beim Anblick der Flasche zu weinen begann. Durch die tägliche Anleitung nahm er nach nur einer Woche im wachen Zustand die Nahrung mit dem Löffel ein.“

Der Erfolg hing maßgeblich mit der Video-Telefonie zusammen, weil der Therapie-Zeitpunkt an die Hungersituation des Kindes angepasst werden konnte. „Eine tele-therapeutische logopädische Therapie ist nicht bei allen Kindern möglich, eine Elternberatung und -anleitung aber fast immer“, sind mittlerweile ihre Erfahrungen.

„Viele unserer Kinder zählen zu den Risikogruppen. Wir sind froh, wenn wir sie, ihre Familien und uns auf diesem Weg schützen können“, sagen die Therapeutinnen.

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