Föttinger verlängert an der Josefstadt bis 2026

Herbert Föttinger bleibt bis 2026 Direktor des Theaters in der Josefstadt. Das wurde Mittwoch im Rahmen der Spielzeitpressekonferenz bekannt gegeben. Föttinger sagte, er wolle das Profil des Hauses weiter schärfen und seinen Weg, das Theater zu einem „modernen, zeitgemäßen Haus der lebenden Autoren“ zu machen, fortführen. Als neues Projekt stellte er eine dritte Bühne vor.

Die sogenannte „Josefstadt-Box“ soll in den kommenden Jahren „hier im Haus“ realisiert werden, und zwar an der Stelle des derzeitigen Abo-Büros. Der Raum soll Platz für 49 Zuschauer bieten und es dem Theater in der Josefstadt ermöglichen, „jungen Regisseuren einen Ort zu bieten, wo sie auch mal in Ruhe etwas ausprobieren können“, so Föttinger im Rahmen der Spielzeitpressekonferenz. Im Zuge dessen werde auch der Kassenraum neu gestaltet und das Abo-Büro in Räumlichkeiten in den oberen Stockwerken des Hauses verlegt. Was die Kosten betrifft, könne man noch keine genauen Zahlen nennen. „Es wird aber sicher mehr als die 1,5 Mio. Euro, die die Renovierung der Werkstätten gekostet hat“, hielt der Direktor fest. Die jüngst von der Stadt Wien und dem Bund gesicherte Subventionserhöhung werde jedenfalls nicht für das Bauvorhaben verwendet, diese Gelder dienen demnach ausschließlich der Deckung gestiegener Personalkosten.

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„Allein die Lohnanpassungen kosten uns pro Jahr zwischen 400.000 und 450.000 Euro“, konkretisierte Stiftungsvorstand Günter Rhomberg, der Föttinger im Zuge der Vertragsverlängerung bis 2026 Rosen streute. Föttinger habe das Haus seit seinem Antritt in der Saison 2006/07 zum „leistungsfähigsten Theater des Landes“ gemacht, was der Eigendeckungsgrad von 40 Prozent belege. Er sei zuversichtlich, mit Föttinger auch in Zukunft einen Partner zu haben, der neben dem künstlerischen stets auch den ökonomischen Aspekt im Auge behalte. Föttinger selbst freute sich, in den vergangenen Jahren ein „personenzentriertes Ensemble“ aufgebaut zu haben, das seit seinem Antritt von 24 auf 55 Schauspieler angewachsen sei. Sein Ziel sei es gewesen, das Theater zum „Haus der lebenden Autoren“ zu machen, was mit zahlreichen Uraufführungen in den vergangenen Jahren gelungen sei. Auch programmatisch sei ein „modernes, zeitgemäßes Haus, das sich dem 21. Jahrhundert annähert“ sein Wunsch, während er die Kammerspiele zu einem „urbanen Komödienhaus“ gemacht habe. „Es gibt kein Schwanktheater mehr“, meinte er in Richtung der Entwicklung im deutschen Sprachraum.

Die kommende Spielzeit steht ganz im Zeichen des laufenden Gedenkens an die Jahre 1918 und 1938, die Themen Heimat, Flucht und Fremdheit ziehen sich durch die Produktionen. Den Anfang macht morgen, Donnerstag, Kehlmanns „Die Reise der Verlorenen“. Das Stück basiert auf dem Buch „Voyage of the Damned“ von Gordon Thomas und Max Morgan-Witts, das 1976 von Stuart Rosenberg verfilmt wurde. Janusz Kica inszeniert das Stück, in dem es um die Flucht von 937 Juden im Jahr 1939 geht, mit 33 Schauspielern und 20 Statisten. Für Kehlmann war es dabei „eine Herausforderung, wie man diese Recherche auf die Bühne bringt“, wie er bei der Pressekonferenz sagte. Schließlich habe er sich dazu entschlossen, „mit der Form des Berichts zu spielen“ und Dokumentartheater mit gespielten Szenen abzuwechseln.

Morgan-Witts zeigte sich von Kehlmanns Textfassung „begeistert“, zumal die Verfilmung „nicht mein Ding war“, wie er erläuterte. Föttinger freute sich, dass das Stück nun mit Peter Turrinis „Fremdenzimmer“ eine „Dilogie“ zum Thema „Auf der Flucht“ ergebe. Am 6. Oktober, 24. November und 19. Jänner werden beide Stücke hintereinander gespielt, beide Vorstellungen können zum Preis von einer besucht werden. Darüber hinaus wartet das Theater mit weiteren Uraufführungen auf: Auf Kehlmann folgt am 13. September Daniel Glattauers „Vier Stern Stunden“ in den Kammerspielen, „Die Trottas“ von Elmar Goerden nach Joseph Roth haben Premiere am 16. Mai. David Schalkos „Toulouse“ (Premiere am 11. April in der Josefstadt) ist ebenfalls als Uraufführung angekündigt, allerdings annonciert das Staatstheater Wiesbaden die „Erstaufführung der Bühnenfassung“ des gleichnamigen Schalko-Fernsehfilms (ARD strahlt den Sturminger-Verfilmung am 12. September aus) bereits für den 2. Oktober.