Theatermuseum zeigt Fotoausstellung von Christine de Grancy

Die Ausstellung „Christine de Grancy – Sturm und Spiel. Theaterphotographie“, die ab Freitag (3. Juni) im Theatermuseum gezeigt wird, ist eine zweifache Huldigung. Einerseits steht natürlich die Kunst der Fotografin, die von 1979 bis 1992 am Burgtheater fotografiert und kürzlich ihren 80. Geburtstag gefeiert hat, im Mittelpunkt. „Unsere Ausstellung ist aber auch eine Referenz an die Ära Achim Benning und an sein wunderbares Ensemble“, sagte heute Kuratorin Mercedes Echerer.

Die neue Direktorin Marie-Theres Arnbom freute sich bei der Presseführung über „die erste Ausstellung unter meiner Ägide, wobei ich gar nichts dafür kann“. Die Schau war von ihrem Vorgänger Thomas Trabitsch eingefädelt worden. Sie passe hervorragend ins Theatermuseum, das alleine in der Fotosammlung über 1,6 Millionen Objekte verfüge. Noch befindet sich allerdings keine einzige Fotografie von Christine de Grancy darunter. Die rund 400 Fotos, die für die Ausstellung ausgesucht wurden, stammen allesamt aus dem riesigen Archiv der Fotografin, die sich noch keine Gedanken darüber gemacht hat, wo dereinst ihre Schätze landen werden.

„Ich lernte Christine de Grancy im Jahr 1979 kennen. Erika Pluhar brachte sie ins Theater. Wir probierten damals im Kasino am Schwarzenbergplatz die Sommergäste von Maxim Gorkij. Christine de Grancy kam fast täglich auf die Proben und begann eines Tages zu photographieren, nicht verschämt von irgendeiner unauffälligen festen Position aus, sondern sich frei bewegend, auch in der Szene, und keine intime Nähe scheuend; also in einer Weise, die eigentlich hochgradig arbeitsstörend und aufdringlich zu nennen wäre“, erinnert sich Regisseur Achim Benning in einem Text, der auch als Einleitung in dem die Ausstellung begleitenden Fotobuch abgedruckt ist, an die Anfänge ihrer Zusammenarbeit. „Mit sicherem Bühneninstinkt, mit dramaturgischem Verständnis, mit respektvoller und behutsamer Annäherung an die Schauspieler und Schauspielerinnen in der Szene nahm Christine phantasievoll miterlebend und ohne voyeuristische Aufdringlichkeit teil an der Schaffung einer neuen Welt, die sich aus alten Zeiten nährte.“

In der Ausstellung begegnet man 13 ausgesuchten Inszenierungen aus Burg- und Akademietheater, darunter Bennings Interpretationen von Gorkis „Sommergäste“ und „Kinder der Sonne“ und seine Tschechow-Inszenierungen „Onkel Vanja“ und „Kirschgarten“ oder seine Uraufführung von Klaus Pohls „Das alte Land“, Dieter Berners Erstaufführung von Botho Strauß’ „Kalldewey Farce“ mit Maria Bill und Erika Pluhar als rabiate „Fascho-Lesben“ oder Schnitzlers „Komödie der Verführung“ in der Regie von Horst Zankl und dem Bühnenbild von Hans Hollein. Man begegnet dabei Elisabeth Orth und Kitty Speiser, Michael Heltau und Attila Hörbiger, Wolfgang Hübsch, Kurt Sowinetz, Franz Morak und vielen anderen. Dabei gibt es nicht nur gerahmte Schwarz-Weiß-Aufnahmen, in denen die Atmosphäre von Proben und Aufführungen verdichtet ist, und die Besetzungsliste der jeweiligen Aufführung, sondern auch in der Mitte der beiden Räume an Stahlseilen hängende Fotografien zum Durchblättern. Christine de Grancy hat diese Blätter eigenhändig beschriftet, um mit Szenenbeschreibungen und Dialog-Ausschnitten die gezeigten Momente noch lebendiger werden zu lassen. Dafür sollen auch Aufführungsmitschnitte in einem eigenen Hörraum sorgen.

Ein vierzehntes Kapitel der Ausstellung beschäftigt sich mit einem umstrittenen Burgtheater-Gastspiel in Moskau, das eigentlich 1980 stattfinden sollte, bei dem aber dem Ensemblemitglied und Charta-77-Unterzeichner Pavel Landovsky kein Visum ausgestellt wurde. Auftritt und Besuch des damaligen Bundeskanzlers Fred Sinowatz wurden abgesagt – und nach zähen Verhandlungen zwei Jahre später nachgeholt. Ein bei dieser Gelegenheit gemachtes Foto einer lächelnden Erika Pluhar unter einem großen Lenin-Bildnis zählt zu den Highlights der Schau.

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In Echerers Verlag Die2, wo vor wenigen Monaten schon ein Buch mit de Grancys „Götterbildern“ erschienen ist, gibt es ein über 200-seitiges Buch zu der Ausstellung, in dem auch informative Essays zu den einzelnen Stücken und Aufführungen abgedruckt sind. Mit einer Gesamtschau der Direktion von Achim Benning (1976-1986) und dem politischen Umfeld dieser Zeit befasst sich Reinhold Reiterer. Darin schreibt er, dass Benning zunächst als Linker kritisiert wurde, vor dem Engagement von Claus Peymann aber „plötzlich ein stockreaktionärer, stinklangweiliger Theatermann geworden“ war. Schuld für diese „theatergeschichtliche Amnesie“ sei eine gezielte Kampagne gewesen.

(S E R V I C E – „Christine de Grancy – Sturm und Spiel. Theaterphotographie“, Ausstellung im Theatermuseum, Wien 1, Lobkowitzplatz 2, 3. Juni bis 7. November, Tgl. außer Di 10-18 Uhr, ; Buch, erschienen im Verlag Die2, 224 Seiten, 38 Euro, ISBN 978-3-9505034-1-8)

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