Thiem sieht in Adelaide-Quarantäne „keinen großen Vorteil“

Vergangene Woche ist Dominic Thiem erstmals als Grand-Slam-Champion in die neue Tennis-Saison geflogen. Der mittlerweile 27-jährige US-Open-Sieger ist als Nummer 3 der Welt ebenso wie Novak Djokovic und Rafael Nadal sowie Trainingspartner und Freund Dennis Novak in Adelaide in der obligatorischen zweiwöchigen Quarantäne. Das Gros des Trosses ist bereits in Melbourne „kaserniert“. Vorwürfe, dass die Top 3 eine Sonderbehandlung genießen würden, kann Thiem nicht nachvollziehen.

„Die Quarantänebestimmungen sind genau gleich wie in Melbourne, von dem her wird es keinen großen Vorteil geben. Natürlich ist es vielleicht ein bisserl angenehmer in Adelaide, wenn dort nicht 300 Leute sind, sondern nur ca. 20“, meinte Thiem in einem ORF-TV-Interview in der Sendung „Sport am Sonntag“. Am Freitag vor der Weiterreise nach Melbourne gibt es dann eine Exhibition. „Da wird auch Geld für die Region gesammelt, das ist eine gute Sache. Es wird auch die erste Exhibition wieder vor Leuten sein.“

Thiem erhält also doch noch einige Zeit, sich im australischen Sommer den Feinschliff für die unter neuerlich schwierigen Vorzeichen stehende Saison zu holen. Diesmal hatte er die bisherige Vorbereitung in Österreich absolviert. „In den letzten acht, neun Jahren war ich immer im Warmen im ganzen Dezember“, erzählte Thiem, der aber in der gesamten Coronavirus-Pandemie zumindest einen kleinen Vorteil sah. „Einfach, weil ich länger Urlaub gehabt habe und wirklich lange Zeit gehabt habe, dass ich punktgenau voll da bin.“ Die Schwerpunkte in der körperlichen Arbeit habe er gleich gesetzt wie 2019 vor der Saison. „Weil ich da topfit in Australien gestartet bin.“ Und auch vor der Abreise fühlte er sich körperlich sehr gut, ein Zustand, der schon länger anhält. „Vor allem ab Mitte 2019 und das ganze Jahr 2020 habe ich mich topfit gefühlt in allen Bereichen wie Ausdauer, Schnelligkeit. Da haben wir geschaut, dass das so bleibt.“

„Richtig darauf freuen“ kann sich Thiem auf ein Wiedersehen mit Fans. Laut aktuellem Stand werden bei den Australian Open ja immerhin 50 Prozent der normalen Zuschauerkapazität zugelassen werden. „Das werden die meisten Leute seit Rio sein“, erinnerte sich der Lichtenwörther an den Februar 2020. Schön werde es auch werden, wenn man sich nach überstandener Quarantäne frei und ohne Maske bewegen kann. „Das wäre das erste Mal seit Los Angeles im letzten März, wo wir das so machen können.“ Allerdings weiß auch Thiem über die äußerst strengen Schutzmaßnahmen in Australien, sollte es wieder zu einem Coronafall kommen. Da werde schnell auch eine ganze Stadt rigoros gesperrt. „Daher freue ich mich nicht zu früh auf etwaige Freiheiten.“

Vorerst ohne den Covid-19-positiv getesteten Hauptcoach Nicolas Massu und auch ohne Fitnesscoach Duglas Cordero, der erst Anfang April in Miami dabei sein wird, ist Thiem nur mit Vater-Trainer Wolfgang sowie Physio Alex Stober vor Ort.

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Noch vor dem ersten Major des Jahres bestreitet Thiem mit Dennis Novak, Philipp Oswald und Sam Weißborn für Österreich zum zweiten Mal den ATP Cup. „Wir wollen auf jeden Fall gut spielen. Ich denke auch, dass wir gute Chancen haben, weil wir ein starkes Team haben.“ Grundsätzlich mag Team den ATP Cup, und er hat auch etwas aus dem Vorjahr gutzumachen. „Letztes Jahr war es ein bisserl bitter, weil ich auch super vorbereitet war und dann zwei schwache Partien gespielt habe. Ich hoffe, dass ich es dieses Jahr besser mache.“

Danach folgen die Australian Open, wo Thiem nach 2:1-Satzführung im Finale gegen Djokovic schon haarscharf am ersten Grand-Slam-Titel vorbeigeschrammt war. Die aufgrund einer Corona-Sonderregelung „eingefrorenen“ Finalpunkte muss er nicht verteidigen. Eine Situation, die er auch schon als 2019er-Finalist in Roland Garros gehabt hatte. „Auch die French Open hätte ich gewinnen müssen, dass ich Punkte dazu mache, so wird es in Australien auch sein.“

Fixpunkte, sofern es die Pandemie zulässt, sind für Thiem nach Melbourne die Turniere in Doha, Dubai und Miami. Den Südamerika-Trip lässt er wie schon länger angedeutet aus. „Doha und Dubai habe ich lang nicht mehr gespielt, ich glaube vor sechs Jahren das letzte Mal“, sagte Thiem und meinte damit wohl nur Dubai (zuletzt 2015). In Doha spielte er 2018 und 2019.

Fix eingeplant sind die Olympischen Spiele in Tokio und auch das Davis-Cup-Finalturnier. „Es ist eine Zeit her, dass wir uns dafür qualifiziert haben. Ich freue mich drauf. Viele Sachen stehen noch in den Sternen wegen Corona“, gab er aber zu bedenken.

So u.a. auch die Rückkehr der Amateur-Tennisspieler in die Hallen. Eine Maßnahme der Regierung, die Thiem nicht nachvollziehen kann. „Ich kann es nicht verstehen, wenn man sieht, was draußen abgeht, und Tennis ist ein Sport, wo der Abstand sehr leicht einzuhalten ist und man sich nicht einmal berühren muss. Ich hoffe für alle, die den Sport gern betreiben, dass die Hallen bald wieder aufmachen.“

Prognosen sind wegen Corona schwierig. Das gilt auch für die Frage, wie lange die „big three“ neben dem rekonvaleszenten Roger Federer eben Djokovic und Nadal noch die Regentschaft im Tennis bewahren werden. Die nächste, neue Nummer 1 nach diesem Trio? „Dafür kommen drei, vier Spieler infrage, ich selbst auch sowie (Alexander) Zverev, (Daniil) Medwedew und (Stefanos) Tsitsipas. Für die Australian Open 2021 sieht er Nadal und Djokovic immer noch “eine kleine Stufe über Tsitsipas, Medwedew, Zverev und mir„, aber: “Von den Sechs hat jeder gute Chancen, das zu gewinnen.”

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